Tagblatt Online, 18. Februar 2012 09:10:00
Immerhin eine Schnitzelbank
EGGERSRIET/GRUB. Als Fasnachtszeitung war es nicht gedacht – das gefälschte Mitteilungsblatt, das letzte Woche in alle Eggersrieter und Gruber Briefkästen flatterte (Ausgabe vom 11. Februar). Dem offiziellen Gemeindeblatt sieht es täuschend ähnlich, nur der Inhalt ist brisanter.
Denn das links-grüne Forum Eggersriet-Grub SG prangert darin die «Missstände» in der Gemeinde an. Insbesondere, dass im Mitteilungsblatt bis jetzt weder Leserbriefe noch Meinungen veröffentlicht werden.
Ohne einen Falt
Aber Meinungen, die sind in Eggersriet sowieso eher selten, wie ein Rundgang gestern nachmittag zeigt. Allen voran bestätigt das der Pöstler, der täglich seine Tour durch das Dorf macht. Über das gefälschte Blatt werde kaum gesprochen, sagt er. Anders sieht es auch im Restaurant Krone nicht aus. Hier liegt das gefälschte Blatt knitterfrei und ohne einen einzigen Falt auf einem Stapel Zeitschriften. Nicht einmal hier, wo sich jeden Freitagabend der Eggersrieter Stamm trifft, scheint über die provozierenden Postille diskutiert worden zu sein. Auch die Passanten vor der «Krone» lassen sich nur knapp in zwei Parteien einteilen. Die Fälschung sei «eine Frechheit», sagen die einen. Als «gewagt und witzig» bezeichnen sie die anderen.
Die einzig wahre Rückendeckung bekommt das links-grüne Forum von drei Damen im Denner. Es sei richtig, dass einmal jemand diese Punkte auf den Tisch bringe, sagt eine Eggersrieterin. Vor allem, dass man bisher keine Leserbriefe habe einschicken können. Diese Meinung vertritt auch die Kassiererin, eine begeisterte Fasnächtlerin. Deshalb verkauft sie als einzige im Dorf die Schnitzelbank, die am Wochenende im Gemeindesaal vorgetragen wurde, für zwei Franken pro Stück. Denn auch die Schnitzelbank ist dieses Jahr nicht im Mitteilungsblatt abgedruckt – vergangenes Jahr habe die Gemeinde die Verse nämlich nur als zensierte Version abdrucken lassen.
Lacher an der Fasnacht
Da kam das gefälschte Mitteilungsblatt doch gerade zur rechten Zeit, um als Schnitzelbank zu enden: «Äs gseht genauso us wiä immer, isch aber nomol merklich dünner, wa jo fascht nümä got, dass no weniger dinä stoht!» Und über Gemeindepräsident Markus Peter heisst es: «S' Blättli isch au no mit Null numeriert, hend's ihn als solchi degradiert?» Zumindest hat das gefälschte Blatt damit für einige Lacher an der Fasnacht gesorgt – auch im Gemeindehaus dürfte der eine oder andere leer geschluckt haben.
Nina Rudnicki
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