In der grossräumigen Sporthalle Esplanade in Biel passte an diesem Samstagnachmittag alles bestens zusammen. Das letzte Spiel einer langen Qualifikationsrunde drohte in keiner Phase zu einer langweiligen Kehrauspartie zu verkommen, denn nur der Sieger qualifizierte sich für die Playoff. Vor einer lautstarken, begeistert mitfiebernden Zuschauerkulisse von fast 300 Fans lieferten sich die beiden Teams einen spannenden Abstiegskampf mit Höhen und Tiefen, der jederzeit offen war.
Dass dann die letzten 15 Punkte die Entscheidung bringen mussten, war brutal und zeigte sich in Lust oder Frust. Nicht nur bei den Spielerinnen, sondern auch beim Publikum. Ernis Team kann auf die gezeigte Leistung am Bielersee stolz sein und sie als mentale Basis in die weiteren Spiele zum Klassenerhalt mitnehmen.
VBC Biel, das einzige Team der NLA mit nur einer Ausländerin, baut auf den eigenen Nachwuchs, der im Seeland beispielhaft gehegt und gepflegt wird.
Nebst der amerikanischen Passeuse Jamie Baumstark, mit Jahrgang 1988 die Älteste, steht oft nur eine Spielerin auf dem Feld, die nicht aus der eigenen, äusserst erfolgreichen Juniorinnenabteilung stammt. Mit zwei Titeln bei den U21 und U18 wurde im Frühling 2009 der Höhepunkt in der 50jährigen Erfolgsgeschichte erreicht. Mit der Anstellung von Michel Bolle, einem ausgezeichneten Techniker und Motivator, der von kompetenten Ausbildnern unterstützt wird, wurde die Grundlage für Erfolg geschaffen.
VBC Biel befindet sich auf einem hoffnungsvollen Weg, der langsam seine Früchte zeigt.
Bei Volley Toggenburg setzte man in der entscheidenden Begegnung nebst den bewährten Spielerinnen auch auf die Karte Erfahrung. Nach dem unglücklichen ersten Satz wechselte Trainer Erni Xiao Erni-Zhang für die Stammpasseuse Christina Nash und Hua Kuch-Li als Libera für Nadja Pantaleoni ein.
Sie brachten die erhoffte Steigerung und Ruhe ins Team, wobei es hie und da aber auch verständlicherweise an der blinden Verständigung fehlte. Zwei weitere erfahrene Spielerinnen stachen aber mit ihrem Einsatz und ihrer Effizienz aus dem Ensemble heraus. Vanessa da Silva Jorge versenkte die Bälle oft in bekannter Art und Weise im gegnerischen Feld und hielt so die Sätze offen, während sich Geburtstagskind Katia Bigger, letztes Jahr wenig im Einsatz, immer mehr zu einer wertvollen Stütze entwickelt.
Von Spielbeginn weg gab der VBC Biel den Ton an, startete konzentriert und äusserst erfolgreich, so dass Trainer Marcel Erni bei 5:1 schon das erste Time-out beanspruchte. Sein Team hatte grösste Mühe, ins Spiel zu kommen, wirkte gehemmt und beging zu viele ärgerliche Eigenfehler. Weil die Seeländerinnen mit präzisen, hart geschlagenen Anspielen zu den erhofften Punkten kamen, ahnte man Schlimmes für die Gäste aus dem Toggenburg.
Nach nur 22 Minuten – es sollte der zeitlich kürzeste Satz bleiben – ging die Rechnung nur für die Bielerinnen auf, die mit der Leistung ihrer Stammsechs zufrieden sein konnten.
Etwas ausgeglichener präsentierte sich dann der zweite Satz mit den beiden erfahrenen Chinesinnen auf Toggenburger Seite. Das Spiel konnte nun offen gehalten werden, und kein Team konnte sich einen deutlichen Vorsprung erarbeiten.
Bis zum 22:22 war kurz vor Schluss alles möglich, doch blieben die jungen Bielerinnen im Endspurt etwas gelassener und glücklicher, was ihnen eine scheinbar beruhigende 2:0-Pausenführung einbrachte. Diese basierte einmal auf dem eigenen Können, dann auf der Selbstsicherheit, wie es Sarina Schafflützel nach Spielschluss ausdrückte. «Unser Plus war der Heimvorteil mit unserem Publikum, dann aber auch die Erinnerung an unseren Sieg im Toggenburg, der uns aufbaute.»
Während die Bielerinnen die zehnminütige Pause gelassen auf der Bank am Spielfeldrand verbrachten, zogen sich die Wattwilerinnen in die Ruhe ihrer Kabine zurück und kehrten motiviert und entschlossen zurück. Nun konnten die 30 mitgereisten Fans aus dem Toggenburg ihre helle Freude am eigenen Team haben, was sie mit Zurufen unterstützt von Glockengebimmel auch lautstark unterstrichen.
Bei VBC Biel schlichen sich zu viele Eigenfehler ein, die Fehlerquote bei den gewagten Anspielen stieg, so dass Volley Toggenburg eigentlich immer das Geschehen bestimmte und im Vorsprung lag. Weil sich auch Mariellen Ribeiro, Leslie Betz und besonders Laura Caluori erfreulich steigerten, wurde der Satzgewinn, den Laura Caluori als Jüngste mit einem gekonnten Punkt möglich machte, herzlich gefeiert.
An Spannung nicht mehr zu übertreffen war der vierte Satz, der nach 30 nie langweiligen Minuten, von Volley Toggenburg mit 28:26 siegreich beendet wurde. Bei 24:20 hatte Ernis Team den verdienten Matchball in seinen Händen, womit sich aber die Bielerinnen nicht abfinden wollten. Mit Kampf und unmöglichen Rettungsaktionen hielten sie sich im Spiel und glichen zum 24:24 aus. Am Schluss lachten dann aber den Toggenburgerinnen das verdiente Glück.
Bekanntlich kennt der entscheidende fünfte Satz im Volleyball eigene Gesetze. Dabei muss am Schluss nicht immer unbedingt das bessere, sondern oft das glücklichere Team gewinnen. Dann kommt, wie am Samstag das Wortspiel hier Lust, dort Frust zum Tragen. VBC Biel steigerte sich entscheidend, legte dank dem Vorteil des Anspiels eine tolle Serie hin und dominierte diesen entscheidenden Spielabschnitt mit 15:9 deutlich.
Volley Toggenburg konnte leider diese Bieler Offensive nicht bremsen und musste sich auch im zweiten Spiel gegen die Bielerinnen geschlagen geben. Recht wortkarg gab man sich denn kurz nach Spielschluss auch bei den unglücklichen Verliererinnen. «Nun müssen wir halt gegen Bellinzona alles klar machen», blickte Vanessa Da Silva Jorge trotzdem optimistisch in die Zukunft. Für Captain Judith Kleeb blieb nur Enttäuschung zurück. «Ich finde keine Worte, es tut mir einfach weh.»
Michel Bolle, VBC Biel: «Wir haben ein phantastisches Volleyball miterleben können. Beide Teams haben sich nichts geschenkt, wobei am Schluss unser Team ausgeglichener auftrat, was uns den Sieg brachte. Ausschlaggebend aber war auch unsere gewählte Taktik am Service, die von Erfolg gekrönt war. ... »
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