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Tagblatt Online, 17. Oktober 2011 06:22:00

Die Geigenbauer aus Brienz

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Vogelhüsli-Dütsch: Der Berner Dialekte sind es viele.

Violine, Bärndütsch-Facetten, Smartvote, Rossetta und Ragusa: Zu Besuch in der Sonderschau des Kantons Bern – so vielfältig wie der Olma-Ehrenkanton.

CHRISTOPH ZWEILI

Der Pulverdampf aus den Vorderlader-Steinschlossgewehren der Ehrenformation des Kantons Bern hängt in der Arena noch schwer in der Luft, als sich bereits Heerscharen von Olma-Besuchern auf den Weg zur Sonderschau des Gastkantons machen. Da lässt sichs der Nebelkälte entkommen und die Selbstdarstellung der «Schweiz im Kleinen» ist – und das nicht nur nach dem Festakt vom Samstag – bereits zum Publikumsrenner geworden.

Geigenklang in der Arena

Auf den ersten Blick beeindruckt die Sonderschau mit grosszügigen 900 Quadratmetern Fläche – und auf den zweiten mit ihrer Ruhe in der kleinen Arena. Zwei junge Frauen laden mit ihrem Spiel mit Violine und Violoncello ein, sich auf den gepolsterten Palettrahmen niederzulassen und einen Moment zuzuhören. Ein Stück Berner Behäbigkeit der anderen Art. Hinter der Arena dann die Erklärung: Wer einen der zehn Ausbildungsplätze an der Geigenbauschule Brienz belegen will, der muss bei der Aufnahmeprüfung auch beweisen, dass er oder sie ein Instrument spielen kann. Zwei junge Frauen arbeiten hier am Stand an Geigenköpfen und Fichtenholzdecken für neue Instrumente. Rahel, im dritten Lehrjahr, weiss, dass bereits Stradivari Fichte verwendet hat, und ihre Kollegin, die selbst ständig ihren winzigen Hobel weglegen muss, dass die Schweiz die höchste Geigenbauer-Dichte pro Kopf der Bevölkerung in Europa hat.

Wie nes alts Chilcheglüt

In der Tourismusecke wird die Glocke des MS Petersinsel angeschlagen. «Bärndütsch isch e Sprach wie grobs Grien, aber o guethärzig wie nes alts Chilcheglüt.» Kaum ein Ostschweizer, der an den Vogelhüsli mit den Telefonhörern vorbeigeht, ohne verzückt den vielen Bärndütsch-Facetten zu lauschen. – Da gibt es Dialekte von der Oberstadt bis ins Oberland und vom Emmen- bis ins Gadmertal. Beim Matteänglisch, der Geheimsprache aus der Berner Matten-Enge, kommt dem einen oder andern St. Galler dann schon einmal über die Lippen: «Los du emol, i verstoh nüt.»

Der Olma-Boden ist wahlkampffreie Zone. Die Wahlhilfeplattform Smartvote hat als einzige dennoch den Weg in die Berner Sonderschau gefunden. Zwar wurden bereits Berner Nationalratskandidaten am Stand ausgemacht, «aber aktiv geworben wird nicht», wird schnell versichert. Smartvote ist bei der Universität Bern untergebracht und die ist in St. Gallen immerhin mit dem Massenspektrometer vertreten, das im Zuge der Mission Rossetta Weltraumgase misst.

Ein süsser Ausgang

Bern, zweitgrösster Schweizer Kanton und grösster Schweizer Industriekanton, verspricht in St. Gallen die Brücke zu schlagen zwischen traditionell und innovativ. Die Kompetenz von Unternehmen aus dem High-Tech-, Clean-Tech-Bereich und der Medizinaltechnik interaktiv in St. Gallen vorzuführen, das ist aber schwierig, wie der Rundgang zeigt.

Dieses kleine Manko wird allerdings mehr als wettgemacht mit dem Auftritt von Camille Bloch. Die Chocolatiers aus dem Land der Uhrmacher zeigen auf, wie der Pralinériegel Ragusa entsteht. Und wer lange genug zuhört, darf gleich beim Ausgang probieren.





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