Papageienhof mit neuer Betriebsstruktur

Aus Papageienhof wird KMU

Dicken. Seit vier Jahren betreibt Marcel Jung den Papageienhof im Weiler Hönenschwil. Der Andrang ist nun so gross geworden, dass die Auffangstation neu strukturiert werden musste.
25. Januar 2008, 00:30
MICHAEL HUG

Am 1. Januar 2004 gründete der Handwerker Marcel Jung seinen Papageienhof «Zum goldenen Senn»: «Durch meine Liebe für Papageien kam ich an viele Orte, wo Papageien gehalten werden. Dabei habe ich sehr viel Schönes und Erfreuliches gesehen, zum Teil sah ich aber auch Papageien in Situationen, wo ich sagen musste, so nicht!» Im Heimtierbereich und speziell bei Vögeln werde sehr viel Unfug getrieben, dass dabei die Grenzen zur Tierquälerei oft massiv überschritten werden. Viele Vogelhalter seien schlichtweg überfordert, deren Vögel massiv verhaltensgestört. Dies obwohl zur Haltung von grossen Papageien – z. B. Aras – eine Haltebewilligung erforderlich ist. Doch schwarze Schafe gäbe es auch hier. Er habe schon erlebt, so Jung, dass Halter beim Tierarzt die Flügelsehnen der Vögel durchtrennen lassen, damit sie nicht mehr wegfliegen können.

Papagallo wiedereröffnet

Zum Glück gäbe es aber auch einige, die ihre Überforderung einsehen. Doch wohin mit dem Sittich oder Papagei, wenn er nicht mehr erwünscht ist? Jung konnte oft nicht nein sagen, wenn Anfragen zur Unterbringung an ihn gelangten. So gründete er seinen Papageienhof in und um ein altes Bauernhaus in Dicken. In vier Jahren ist das Einmannprojekt zu einem kleinen Unternehmen angewachsen. Heute arbeiten sechs ständige Mitarbeiter auf dem Hof, dazu kommen eine Anzahl freiwilliger Helfer. Von den sechs Mitarbeitern sind drei hauptberuflich als Tierpfleger tätig, zwei davon sind Lehrlinge. Zwei – ehrenamtliche – Mitarbeiterinnen führen den kleinen Geschenksladen «Papagallo» in Lichtensteig, der demnächst an einem attraktiven Standort an der Hauptgasse wiedereröffnet wird.

Verein gegründet

Seit vier Jahren besitzt Marcel Jung die kantonale Bewilligung zur Führung der Auffangstation. Die Aufsicht durch das Veterinäramt des Kantons brachte es nun mit sich, dass aus der Einzelfirma ein strukturierter Betrieb wurde. 2007 wurde der Verein «Papageienhof» gegründet. «Damit erwecken wir auch bei den Spendern und Stiftungen Wohlwollen», hat Jung festgestellt. Denn finanzieren kann sich der Verein praktisch nur über Spenden und Patenschaften. «Die tatsächlichen Kosten, die ein Tier im Rest seines Lebens hier verursacht, kann man den ehemaligen Besitzern nicht abverlangen», sagt Jung ohne jede Illusion, denn dann würden die Tiere einfach woanders «entsorgt». «Von hier geht kein Vogel mehr weg», so der «Papageienonkel», «wir betreiben selbstverständlich keinen Handel mit Tieren. Wir sind eine klassische Auffangstation!»

Katzen- und Kleintierheim

Mittlerweile kann man auch – ausser Hunden – auch andere Heimtiere auf den Hof bringen: «Wir sind für Katzen, Kaninchen und andere Nager eingerichtet.» Rund 150 Papageien und Sittiche sowie drei Dutzend Katzen sind ständig Gäste in diesem Hospiz. Auch Jungs Tätigkeit als Tierschutzbeauftragter der Stadt Wil ist eine Quelle, aus der viele Heimtiere nach Dicken kommen. «Mein Job dort ist zwar bezahlt, aber die Neuunterbringung der Tiere nicht.» Weiter meint Jung: «Die grossen Vögel verspeisen fast fünf Kilo Früchte pro Tag!» So sucht er mit seinem Verein ständig nach Finanzierungsquellen. Der Geschenkartikelladen in Lichtensteig ist eine davon: «Jeglicher Gewinn fliesst in den Papageienhof!» Im Laden werden selbst gemachte Töpfereien verkauft und eingekaufte Produkte. Auch die Lehrlinge müssen da ran: Einen halben Tag pro Woche müssen sie den Laden hüten und dürfen dabei ihre kreativen Fähigkeiten in der Töpferkunst erproben. Im Internet unter: www.papageienhof.ch.


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