Tagblatt Online, 14. Oktober 2011 07:54:00
Die Berner und ihre St. Galler Kriegsbeute
Nicolo Paganini (Bild: Urs Jaudas)
ST.GALLEN. «Grüessech», «Bonjour» und «Grüezi»: Der Gastkanton und der Olma-Standortkanton entdecken Gemeinsamkeiten.
Jeder Olma-Jahrgang hat seinen Charakter. Der neue Olma-Direktor Nicolo Paganini, der die Olma «behutsam dem Zeitgeist anpassen und dabei authentisch bleiben will», sieht die Verbindung zwischen dem Agrarkanton Bern und dem Kanton St. Gallen in ihrer grossen Vielfalt – mit städtischen Zentren und viel ländlichem Gebiet: «Dort vom Jura bis aufs Finsteraarhorn, hier vom Bodensee bis hinauf zum Ringelspitz.» Die Heiterkeit des geladenen Publikums an der Eröffnungsfeier im Theater St. Gallen ist Paganini spätestens dann gewiss, als er an die Religionskriege 1712 erinnert, wo Zürcher und Berner Teile der St. Galler Stiftsbibliothek als Kriegsbeute wegführten. Für den ehrenhaften Charakter der Berner spreche nämlich, dass es bei ihnen nicht fast 300 Jahre gedauert habe, bis die Kriegsbeute zurückgegeben wurde – «und erst noch in echt und nicht als Replik». Ohne die zügelnde Haltung Berns hätte der ganzen Ostschweiz gar ein Zürcher Protektorat gedroht, gräbt Paganini eine weitere historische Reminiszenz aus.
Der Berner Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher stellt den Kanton Bern als Landwirtschaftskanton vor, erinnert aber auch an High-Tech-Unternehmen wie Nestlé Suisse, die Präzisions- und Uhrenindustrie, die Medizinaltechnik und die Uhrenindustrie mit Produktionsstandorten in Biel und im Berner Jura. Darüber hinaus beheimatet Bern auch führende Unternehmen im Cleantech-Bereich; an der Sonderschau des Gastkantons ist unter anderem auch die Abteilung für Weltraumforschung und Planetologie der Universität Bern vertreten.
Mit Spannung erwartet wurde das Erscheinen von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey. Diesmal kam sie pünktlich. 2007 hatte sie sich bei der Eröffnungsfeier der Urschweiz im Theater St. Gallen so verspätet, dass das ganze Rahmenprogramm in einem Stück abgespult werden musste, um die Wartezeit für die Gäste zu überbrücken. «Das Problem liegt in der Luft», sagte alt Olma-Direktor Hanspeter Egli damals trocken.
Die Episode, vom jetzigen Olma-Direktor Nicolo Paganini in Erinnerung gerufen, wurde gestern mit einem Raunen quittiert: Die Olma-Gäste haben ein langes Gedächtnis. Christoph Zweili
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben