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Tagblatt Online, 11. Mai 2010 01:03:52

Pioniergeist am Berg

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Die Anfänge der Säntis-Schwebebahn: Auf dem Nettenfeld entsteht die Talstation; Bau der Bahn – die Arbeiter mussten schwindelfrei sein; Eröffnung der Bahn am 31. Juni 1935.

Die Säntisbahn war die erste Luftseilbahn in der Ostschweiz und erst die dritte in der Schweiz. Dieses Jahr wird sie 75. Ein Rückblick auf die Pionierphase am Berg und die baulichen Entwicklungsschritte.

regula weik

Schwägalp. Am Mittwoch, 31. Juli 1935, sind alle Probleme vergessen: Die Säntis-Schwebebahn wird feierlich eröffnet. Die erste Luftseilbahn der Ostschweiz überwindet eine Höhendifferenz von 1140 Metern; die Bergstation auf dem Säntisgipfel liegt 2484 Meter über Meer – die höchstgelegene der Schweiz. Die ersten Kabinen fassen 35 Personen; das Ticket für eine Hin- und Rückfahrt kostet zehn Franken – die Einwohner von Urnäsch und Hundwil zahlen weniger.

Der Säntis-Pionier

Treibende Kraft hinter dem Projekt ist ein Mann: Carl Meyer, Gründer und erster Verwaltungsratspräsident der Säntis-Schwebebahn. «Eine Leidensgeschichte», blickt er später auf die Entstehungsphase zurück. Doch Meyer bleibt beharrlich am Projekt dran. Sechs Monate hat er Zeit, die Finanzierung nachzuweisen, innert 18 Monaten muss die Bahn stehen. Sonst droht der Bund mit dem Entzug der Konzession. Die Initianten halten alle Fristen ein und laden termingerecht zur Eröffnungsfahrt.

Vom Boden abheben

Bahnideen für den Säntis hatte es bereits früher gegeben; die ersten reichen bis 1886 zurück. Erst war eine Zahnradbahn geplant, die Konzession lag auch bereits vor – dann ging den Initianten das Geld aus. Die Idee einer Adhäsionsbahn scheiterte ebenfalls an den Kosten. So wie alle weiteren Projekte, welche den Berg der Erde entlang bezwingen wollten; erst als die Initianten «vom Boden abhoben», hatten sie Erfolg.

Doch Geldsorgen plagen auch sie. Der Bau hatte 2,2 Mio. Franken gekostet – 400 000 Franken mehr als budgetiert. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bleiben zudem die Passagiere aus. Nicht für lange. Bereits 1946 übertrifft die Bahn mit 80 000 Passagieren pro Jahr die Erwartungen von VR-Präsident Meyer. 371 000 Gäste waren es vergangenes Jahr gewesen – der tiefste Stand seit 1987; der Grund: das schlechte Wetter.

Kommunikation auf dem Berg

1957 hält die Kommunikation Einzug auf dem Säntis. Die PTT – so der damalige Firmenname – nimmt die erste Anlage für Radioübertragungen in Betrieb. Ein Jahr später folgt die erste Fernsehsendung – 18 Meter ist der damalige Masten hoch, über 123 Meter misst der heutige.

Neue, grössere Kabinen

1960, zum 25-Jahr-Jubiläum, schenkt sich das Unternehmen neue Seile und grössere Kabinen. 45 Personen haben darin Platz, und sie gelangen erst noch rascher auf den Berg.

Die erste Stütze bei der Talstation wurde aufgehoben, die Fahrzeit dadurch kürzer. Die Transportkapazität der Bahn erhöht sich von 180 auf 300 Personen pro Stunde.

Der Andrang nimmt in den folgenden Jahren zu; an schönen Sonntagen bilden sich Warteschlangen. Die Bahnverantwortlichen zögern nicht lange und lassen erneut die Baumaschinen auffahren – es entsteht eine völlig neue Schwebebahn. Die Talstation wird verlegt, neue Kabinen werden angeschafft, sie transportieren 100 Personen pro Fahrt, 800 pro Stunde. Auch auf dem Berg bleibt kein Stein auf dem andern. 20 Millionen kostet der «neue» Säntis. 1974 ist die Einweihung der neuen Bahn.

Danach kehrt etwas Ruhe ein am Berg, bis 1992 die nächste Baueingabe folgt – für das 80-Millionen-Projekt «Säntis 2000». Die Gipfelstation wird zusammen mit der Swisscom ausgebaut, das alte Gasthaus abgebrochen, ein neues Restaurant mit Seminarräumen erstellt. Gegner kritisieren die «Verbauung» des Berges, verzögern den Baubeginn. Die Veränderungen am Berg sind kaum aufzuhalten; eine nächste, auffällige folgt wenig später: Die roten Kabinen werden 2000 abgehängt; die neuen sind grün-weiss und blau-weiss. Und bereits drängt das nächste Projekt: Das Gasthaus auf der Schwägalp soll durch einen Neubau ersetzt werden; der definitive Entscheid steht noch aus.





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