Klirrende Kälte und krachende Karossen

OSTSCHWEIZ ⋅ Am Dienstagmorgen ist es so kalt gewesen wie noch nie in diesem Winter. Auf den Strassen sorgte der Schnee für Chaos: Im Kanton St.Gallen ereigneten sich von Montagmorgen bis Dienstagmorgen rund 40 Unfälle. Zu drei Unfällen mit Sachschaden kam es in Appenzell Ausserrhoden. Im Thurgau verletzten sich zwei Person bei Unfällen.
13. Februar 2018, 13:46
  • Kältester Wintermorgen: Minus 30,8 Grad auf Alp im Obertoggenburg
  • Insgesamt 40 Unfälle im Kanton St.Gallen
  • Meist bleibt es bei Blechschaden
  • Sieben Verletzte in St.Gallen, zwei Verletzte im Thurgau
Auf der Alp Hintergräppelen im Obertoggenburg auf dem Gebiet der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann wurden in der Nacht minus 30,8 Grad gemessen, wie SRF Meteo mitteilte. Damit es in der Nacht so kalt wird, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Es braucht kalte Polarluft, eine Schneedecke, möglichst keine Wolken und keinen Wind. Auch in den kommenden Nächten dürfte es gemäss den Meteorologen bitterkalt werden in der Ostschweiz.

40 Unfälle innert 22 Stunden im Kanton St.Gallen

Die winterlichen Strassenverhältnisse sorgten im Kanton St.Gallen vom Montagabend bis in die Nacht hinein für etwa ein Dutzend Unfälle, wie Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, auf Anfrage sagt. Insgesamt ereigneten sich zwischen Montagmorgen, 9 Uhr,  und Dienstagmorgen, 7 Uhr, rund 40 Verkehrsunfälle, bei denen es zumeist bei Blechschäden blieb, wie die Kantonspolizei mitteilt. Bei sieben Unfällen wurden mehrere Personen leicht oder unbestimmt verletzt. Die meisten Unfälle sind auf das Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse zurückzuführen.

Eine erste Welle an Unfällen verzeichnete die Kantonspolizei St.Gallen am Montagmorgen, gefolgt von mehreren Unfällen am Montagnachmittag. Zu einer weiteren Häufung an Unfällen kam es am Montagabend im Feierabendverkehr. Neben den Unfällen kam es im gesamten Kantonsgebiet aufgrund von Schnee und Glatteis zu diversen Verkehrsbehinderungen sowie Staus. Wie die  Kantonspolizei St.Gallen stand auch der Strassenunterhaltsdienst im Dauereinsatz.

Am Montagabend, kurz nach 20.30 Uhr, geriet ein 26-jähriger Autofahrer mit seinem Auto auf der Autobahn A1 in St.Gallen ins Schleudern. Höhe Einfahrt St.Fiden brach das Fahrzeugheck nach links aus und das Auto geriet rechtsseitig über den Pannenstreifen hinaus. Dabei touchierte das Auto zunächst die Begrenzungsmauer der Autobahneinfahrt. Folglich wurde es nach links abgewiesen, überquerte beide Fahrstreifen und prallte anschliessend gegen die mittlere Begrenzungsmauer. Der 26-jährige Mann wurde leicht verletzt. Der Sachschaden beträgt rund 4000 Franken.

Bei der Frontalkollision in Rapperswil-Jona wurde eine 60-Jährige verletzt. Zoom

Bei der Frontalkollision in Rapperswil-Jona wurde eine 60-Jährige verletzt.

Ebenfalls am Montagabend, um 18.40 Uhr, kam es auf der Hombrechtikerstrasse in Rapperswil-Jona zu einer Frontalkollision. Eine 46-jährige Autofahrerin fuhr Richtung Hombrechtikon, als ihr Auto auf der schneebedeckten Fahrbahn in einer Kurve ins Rutschen geriet. Dabei kam sie auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit ihrem Auto frontal mit demjenigen einer 60-Jährigen. Diese wurde leicht verletzt und mit dem Rettungswagen ins Spital gebracht. An beiden Autos entstand Totalschaden in der Höhe von rund 30'000 Frannken. 

Die Polizei sucht nach einem Auffahrunfall ein unbekanntes Auto. Zoom

Die Polizei sucht nach einem Auffahrunfall ein unbekanntes Auto.

Um 18.20 Uhr kam es auf der Autobahn A1 in Mörschwil zu einem Auffahrunfall. Gemäss jetzigen Erkenntnissen kollidierte ein unbekanntes Auto mit dem Heck des Autos einer 23-Jährigen, wie es in der Mitteilung heisst. In der Folge verlor sie die Kontrolle über ihr Auto und verursachte eine Auffahrkollision mit einem voraus fahrenden Auto eines 28-Jährigen. Beim Unfall wurde die 50-jährige Beifahrerin der 23-Jährigen unbestimmt verletzt und musste mit dem Rettungswagen ins Spital gebracht werden. An den Autos entstand Sachschaden von rund 12'000 Franken. Wer Angaben zum unbekannten Auto machen kann, meldet sich beim Polizeistützpunkt Thal unter 058-22-80-00. 

In der Linthebene waren innerhalb von 30 Minuten sechs Fahrzeuge in Unfälle verwickelt. Bei der Verzweigung Reichenburg in Benken verloren um 19 Uhr 30 in kurzer Folge zwei Autofahrer die Kontrolle über ihre Fahrzeuge, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Die Autos schleuderten über die Fahrbahn und kamen auf der angrenzenden Wiese zum Stillstand. Dort kollidierte der zweite Wagen mit dem dort bereits stehenden ersten.

Fünf Minuten später geriet ebenfalls in Benken ein Lenker auf der Überholspur in Richtung Zürich ins Schleudern. Sein Wagen kollidierte mit der Leitplanke und kam mit der Front in die Gegenrichtung zum Stillstand.

Um 20 Uhr krachte es auf der A3 in Filzbach ebenfalls dreifach. Kurz nach dem Standenhorntunnel in Richtung Zürich schleuderte ein Lieferwagen, prallte gegen die linke Leitplanke und kam quer stehend zum Stillstand. Der nachfolgende Lenker konnte zwar rechtzeitig anhalten, wurde aber von einem dritten Autolenker gerammt.

Bei allen Unfällen wurde niemand verletzt. An den Fahrzeugen entstand Sachschaden.
 

Drei Unfälle im Kanton Ausserrhoden


Zuerst prallte das Auto gegen ein Geländer, dann gegen eine Hauswand. Zoom

Zuerst prallte das Auto gegen ein Geländer, dann gegen eine Hauswand.

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden ereigneten sich am Montag drei Verkehrsunfälle auf schneebedeckten Strassen, wie die Kantonspolizei mitteilt. Kurz vor Mittag fuhr eine Autofahrerin auf der Hauptstrasse von Gais in Richtung Bühler. Im Bereich Strahlholz kam die Frau mit ihrem Auto auf der verschneiten Strasse ins Schleudern. Das Auto geriet über die Gegenfahrbahn und prallte gegen ein Metallgeländer und anschliessend gegen eine Hauswand. Am Auto entstand Totalschaden. Der Sachschaden an Gebäude und Geländer wird auf mehrere tausend Franken geschätzt.

Dieses Auto prallte gegen ein Brückengeländer. Zoom

Dieses Auto prallte gegen ein Brückengeländer.

Eine Frau fuhr um 17.25 Uhr mit ihrem Auto von Wolfhalden her in Richtung Mühltobel. In der Linkskurve auf der Brücke kam die Lenkerin mit ihrem Auto auf der schneebedeckten Strasse ins Rutschen und stiess gegen das Brückengeländer. Es entstand Sachschaden an Auto und Geländer von einigen tausend Franken.

An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Zoom

An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden.

In Rehetobel stiess kurz nach 19.15 Uhr ein Mann mit seinem Auto auf der abfallenden Sägeholzstrasse gegen ein Auto, welches kurz zuvor auf der Nebenstrasse einen Metallzaun touchierte und quer in der Fahrbahn stand, wie es weiter heisst. An den beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden von mehreren hundert Franken.
 

Nur noch Fahrzeuge mit Schneeketten in der Stadt St.Gallen


Vier Fahrzeuge rutschten ineinander. Zoom

Vier Fahrzeuge rutschten ineinander.

Kurz nach 19 Uhr wollte eine Autofahrerin die Landhausstrasse in St.Gallen aufwärts fahren. Im steilen Strassenstück kam die Frau auf der schneebedeckten Fahrbahn nicht mehr vorwärts und blieb stehen, wie die Stadtpolizei St.Gallen mitteilt. Gleichzeitig fuhr eine Autofahrerin die Landhausstrasse abwärts. Diese kam ins Rutschen und prallte leicht in das Auto auf der Fahrbahn. Ein folgender Autofahrer konnte ebenfalls nicht anhalten und rutschten gegen die zwei Fahrzeuge. Dabei wurde zusätzlich ein parkiertes Auto beschädigt. Verletzt wurde niemand. An den vier Fahrzeugen entstand Sachschaden von einigen tausend Franken.

Beim Oberen Graben in der Stadt St.Gallen wurde am Abend während einer gewissen Zeit nur noch Fahrzeuge mit Vierradantrieb oder Schneeketten durchgelassen.


Autos an der Geltenwilenstrasse in St.Gallen. Zoom

Autos an der Geltenwilenstrasse in St.Gallen.

Auch an den Schlüsselstellen Winklerstich, bei der Spisegg, auf der Teufener-, der Wildegger- und der Oberstrasse kam der Verkehr zum Erliegen, weil Fahrzeuge wegen der prekären Strassenverhältnisse weder vor noch zurück konnten.
 

Winterdienst kam nicht mehr durch

"Der Winterdienst ist zwar unterwegs, doch wegen des gestauten Verkehrs ist teilweise für die Schneepflüge kein Durchkommen möglich", sagt Alex Hanselman, Sprecher der Stadtpolizei St.Gallen, kurz vor 20 Uhr. Es sei zu drei Unfällen auf Stadtgebiet gekommen, verletzt wurde dabei niemand.

Betroffen von den chaotischen Strassenverhältnissen waren auch die Stadtbusse. Viele Linien fielen teilweise aus. Ein Bus der Linie 1 Richtung Stephanshorn beispielsweise hatte keine Chance den Stocken-Stich hochzukommen, weil ein weiterer Bus der Linie 1 Richtung Winkeln im Weg stand. Kurz nach der Hatestelle Stocken ist dieser nach rechts in die Leitplanke gerutscht.

(Noemi Heule)

Schwierige Situation beim Bürerstich

Auch auf den Autobahnen rund um die Stadt war die Situation nicht wesentlich besser. "Die Einsatzkräfte hatten am frühen Abend vel zu tun, gegen 20 Uhr hat sich die Situation langsam wieder beruhigt", so Kapo-Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. Während des Feierabendverkehrs ist es zu zehn Unfällen gekommen, alle nur mit Sachschaden.

Beim Bürerstich auf der A1 sei die Situation besonders schwierig gewesen. "Die Autofahrer passen ihre Geschwindigkeit zu häufig nicht den Strassenverhältnissen an und dann passiert der Unfall", so Rezzoli. Schon am Morgen ist es auf St.Gallens Strassen zu 14 Unfällen gekommen.
 

Zwei Verletzte im Thurgau

Im Feierabendverkehr passierten am Montag im Kanton Thurgau mehr als ein Dutzend Unfälle. In den meisten Fällen ist es bei einem Sachschaden geblieben. Bei Bussnang wurde eine Person leicht verletzt. Sie musste mit dem Rettungsdienst ins Spital gebracht werden.

Insbesondere rund um Bischofszell und Weinfelden, aber auch am Untersee in Herdern und Eschenz waren die Verhältnisse gemäss Mediensprecher Matthias Graf von der Kantonspolizei Thurgau besonders prekär. Streckenabschnitte mussten kurzzeitig gesperrt werden, weil Lastwagen aufgrund der Glätte nicht mehr hätten fahren können. "Inzwischen war der Winterdienst im ganzen Kanton unterwegs. Die Situation hat sich beruhigt", sagte Graf gegen 20 Uhr. Die Gefahr sei allerdings noch nicht gebannt. In der Nacht auf heute und am frühen Morgen sei mit Glatteis zu rechnen.

Am Dienstagmorgen geschah wegen der eisigen Strasse denn auch prompt ein Verkehrsunfall. Ein 22-jähriger Autofahrer verlor auf der Arbonerstrasse zwischen Amriswil und Steinebrunn in einer Rechtskurve die Kontrolle über sein Auto. Das Fahrzeug rutschte auf die Gegenfahrbahn und stiess dort mit einem Auto zusammen, dass in die Gegenrichtung unterwegs war. Gemäss Kantonspolizei Thurgau wurde der 22-Jährige leicht verletzt und musste ins Spital gebracht werden. Der Sachschaden beträgt einige zehntausend Franken.  (chs/kbr/maw/mha/pd/sda)
 

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