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Neue Zürcher Zeitung, 22. Februar 2012 00:00:00

Besessen wie der Honigdachs

Die Strategie des FC Basel für das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bayern München

Xherdan Shaqiri steht im Spiel gegen seinen künftigen Klub FC Bayern im Fokus. Zoom

Xherdan Shaqiri steht im Spiel gegen seinen künftigen Klub FC Bayern im Fokus. (Bild: Reuters)

Der Schweizer Meister FC Basel spielt am Mittwoch (20 Uhr 45) im St.-Jakob-Park gegen die Bayern. Das ist ein Höhepunkt in der Klubgeschichte der Basler. Er tut dem angeschlagenen Schweizer Fussball gut.

Flurin Clalüna, Basel

Vermutlich könnte neben ihm ein zwanzigstöckiges Hochhaus einstürzen, Heiko Vogel würde nicht einmal husten, wenn ihn die Staubwolke überrollt. Es ist ungewöhnlich, wie unbeeindruckt dieser Basler Jungtrainer von allem ist, wie zwanglos er über den FC Bayern spricht, über das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League und über die vielleicht bedeutendste Partie der Basler Klubgeschichte. Erst seit 15 Pflichtspielen ist Vogel Chefcoach; aber er hat schon so vieles erlebt, worauf andere Trainer vielleicht ein Leben lang vergeblich warten: ein Sieg gegen Manchester United beispielsweise, der den FCB nominell zu einer der besten 16 Mannschaften Europas werden liess.

Alles, nur kein Misserfolg

Das Einzige, was der 36-jährige Vogel nicht kennt, ist der Misserfolg; ein einziges Spiel unter seiner Führung ging verloren, jenes in Basel gegen Benfica. Vielleicht kann er deshalb so ungerührt sein, weil er gar nicht weiss, wie sich das anfühlt, in der Kritik zu stehen. Es ist fast wie bei einem Autofahrer, der noch nie einen Blechschaden hatte. Und das wird sich vorläufig auch nicht ändern, weil Vogel und sein FC Basel am Mittwoch gegen die Bayern nichts zu verlieren haben. Und vielleicht kommt er deshalb auf so besondere Ideen. Vermutlich ist Vogel der einzige Fussballtrainer, der weiss, was ein Honigdachs ist. Er hat ihn kürzlich in die Fussballwelt eingeführt und mit ihm zu erklären versucht, wie er gegen die Bayern bestehen will. Vogel sagte über den Honigdachs: «Der ist so aggressiv, dass er beim Honigfressen riskiert, von den Bienen zerstochen zu werden und zu sterben. Er ist besessen. Das brauchen wir auch im Fussball.»

Video: FC Bayern gegen FC Basel

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Die Augenklappen

Vogel hat oft solche Vergleiche parat. Als ihn kürzlich jemand fragte, ob der im Sommer zum FC Bayern wechselnde Xherdan Shaqiri vielleicht nicht mehr so motiviert sein könnte, sagte er: «Wie weit ist der Pluto von der Erde entfernt? So weit ist diese Frage weg von der Realität.» Und Vogel spricht nicht nur aussergewöhnlich, er lässt auch speziell trainieren. In diesen Tagen hat er seinen Spielern Augenklappen umgelegt und liess sie wie Piraten aussehen. Vogel sagte, das sei gut für den Gleichgewichtssinn; nun liesse sich einwenden, so etwas könne man vielleicht auch diskreter üben und die Klamaukbilder wirkten gerade vor einem Champions-League-Spiel etwas seltsam. Aber vermutlich ist die Absicht eine andere: Vogel sieht so gutmütig aus, dass er leicht unterschätzt werden könnte. Aber es ist leicht vorstellbar, dass er eine solche Aktion ganz bewusst einstreut, um den Medien etwas zum Schreiben hinzuwerfen. Die Augenklappen bleiben am Mittwoch jedenfalls in der Kabine; zwei sehende Augen können gegen die Bayern nicht schaden.

Und der FC Basel hat noch mehr zu bieten als nur den Durchblick. Es ist eine Mannschaft auf dem Höhepunkt, ein Team aus der Schweiz kann kaum besser aufgestellt sein: mit den Stürmern Alex Frei und Marco Streller, die zwar erfahren, aber noch nicht zu alt sind. Und mit Shaqiri und Granit Xhaka, die noch jung, aber so talentiert sind, dass sie unter normalen Umständen längst im Ausland spielen müssten. Der FC Basel ist eine Insel im Schweizer Fussball; nie wurde dies deutlicher als in der letzten Zeit, als sich Klubs aus der Super League juristisch und wirtschaftlich selber verstümmelten.

Ein Sonderfall

Und es sind Schweizer Spieler, die diesen FC Basel vor allem tragen. Er braucht nicht einmal überdurchschnittliche Ausländer, wie er sie früher, in anderen Champions-League-Kampagnen, mit Julio Rossi, Christian Gimenez oder Matias Delgado hatte.

Dieser FC Basel ist ein Sonder- und ein Glücksfall. Für sich selber. Aber auch für den ganzen Schweizer Fussball.





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