In New York steht eine Poesiemaschine

LYRIK ⋅ Zwischen Verkehrsgeräusche, Stimmengewirr und das stetige Surren von Klimaanlagen mischt sich an einer Strassenecke in New York auch ein bisschen Poesie. 20 Künstler haben Gedichte für die "Poetry Jukebox" aufgenommen, die etwas versteckt im East Village steht.
13. August 2017, 11:57

Aus dem Boden in der Gasse namens "Extra Place" ragt eine etwa zwei Meter hohe Metallröhre mit eingebautem Lautsprecher. Auf Knopfdruck werden Werke von Dichtern wie Claudia Rankine, Max Blagg und Lauren Hunter verlesen.

Es gehe darum, "die Vielfältigkeit unserer Kulturen in diesen sehr gespaltenen Zeiten" zu feiern, schreiben Café-Besitzer Ondrej Kobza und Kulturmanagerin Michaela Hecková, die die Jukebox aufstellen liessen. In ihrem laufenden Projekt "Piána na ulici" (Klaviere auf der Strasse) belebten die Tschechen Plätze und Parks in verschiedenen Städten mit Klavieren, Schachbrett-Tischen und Lautsprechern. Die "Poetry Jukebox" findet sich in abgewandelter Form auch in Prag, Kiew, London, Brighton und Venedig.

Die Gegend um die kleine New Yorker Gasse gehörte im 19. Jahrhundert einem Landbesitzer, der sein Grundstück für seine Kinder aufteilte. Übrig blieb dabei eine kleine Parzelle, die im heutigen Strassennetz "Extra Place" heisst. Zu Zeiten der Prohibition (1920-1933) befanden sich hier einige der als "Speakeasies" bekannten illegalen Kneipen, im legendären Club CBGB starteten in den 1980er Jahren Punkrock- und New Wave-Bands wie The Ramones, Talking Heads und die Patti Smith Group ihre Karrieren. (sda/dpa)


Leserkommentare

Anzeige: