Tagblatt Online, 15. Oktober 2011 08:31:00
Der mit dem Rind flüstert
Der Muniflüsterer Armon Fliri zähmt Rinder auf die sanfte Art. (Bild: Urs Jaudas)
Eben war das gut einjährige dunkelbraune Rind noch mitten in seiner Herde. Jetzt steht es alleine in einem Ring in der Olma-Arena und drängt sich gegen die Abschrankung. Es wedelt nervös mit dem Schwanz, legt die Ohren nach hinten und schnaubt. Sieben Meter von ihm entfernt steht ein Mann mit einem Haselstecken und einem Seil in den Händen. Eine ungemütliche Situation für die junge Kuh, die noch nie in ihrem Leben näheren Kontakt zu Menschen hatte.
Armon Fliri gibt dem Rind Zeit, sich zu beruhigen und versucht, Vertrauen aufzubauen. Der Muniflüsterer, wie er sich nennt, hat seine Methode mit den Rindviechern zu kommunizieren vor rund zehn Jahren entwickelt, nachdem er ein Buch des amerikanischen Pferdeflüsterers Monty Roberts gelesen hatte. Und nach vielen Stunden Beobachtung, wie die Tiere unter sich kommunizieren. Seither zähmt der Landwirt aus dem zürcherischen Unterengstringen auch die wildesten Stiere. Mutterkühe seien aber viel gefährlicher, da sie ihren Nachwuchs verteidigen, sagt Fliri.
Auch das dunkelbraune Rind in der Arena versucht, sich zu wehren. Doch Fliri setzt seinen Körper gezielt ein, um der Kuh zu zeigen, was er von ihr möchte. Er berührt ihren Rücken mit dem Seil, dann ihre Beine, dann den Kopf. Immer wieder. Dann kommt der Stecken zum Einsatz, als verlängerter Arm. Nach einer Viertelstunde kann Fliri das Rind mit der Hand berühren. Jetzt steht es ruhig da. Der Schwanz hängt nach unten. Die Ohren sind aufmerksam. Fliri kommuniziert nur durch seinen Körper mit dem Tier und legt ihm schliesslich das Halfter an. Nach einer halben Stunde lässt sich das Rind führen, als hätte es nie etwas anderes gekannt. (kme)
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