Die Pfahlbauer kommen wieder

Aus der einstigen Interessengemeinschaft Buchhorn ist der Verein «Ort der Begegnungen am Bodensee» entstanden. In Chratzern soll jetzt die Vision eines Erlebnisgartens mit dem Nachbau von Arboner Pfahlbauten Wirklichkeit werden.
24. September 2009, 01:05
max eichenberger

arbon. Einst war das gegen den See hin abfallende Gelände landwirtschaftlich genutzt worden. Heute zieht der idyllische Flecken zwischen dem Weiler Chratzern und dem Frauenbad Schulklassen, Manager, Behörden und Familien aus der ganzen Schweiz und dem umliegenden Ausland an. Josefine Müller hat hier über die Jahre hin einen speziellen «Ort der Begegnungen» aufgebaut: mit Unterkünften im Haus, Schopf oder Tipizelt, mit Seminar- und Gruppenräumen.

Alte Kulturformen erleben

Schon zweimal durchgeführt wurde hier der historische Handwerksmarkt. 2500 Besucher tauchten dabei ein in die Zeit der Vorfahren und entdeckten verlorengegangene Fertigkeiten wieder: flochten Körbe, entfachten Feuer wie die Indianer, stellten Ledertaschen her oder schliffen Steinwerkzeuge. Das wache Interesse an der Geschichte und altem Handwerk liess bei den Initianten Felix Immler und Remo Gugolz die Idee aufkeimen, aus einer «Eintagsfliege» einen ganzjährigen Erlebnisgarten zu machen, der mehr als nur traditionsverbundene Experimentierfelder bietet. Der Sozialarbeiter und der Naturpädagoge bieten solche Bekanntschaften mit alten Kulturformen, Handwerks- und Überlebenstechniken in Workshops und Kursen nach Wünschen im Baukastensystem seit längerer Zeit schon an: Gruppen, Vereine, Vorstände kommen, «die grösste Klientel sind Schulen und Lager», berichtet Immler.

Er sieht sich unter anderem verpflichtet, das kulturhistorische Erbe vermittelnd zu pflegen. Bestückt werden soll der Erlebnisgarten mit einem Museumsbereich – und Arbon damit um eine touristische Attraktion reicher werden. Die Stadt hat Geschichte, und die soll anschaulich gemacht werden. In der Bleiche sind prähistorische Siedlungen aus der Stein- und Frühbronzezeit entdeckt worden. Im Buchhorn ist geplant, vier Pfahlbauhäuser nachzubauen. Dabei wird man auf die Dienste des Bleiche-Grabungsleiters und heutigen Kantonsarchäologen Urs Leuzinger zählen können.

Potenzial für Sozialprojekte

Weidenbauten, ein Naturspielplatz und alte Buschpflanzen werden gemäss den Vorstellungen der Initianten weitere prägende Elemente des Erlebnisgartens sein. Für den Ausbau der Sozialprojekte böten sich Infrastruktur und Konzept im Buchhorn ebenfalls an. Marco Dörig von der Stiftung Zukunft, die mit dem RAV zusammenarbeitet und 1200 arbeitsuchende Menschen jährlich begleitet, erkennt ein «Potenzial an sinnstiftenden Arbeitsplätzen» und Beschäftigungsmöglichkeiten. Nach Chratzern schickt die Stiftung heute schon Leute.

Einer der Fürsprecher ist alt Nationalrat Felix Walker: «In vielen Bereichen werden Probleme mit Geld zugedeckt, als dass man Menschen reintegriert. Dieses Projekt hat Integrationscharakter. » Vertreter von Tourismus und Gemeinden zeigen sich ebenso wohlgesinnt. Die Projekte seien in ihrer Ganzheitlichkeit und Authentizität glaubwürdig, sagt Stadtammann Martin Klöti: «Sie haben mit dem Ort zu tun.»


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