Tagblatt Online, 04. Februar 2012 12:13:00
Integration gelingt vorbildlich
Bundesrätin Simonetta Sommaruga (Mitte) besucht mit Regierungsrätin Kathrin Hilber die Mitglieder des Netzwerks Wiesenau – ein vorbildliches Integrationsprojekt, fasst die Bundesrätin ihren Eindruck über das Austauschtreffen in St. Margrethen zusammen. (Bild: Monika von der Linden)
ST.MARGRETHEN. Bundesrätin Simonetta Sommaruga ist am Donnerstag ins Rheintal gekommen, um Menschen zuzuhören, die sich für Integration engagieren. Ihre Bilanz: «Integration kann nur gelebt werden, und im Rheintal wird sie sehr stark gelebt.»
MONIKA VON DER LINDEN
Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Unter diesem Leitsatz richtet der Kanton St. Gallen seit zehn Jahren seine Integrationspolitik aus. Das Departement des Inneren fördert verschiedene Projekte auch im Rheintal. Aus Anlass des Festes zum zehnjährigen Bestehen der Integrationsförderung besuchte Bundesrätin Simonetta Sommaruga St. Margrethen. Sie sei ins Rheintal gekommen, um zuzuhören und mit Menschen zu reden, die sich in Integrationsprojekten engagieren, sagte die Bundesrätin als sie die Mitglieder vom Netzwerk Wiesenau traf.
Ein erfolgreiches Netzwerk
In einer intensiven Gesprächsrunde berichteten Eltern und Lehrkräfte, warum sie sich engagieren, sie Bildungsanlässe und Feste für die Schule und das Dorf organisieren. Ersan Karakoc gehört dem Netzwerk an und brachte es auf den Punkt: «Ich bin nicht als Türke oder Ausländer im Netzwerk, sondern als Vater.»
Das Netzwerk funktioniere gut, weil sämtliche Mitglieder von Anfang an in die Entscheidungsprozesse einbezogen wurden, sagte Schulleiterin Eva Graf Poznicek. Nicht die Lehrerschaft habe Eltern gesucht, um bereits festgelegte Vorstellungen umzusetzen. «Wir haben miteinander bei null angefangen», beschrieb Graf einen Grund für den Erfolg des Projektes.
Hindernisse und Anregungen
Sommaruga konnte keinen blinden Fleck finden. Dennoch fragte sie nach Schwierigkeiten oder Hindernissen und Verbesserungsvorschlägen aus Sicht der Netzwerk-Mitglieder. Ein Vater sagte, er erfahre zu wenig konkrete Hilfe und Unterstützung bei der Lehrstellensuche seines Sohnes. Die Informationen bei der Berufsberatung und beim RAV hätten seinem Sohn und ihm nicht geholfen.
Viele Eltern wünschten sich mehr Zeit für ihre Kinder, sagte ein Lehrer. Oft müssten Vater und Mutter arbeiten und vielfach im Schichtdienst, ihren Kindern fehle dann genügend emotionale Zuwendung. Beda Meier (Leiter Kompetenzzentrum Integration, St. Gallen) deponierte bei der Bundesrätin, er wünsche sich ein Festbudget, mit dem der Kanton Projekte kontinuierlich fördern könne. Der Vorschlag, einen Artikel Integration in ein Gesetz aufzunehmen, sei nicht realisierbar, sagte Sommaruga. Integration sei eine Verbundaufgabe, die sowohl der Bund als auch der Kanton und die Gemeinden zu erfüllen hätten. Aber sie nehme die Anregung mit nach Bern, die Regionen noch stärker zu unterstützen.
Die Integrationsministerin – so nannte Beda Meier die Bundesrätin – hatte von den Rheintaler Projekten einen positiven Eindruck. Sie habe Schlüsselpersonen getroffen und gesehen, wie das Netzwerk Wiesenau funktioniere. Integration könne nur gelebt und nicht verordnet werden, und im Rheintal werde sie sehr stark gelebt. Sommaruga sagte, sie sei motiviert, ihre positiven Eindrücke mit nach Bern zu nehmen.
Rheintal hat Modellcharakter
Das Engagement, das die Menschen in den Rheintaler Projekten zeigen, habe Modellcharakter, zeigte sich Sommaruga überzeugt. Es sei vorbildlich, wie zwölf Gemeinden zusammenarbeiten. Dabei wahre jede Gemeinde ihre Bedürfnisse und leiste dennoch einen finanziellen Beitrag an ein gemeinsames Ziel. Das Netzwerk Wiesenau funktioniere vorbildlich, weil es offen sei und verschiedene Menschen – Schweizer und Migranten – sich einbringen und mitgestalten. Einen grossen Erfolg beschrieb die Bundesrätin darin, dass die Schule über das Netzwerk Einfluss auf die Kinder und ihre Eltern habe, aber auch auf die ganze Familie und das Dorf.
Als gut und wichtig sieht die Bundesrätin es auch an, dass der AGV Rheintal sich finanziell, zum Beispiel bei Kinderkrippen, engagiere. Es sei ein Interesse der Wirtschaft, Zugewanderte als Arbeitskräfte zu gewinnen. Deshalb habe sie auch ein Interesse, dass die Kinder von Zugewanderten eine gute Ausbildung erhalten, da sie die zukünftigen Arbeitskräfte sind, sagte Simonetta Sommaruga.
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben