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Tagblatt Online, 09. Februar 2012 01:05:54

Mark Muller gibt alles zu

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Hatte sich «vom Zorn leiten lassen»: Der Genfer FDP-Regierungsrat Mark Muller. (Bild: ky/Martial Trezzini)

Der 47jährige Genfer Baudirektor Mark Muller rettet sich mit einem aussergerichtlichen Vergleich vor einer Anklage. Ob die Geschichte damit für Muller ausgestanden ist, bleibt aber fraglich.

DENISE LACHAT

GENF. Für Mark Muller fängt das Jahr schlecht an. Heute hätte der Genfer Regierungsrat vor dem Staatsanwalt antraben müssen, um über seine berüchtigte Silvesternacht auszusagen. In Genf ist die Geschichte seit Wochen Stadtgespräch. Die lokalen Medien haben ziemlich viele Details davon bekanntgemacht. Und auch Muller selber nahm an einer Medienkonferenz Stellung dazu.

«Was ist das für ein Puff?»

Demnach feierte er am 31. Dezember in der bekannten Genfer Disco «Moulin à Danses» (MàD) offenbar nicht nur auf der Tanzfläche oder am Tresen, sondern in den frühen Morgenstunden auch auf der Toilette des Personals. Jedenfalls war die Türe der Personaltoilette verschlossen, als der Barmann des MàD sich erleichtern wollte; kurz darauf kam Muller heraus. Als der Barmann den Gast, den er nach eigenen Aussagen nicht als Regierungsrat erkannte, anfuhr, was zum Teufel er hier treibe, soll Muller geantwortet haben, er gehöre zum Personal und arbeite in dieser Nacht. Als der Barmann in der Toilette dann noch eine Angestellte vorfindet, herrscht er diese an. «C'est quoi ce bordel?», habe er gesagt – was sinngemäss mit «Was ist denn das hier für ein Puff?» übersetzt werden kann.

Wenig später kommt es zur handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen dem Regierungsrat und dem Barmann, der draussen vor dem Lokal eine Zigarette raucht. In diesem Punkt weichen die Versionen der beiden Männer zuerst voneinander ab: Muller sagte, er habe in einem «Streit unter Männern» den Barmann gepackt und die Ehre seiner Freundin verteidigt, die vom Barmann beschimpft und geschlagen worden sei. Der Barmann wiederum stellte die Vorgänge so dar: Muller habe sich von hinten auf ihn gestürzt, am Hals gepackt, in den Rücken gestossen und unter Todesdrohungen zu Boden geworfen. Die MàD-Angestellte hingegen habe er nicht angefasst.

Zwei Klagen, ein Vergleich

Beide Männer reichten in der Folge Klage ein; Muller wegen Verleumdung, der Barmann wegen der Schlägerei. Der Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli gab indes nur jener des Barmanns statt und eröffnete ein Strafverfahren; heute hätte Muller in der Sache einvernommen werden sollen. Gestern zog er seinen Kopf mit einem aussergerichtlichen Vergleich aus der Schlinge. Weil Muller zugab, dass er, vom Zorn geleitet, den Barmann tatsächlich angegriffen habe, willigte dieser ein, seine Klage zurückzuziehen. Mullers Partei, die FDP, sprach daraufhin ihrem Magistraten das volle Vertrauen aus und bezeichnete die Sache als abgeschlossen. Sie freue sich, dass die Wogen geglättet seien und Muller sich wieder zum Wohle Genfs einsetzen könne.

Abrechnung unter «Freunden»

Ob die Geschichte für Muller damit ausgestanden ist, bleibt allerdings fraglich. Zwar sind in Genf viele der Meinung, dass Mullers Privatleben Mullers Privatsache sei. Trotzdem zirkulierten für Mullers Nachfolge bereits diverse Namen im Hinblick auf die Möglichkeit, dass der Staatsanwalt Anklage erhebt und sich herausstellen sollte, dass Muller gelogen hat. Dieses Eingeständnis hat Muller nun selbst gemacht, indem er den Angriff auf den Barmann gestern zugab.

Allen voran genannt wurde der freisinnige Stadtrat Pierre Maudet – was flugs zu Spekulationen führte, der Fall sei eine Abrechnung unter politischen «Freunden». Denn in Genf haben die Freisinnigen mit den tonangebenden Liberalen, zu denen Mark Muller gehört, nur mit Ach und Krach fusioniert. Muller aus dem Amt zu drängen wäre zudem, so wird kolportiert, die persönliche Rache des freisinnigen Generalstaatsanwalts Zappelli, der im März seinen Posten quittieren muss. Ob Zappelli tatsächlich Parteilichkeit vorgeworfen werden kann, ist aber mehr als fraglich. Denn die Medien machten ebenfalls bekannt, dass die Klage des Barmanns zunächst ausgerechnet auf dem Pult von Mullers Ex-Freundin gelandet sei. Sie habe das Dossier an Zappelli weitergegeben.

Neuwahlen im nächsten Jahr

Ob Muller als Regierungsrat zu halten ist, entscheidet spätestens bei den Gesamterneuerungswahlen im November 2013 das Volk. Negative Schlagzeilen machte der 47-Jährige nämlich bereits letzten Sommer: Das Westschweizer Fernsehen deckte auf, dass Baudirektor Muller im unerreicht teuren Genf eine unerreicht günstige Miete zahlt – 1800 Franken für eine Siebenzimmerwohnung.





Leser-Kommentare:
1 Beitrag

Kommentar lesen

zombie1969 (09. Februar 2012, 13:02)
Kluger Mann!

Andere Straftäter meinen mit Dokument fälschen, Gerichte belügen und Drohungen gegen das Straftatenopfer etwas zu erreichen. Merken dabei noch nicht mal, dass sie sich selber nur noch tiefer in die Soße tunken als ohnehin schon.
Amüsant!

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