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Tagblatt Online, 03. Dezember 2011 20:58:00

FC St.Gallen verspielt Cup-Goodwill bereits wieder

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St.Gallens Philipp Muntwiler strauchelt - genauso wie die ganze Mannschaft. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Der FC St.Gallen nimmt den Schwung vom Cupsieg gegen den FC Zürich zunächst in den Match gegen Nyon mit. Die zweite Halbzeit ist aber völlig ungenügend - die Quittung: nur ein Heim-Unentschieden.

Daniel Walt

Es war über 45 Minuten ein weitgehend zufriedenstellender Auftritt, den der FC St.Gallen gegen den Tabellenneunten Stade Nyonnais hinlegte. Die Espen kombinierten sich immer wieder stilsicher durch die Reihen der Westschweizer und kamen zu zahlreichen Chancen. Es schien, als hätte sich mit dem Triumph gegen den FCZ beim FC St.Gallen eine gewisse Verkrampfung, die selbst in gewonnenen Spielen manchmal spürbar war, gelöst und viel Spielfreude Platz gemacht.

Etoundis starker Auftritt
Der auffälligste Akteur der ersten Halbzeit hiess Franck Etoundi. Nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung gegen den FCZ war tagelang unklar gewesen, ob er gegen Nyon würde auflaufen können. Er konnte – und zeigte in der vierten Minute ein erstes Mal, wie wertvoll er für sein Team ist. Er setzte sich herrlich auf rechts durch und flankte in die Mitte zu Oscar Scarione, der nur noch einzuschieben brauchte. Etoundi konnte sich auch in der Folge immer wieder in Szene setzen. Er wirbelte auf links wie rechts und holte auch den Elfmeter heraus, den Oscar Scarione in der 21. Minute verschoss.

Bilderstrecke: FC St.Gallen - Nyon

Der FC St.Gallen enttäuscht beim letzten Heimspiel der Hinrunde: Er kommt gegen Stade Nyonnais nicht über ein 2:2 hinaus. (Bilder: Urs Bucher)


Montandon ging vergessen
Mit dem vergebenen Penalty, seinem zweiten nach dem Aarau-Auswärtsspiel, verpasste es Oscar Scarione, seinen Club vorentscheidend mit 2:0 in Führung zu bringen. Der Fehlschuss war irgendwie symptomatisch. Denn nach den ersten zehn Minuten, in denen das Spiel nur in die Richtung des Nyon-Tors gegangen war, kamen die Gäste etwas besser ins Spiel - und in der 26. Minute prompt zum Ausgleich: Ein Corner wurde verlängert, und Andreu brauchte am hinteren Pfosten nur noch einzuschieben. St.Gallen hatte nach dem 1:0 - zum wiederholten Mal in dieser Saison - nachgelassen und den Gästen zu viel Raum gewährt. Trotzdem konnte der FCSG mit einer 2:1-Führung in die Pause gehen: Montandon, von der Abwehr völlig vergessen, nickte in der 40. Minute einen Corner problemlos ein.

Zu wenig zwingend
In die zweite Halbzeit startete der FC St.Gallen lässig – zu lässig, wie sich zeigen sollte. In der 57. Minute vergab Martic eine Grosschance, nachdem Etoundi herrlich per Hacke auf ihn abgelegt hatte. Ansonsten traten die St.Galler nun aber viel weniger zwingend als in der ersten Halbzeit auf, und die Pässe kamen nicht mehr an. So überraschte es kaum, dass Nyon nach 61 Minuten zum Ausgleich kam: Manuel Bühler konnte einen Kopfballableger zum 2:2 verwerten.

Gellendes Pfeifkonzert
FC St.Gallen-Trainer Jeff Saibene reagierte mit zwei Wechseln auf die nun klar ungenügende Darbietung seiner Mannschaft: Edeljoker Bruno Valente ersetzte Oscar Scarione, und Kristian Nushi kam nach verbüsster Rotsperre für Ivan Martic ins Spiel. Trotzdem war die Unbeschwertheit der ersten 45 Minuten verflogen, und es dauerte bis in die letzten zehn Spielminuten hinein, bis St.Gallen wieder zu einer Grosschance kam: Ein Nyon-Verteidiger fälschte eine Flanke von Pa Modou gefährlich ab, aber der Ball fand den Weg ins Tor nicht. Nach 88 Minuten dann setzte sich Etoundi an der Grundlinie durch und passte in den Rücken der Abwehr – Muntwilers schwachen Abschluss quittierten die Zuschauer mit gellenden Pfiffen. Dieselben Pfiffe ertönten auch am Spielende. Und spätestens als Jeff Saibene in der Pressekonferenz die Darbietung seiner Mannschaft «arrogant» nannte, war der Cup-Coup gegen den FCZ weit weg. Denn St.Gallen hatte eine grosse Chance verspielt, vor der schweren Auswärtspartie in Bellinzona den Fünfpunkteabstand auf den Gegner zumindest zu wahren oder sogar noch auszubauen.



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