Tagblatt Online, 11. Januar 2012 12:23:00
«Guter Zeitpunkt für eine Luftveränderung»
Philipp Muntwiler (Bild: Urs Jaudas)
FUSSBALL. Ein Jahr nach Adrian Winter verliert der FC St. Gallen im Sommer auch Philipp Muntwiler an den FC Luzern. Der Mittelfeldspieler unterschreibt in der Zentralschweiz einen Dreijahresvertrag. «Es ist Zeit für eine Luftveränderung.»
PATRICIA LOHER/MARKUS ZAHND
Noch zum Trainingsauftakt am Montag hatte Sportchef Heinz Peischl gesagt, dem FC St. Gallen lägen keine offiziellen Anfragen vor – für allfällige Wechsel bereits im Winter. Nun aber geht Philipp Muntwiler im Sommer nach Luzern, wenn sein Vertrag in St. Gallen ausläuft. Damit ist der defensive Mittelfeldspieler ablösefrei. Muntwiler, dessen Abgang St. Gallens Trainer Jeff Saibene bedauert, gehört St. Gallen seit der U16 an – mit einem kurzen Unterbruch in der Saison 2005/06, als er für Wil auflief.
Am Tag, als sein Wechsel nach Luzern bekannt wird, sagt Muntwiler: «Ich werde 25jährig. Es ist ein guter Zeitpunkt für eine Luftveränderung.» Er habe dem FC St. Gallen viel zu verdanken. «Er hat meinen Vertrag verlängert, als ich verletzt war.» Deshalb sei er dem Club und seinen Anhängern einiges schuldig. «Ich bin noch fünf Monate in der Ostschweiz unter Vertrag. Es ist mein Traum, mich mit der Rückkehr in die Super League zu verabschieden. Zumal ich weiss, wie es sich anfühlt, mit St. Gallen aufzusteigen.»
Das Vertrauen des Trainers
Anscheinend kein Thema ist ein Abschied bereits im Winter. «Unmöglich», sagt Saibene sofort, «ich baue auch in der Rückrunde auf ihn. Philipp Muntwiler hat mir seinen Entscheid, den Vertrag nicht zu verlängern, persönlich mitgeteilt und mir versprochen, nochmals alles zu geben. Ich habe vollstes Vertrauen in ihn.»
Ohnehin sei das Verhältnis zwischen ihm und seinem ehemaligen Captain gut, obwohl dieser die Binde nach dem Abstieg an Daniel Imhof verlor. «Ich habe das akzeptiert», sagt Muntwiler, der ebenfalls betont, der Wechsel habe nichts mit der Absetzung zu tun. Der Thurgauer spricht vielmehr von einer guten Chance und davon, «dass ich in St. Gallen einen schönen Rucksack mit Erfahrungen geschnürt habe – mit positiven und negativen». Zu den positiven gehört der Aufstieg 2009. Zu den negativen zwei Abstiege und der Achillessehnenriss im Herbst 2009, der ihn fast acht Monate ausser Gefecht setzte. Er weiss aber auch, was er heute nicht mehr tun würde: «Nach einem Abstieg sagen, dass ich es mir überlegen müsse, ob ich mir die Challenge League nochmals antue.» Muntwiler spürte, dass ihm die St. Galler Zuschauer diese Aussage im «Blick» übel nahmen. «Ich habe auch einiges gelernt», sagt er. Muntwiler kam in dieser Meisterschaft bis anhin 13mal zum Einsatz und erzielte dabei vier Tore. Zuletzt traf er im Cup-Achtelfinal gegen Zürich, den St. Gallen mit 4:2 gewann, zum zwischenzeitlichen 3:1.
«Nur eine Toplösung»
Für St. Gallen besteht damit im defensiven Mittelfeld spätestens im Sommer Handlungsbedarf. Muntwiler verlässt den Verein, Imhof ist 34jährig und seine Zukunft offen. «Wir sind bereits daran, Ersatz zu suchen», sagt Saibene. Denn eines stehe fest: «Für diese wichtige Position kommt nur eine Toplösung in Frage.»
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