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Tagblatt Online, 31. Januar 2012 08:14:00

Adolf-Gaudy-Weg im Stadtwald

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RORSCHACH. Die Bauten von Adolf Gaudy prägen bis heute das Rorschacher Stadtbild. Der Stadtrat würdigt sein Schaffen und benennt den neuen Verbindungsweg zwischen Industrie- und der Reitbahnstrasse nach dem visionären Architekten.

Das Café Schnell am Bahnplatz 1, die ehemalige Toggenburger Bank an der Hauptstrasse 73, die Villa Lindenhof an der Thurgauerstrasse oder der Zentralfriedhof mit Kapelle – all diese imposanten Bauten und noch unzählige mehr hat der Rorschacher Architekt Adolf Gaudy entworfen und gebaut. «Er hat mit seiner Architektur das Erscheinungsbild der Stadt massgeblich mitgeprägt», schreibt der Stadtrat in seiner neuesten Medienmitteilung. In Erinnerung an sein Schaffen und um sein Lebenswerk zu würdigen, will der Stadtrat nun einen Weg nach dem bekannten Architekten benennen. So soll der neue Verbindungsweg zwischen der Industrie- und der Reitbahnstrasse südlich der neuen Hochhäuser auf dem ehemaligen Alcan-Areal seinen Namen tragen. Ein passender Namensgeber für diesen Weg durch ein aussergewöhnliches Bauprojekt, denn Adolf Gaudy war ein Architekt mit Visionen.

Begabter Zeichner

Adolf Gaudy wurde am 7. Juli 1872 geboren und wuchs in Rapperswil und Deutschland auf. Er studierte an der ETH Zürich und arbeitete in Genf, Paris, Berlin, St. Petersburg und Moskau, bevor er als Partner ins Architekturbüro seines Schwagers in Rapperswil eintrat. Gaudy war ein begabter Zeichner und malte und zeichnete fast täglich. Mit 36 Jahren erhält er von der Toggenburger Bank den Auftrag, für sie in Rorschach zu bauen. Damit beginnt seine Karriere in der Hafenstadt, 1904 zieht er mit seiner Familie hierher. Gaudy baut eine Fabrik für die Feldmühle, baut die Maschinenfabrik Levy an der Weiherstrasse, die Stickereifabrik Zürn an der Industriestrasse und die Druckerei Löpfe-Benz an der Signalstrasse. Er baut das Haus Hauptstrasse 102, das Haus Bergfried, die Villa Montsalvat und das erste Rorschacher Flachdach-Wohnhaus, alle an der Promenadenstrasse. Das Architekturbüro Gaudy, seine Söhne Carl-Adolf und Paul arbeiteten später mit, macht sich in der ganzen Ostschweiz einen Namen. Schweizweit bekannt wird Gaudy mit seien Kirchenbauten wie etwa die Kirche St. Maria in St. Gallen-Neudorf.

Projekte für die Schublade

Adolf Gaudys Schaffen zeugt von seiner Vielseitigkeit. Seine grossen Visionen aber wurden nie verwirklicht. Die Bahn auf den Fünfländerblick genauso wenig wie das Tram nach St. Gallen. Sein Lebensziel war der Rorschacher Rheinhafen. 1908 gehörte er zu den Gründern des Nordostschweizerischen Schifffahrtsverbandes, 1942 gründete er den Verein Rheinschiffahrtshafen Rorschach, überzeugt davon, dass einmal Lastkähne aus Rotterdam in Rorschach anlegen würden. Von dieser Vision geblieben sind nur Schriften und Baupläne sowie ein Gemälde von Theo Glinz. Nie verwirklicht wurde auch Gaudys Entwurf für einen Theater- und Konzertsaal im Kornhaus. 1956 stirbt Adolf Gaudy im Alter von 84 Jahren in Rorschach.

Im Stadtplan verewigt

Künftig soll sein Name im Stadtplan stehen. Der nach ihm benannte Weg verläuft ab der Industriestrasse südlich der Hochhäuser bis zur Reitbahnstrasse. Die Zufahrt zum Haus West erfolgt über die Industriestrasse und wird als Sackgasse ausgebaut. Zu den Häusern Mitte und Ost führt die Zufahrt, ebenfalls eine Sackgasse, von der Reitbahnstrasse. Ein versenkbarer Poller verunmöglicht die Durchfahrt über den Adolf-Gaudy-Weg. Jene für die Feuerwehr ist aber gewährleistet. (Sk/ast/el)





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