NZZ Online, 03. Februar 2012 21:59:00
Fischer – der Unerschütterliche
Der FCZ-Trainer startet mit einem stark umgebauten Team in die Rückrunde
FCZ-Trainer Urs Fischer denkt zweckorientiert und redet gerade heraus. (Bild: Keystone / Schmidt)
Es gibt bequemere Situationen für einen Trainer. Urs Fischer musste sich in der Winterpause vorkommen wie einer, dessen Villa geräumt wird und dem man als Ersatz einen Zivilschutzkeller anbietet. Spieler um Spieler verliess den FCZ; dem Coach blieb, machtlos zuzuschauen.
Christine Steffen
Dass der Erlös anständig war, mag Fischer etwas trösten; trotzdem muss er am Samstag in Luzern mit einem Team antreten, dem mit Rodriguez, Mehmedi, Djuric, Margairaz und Alphonse fünf Stammkräfte fehlen. Als wäre die Aufgabe für den Trainer nicht knifflig genug, fallen auch noch Philippe Koch, Kukuruzovic, Aegerter, Magnin, Schönbächler und der Neuzugang Kajevic verletzt aus. Dass Chikhaoui und Chermiti mit Tunesien am Afrika-Cup weilen, mag bei dieser Ausgangslage nur noch ein müdes Lächeln provozieren – wäre man nicht Urs Fischer.
«In die Hosen gegangen»
Denn Urs Fischer weiss gar nicht, was ein müdes Lächeln ist. Resignation ist dem knapp 46-Jährigen vollkommen fremd. Er geht zwar nicht so weit, zu sagen, die Abgänge hätten ihn beglückt, im einen oder anderen Fall habe er sich sogar dafür starkgemacht, dass der Spieler bleibe. Aber «toibele», sich querstellen – nein, das bringe es nicht. Fischer ist ein Mensch, der sich an den Realitäten orientiert und tut, was halt getan werden muss. Wenn andere klagen, hat er das Geschehene bereits abgehakt. Wo andere hadern, sieht er die «Challenge». Sagt er, es brauche derzeit viel Energie, ist dies das äusserste Zugeständnis an eine offenkundig delikate Situation.
Platz für Sentimentalitäten bleibt bei diesem praktisch orientierten Voranschreiten keiner. Fischer nennt seine Spieler «Jungs», man spürt, er mag sie und fühlt sich für sie verantwortlich. Rodriguez und Mehmedi kennt er, seit sie Buben waren; trotzdem kann er mit der Frage nach seinen Emotionen bei ihrem überstürzten Abgang nichts anfangen. Dass er sich nicht einmal anständig verabschieden konnte, ist nichts, womit er sich aufhält. Es ist die Logik des Sportlers, die aus ihm spricht, wenn er sagt, er habe keine Zeit, um am Alten herumzustudieren, ihm nachzutrauern. Der Blick richtet sich stets nach vorn: «Neue Spieler», sagt Fischer, «verdienen es, dass der Trainer von Anfang an für sie bereit ist.»
Fischer denkt zweckorientiert und redet gerade heraus. Die erste Saisonhälfte sei «in die Hosen gegangen», sagt er. Er selber hat in gewissen Phasen einen ratlosen Eindruck hinterlassen. Nach der dritten Niederlage im dritten Spiel hatte er die Schuld vollumfänglich auf sich genommen; ein unüblicher Vorgang im Fussball. «Wenn ich das Gefühl habe, die Mannschaft sei nicht bereit, muss das ein Fehler von mir sein», sagt er. Der Wechsel vom Uefa-Cup in die Meisterschaft sei nicht gelungen – auch ihm nicht.
Vielleicht ist das das Auffälligste am Zürcher Trainer: Er ist immer direkt, das Raffinement in der Kommunikation geht ihm ab. Dieses Manko macht ihn authentisch und ist wohl auch ein Element, das ihn mit dem Präsidenten Ancillo Canepa verbindet, der ähnlich unverstellt auftritt und spricht. An der Pressekonferenz wird Fischer auf seine Frisur angesprochen, die man – wäre man bösartig – modisch in den achtziger Jahren ansiedeln müsste. «Meine Frisur bleibt», sagt Fischer, «mit ihr werde ich die Leute noch lange nerven.»
«Ruhig bleiben»
In Luzern wird Urs Fischer heute Samstag einige U-21-Spieler auf den Rasen schicken müssen. Er sagt, im Moment gehe es vor allem darum, «den Februar positiv zu gestalten». «Positiv» ist ein Schlüsselwort in allen seinen Ausführungen. «Ich bin dazu erzogen worden, ruhig und positiv zu bleiben, komme, was wolle», sagt der Trainer. Weil es ja schliesslich nichts bringe, negativ zu sein. So einfach ist das.
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