Tagblatt Online, 13. Oktober 2011 08:23:00
Der neue Olma-Direktor
Kopf des Tages
Die letzten Retuschen sind gemacht, die Rede für die heutige Olma-Eröffnung im Theater St. Gallen liegt in der Mappe bereit. Für Nicolo Paganini ist es die erste in seiner neuen Funktion als Olma-Direktor. «In zwölf bis dreizehn Minuten kann ich die Ostschweiz allerdings nicht neu erfinden», sagt der 45-Jährige, der sein Amt im Frühling angetreten hat «und gerne repräsentiert», wie er sagt. «Das war mit ein Grund, warum ich diesen Job wollte.» Paganini ist wohl der jüngste Direktor in der Geschichte der Publikumsmesse.
Der kleine Gemeindepräsident
Über mangelndes Medieninteresse muss er sich nicht beklagen: Selbst im Val Poschiavo, wo seine Wurzeln väterlicherseits liegen und wo er selber gerne wandern geht, interessiert man sich für den Mann aus St. Gallen. Vorher war Paganini Ortsvorsteher im Thurgau – eine heute verschwundene Funktion, die er selber liebevoll mit «kleiner Gemeindepräsident» umschreibt. Darüber hinaus war Paganini Kantonsrat und CVP-Fraktionschef. 2002 wurde er vom Kanton St. Gallen als Standortförderer gewählt, 2007 wechselte er zur St. Galler Kantonalbank als Stabschef Private Banking.
An der Splügenstrasse 12 in St. Gallen, dem Herz der Olma Messen, ist der Puls der grössten Schweizer Publikumsmesse noch ein bisschen heftiger spürbar als in der Stadt. Am Empfang herrscht ein Kommen und Gehen: Oben in der Administration werden letzte Billette abgeholt, unten in der Halle 1 hämmern die Standbauer den letzten Nagel ein. Die Olma: Das sind jährlich 400 000 Besucher, die sich an elf Messetagen durch die acht Ausstellungshallen bewegen. Auch Paganinis Fieberkurve ist seit September unaufhörlich angestiegen, «aber das ist zyklisch-positive Energie. Irgendwann hat das Ganze wieder ein Ende. Ich mag es, wenn das Leben nicht gleichförmig ist.» Seine Frau schickt der neue Olma-Direktor nach dem Tag der Ehrengäste dennoch vorsichtshalber für einige Tage in die Ferien: «Dann ist egal, wann ich nach Hause komme.» Er selber ist als Redner gefragt – bei der Alpkäse-Prämierung, am Tag der Ehrengäste, am Tag des Milchviehs, bei den Serviceclubs oder bei der Ehrung langjähriger Aussteller. «Ein paar Aussteller will ich selber noch am Stand besuchen und ein Besuch der Moststube muss auch drinliegen.» Paganini ist entschlossen, seine Olma auch zu geniessen, obwohl sich auch bei den Olma Messen nicht alles um die Olma dreht: «Wir sind mitten im Budgetprozess.»
Auf den Auftritt des Gastkantons Bern freut er sich: «Da habe ich studiert, mein Lizenziat gemacht und anschliessend noch eineinhalb Jahre für die Bundesversammlung gearbeitet. Eine glückliche, unbeschwerte Zeit.» Er ist gespannt, welche neuen Seiten der Kanton Bern in der Sonderausstellung zeigen wird. Ein Publikumsmagnet wird die Sonderausstellung sicher. Dank der Gastkantone präsentiert sich die Olma immer wieder neu. Da ist Paganini Partei: «Die Olma hat Zukunft – nur sie liefert diese ansprechend-sinnliche Mischung von Stallgeruch und Begegnung am Stand.» Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Das Flaggschiff ist mit Abstand der grösste Ertragspfeiler der Genossenschaft Olma Messen St. Gallen.
Der Teamplayer
Das Olma-Plakat mit der dreckigen Säulischnauze kommt dieses Jahr frech daher – ein Teil von Paganinis neuem Olma-Kurs? «Nein», winkt er ab. «Die Olma ist ein Gemeinschaftswerk meines Teams. Beim Plakat habe ich nur mitdiskutiert.» Bei anderen Dingen habe er eher Pate gestanden, etwa beim Facebook-Auftritt. «Ich bin 20 Jahre jünger als mein Vorgänger Hanspeter Egli. Es ist Aufgabe des Direktors, die Messe dem Zeitgeist anzupassen.» Für das 75-Jahr-Jubiläum 2017 wollen sich die Olma-Messen etwas Besonderes einfallen lassen – «ein Ostschweizer Gastkanton wäre mein Wunsch». Bis dahin ist allerdings noch etwas Zeit. (cz)
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben