NZZ Online, 20. Februar 2012 18:29:00
Santorum zieht davon
Klares Verdikt der jüngsten Umfragen zu den US-Vorwahlen bei den Republikanern
Unter den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern in den USA hat Rick Santorum offenbar Terrain gut gemacht. Gemäss der jüngsten landesweiten Umfrage hat er auf Mitt Romney einen Vorsprung von acht Prozentpunkten.
(sda/dpa)
Der erzkonservative amerikanische Präsidentschaftsbewerber Rick Santorum zieht laut der jüngsten landesweiten Umfrage dem bisherigen Favoriten Mitt Romney klar davon. Laut der neusten Gallup-Umfrage führt Santorum acht Prozentpunkte vor Romney. Damit habe Santorum erstmals einen eindeutigen Vorsprung, der ausserhalb statistischer Fehlermargen bei Umfragen liege, sagen Experten.
36 Prozent für Santorum
Gemäss der Umfrage wollen 36 Prozent der Republikaner, dass der streng-religiöse Ex-Senator Santorum Barack Obama bei den Präsidentenwahlen im November herausfordert. Lediglich 28 Prozent unterstützen den Multimillionär und ehemaligen Gouverneur Romney.
Die beiden anderen Bewerber bei den Republikaner-Vorwahlen sind dagegen klar abgeschlagen. Der ehemaligen Parlamentspräsidenten Newt Gingrich käme demnach lediglich auf 13 Prozent der republikanischen Vorwähler, der radikalliberale Ron Paul auf 11 Prozent.
Auch ein vom Onlinedienst «Real Clear Politics» errechneter Mittelwert aus sechs Umfragen sieht Santorum klar vorn. Demnach käme Santorum auf knapp 34, Romney auf 28 Prozent.
Rennen völlig offen
Zu Beginn der Vorwahlen im Januar galt Romney lange Zeit als klarer Favorit – Santorum als krasser Aussenseiter. Nun scheint das Rennen um die Kandidatur wieder völlig offen zu sein. Der 53-jährige Santorum hatte vor zwei Wochen überraschend bei Vorwahlen in den drei Bundesstaaten Colorado, Minnesota und Missouri gewonnen.
Der Republikaner Mitt Romney, ehemalige Gouverneur von Massachusetts und Unternehmensberater, hat Erfahrung im Wahlkampf. Bereits im Jahr 2007 hat er sich um die Präsidentschaftskandidatur beworben, zog sich nach der Niederlage um die Spitzenkandidatur aus dem Rennen zurück. Kann er sich diesmal bei den Vorwahlen durchsetzen?
Der Katholik Santorum setzt seine Religiosität gezielt in den Wahlkampf ein. Jüngst warf er Obama vor, er hänge einer «gefälschten Theologie» an, «keiner Theologie, die auf der Bibel beruht». Später meinte Santorum, er wolle damit Obama nicht absprechen, dass er ein Christ sei.
Santorum tritt etwa selbst bei Vergewaltigung und Inzest für ein Verbot von Abtreibung ein. Romney – ein Mormone – gilt dagegen als ein eher moderater und pragmatisch ausgerichteter Konservativer.
Je vier Vorwahlsiege
Santorum und Romney konnten sich bis jetzt in jeweils vier Vorwahlen durchsetzen. Die nächsten Abstimmungen stehen am 28. Februar an, in den Teilstaaten Arizona und Michigan.
Doch eine erste echte Vorentscheidung ist frühestens am «Super Tuesday» (6. März) zu erwarten – dann wird auf einen Schlag in zehn Gliedstaaten gewählt. Alles in allem stehen noch über 40 Vorwahlen an.
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