Angefressen oder bleiben lassen

LICHTENSTEIG ⋅ Am Samstag wurde Theatermacher Simon Keller mit dem 4. Toggenburger Kulturpreis ausgezeichnet. Der Preis wandert nächstes Jahr weiter, so der Beschluss seiner Stifter. Der Check – 5000 Franken – bleibt beim Ausgezeichneten.
20. März 2017, 05:39
Michael Hug

Michael Hug

redaktion@toggenburgmedien.ch

Nächstes Jahr wird wahrscheinlich eine Kantonsschülerin oder ein -schüler ausgezeichnet, wenn das so weitergeht. Tatsache ist, die Toggenburger Kulturpreisträger werden immer jünger. Und immer männlicher. Von bisher vier Ausgezeichneten sind drei Männer. Und der jüngste Ausgezeichnete, der am Samstag mit dem vierten Wanderpreis von Toggenburg Kultur beehrte Theatermacher Simon Keller, ist erst knapp 22 Jahre alt.

Ein karges Brot, aber auch ein Abenteuer

Und doch belegt das Œuvre des Hembergers bereits zwei maschinengeschriebene A4-Seiten, meinte Laudator Hansruedi Kugler an der Preisverleihung im Lichtensteiger Kulturbahnhof. In seiner bewegten Rede erzählte Kulturjournalist Kugler, der den Theatermacher schon seit Jahren kennt und journalistisch begleitet hat, vom Ehrgeiz des jungen Toggenburgers: «Entweder man ist völlig angefressen, oder man lässt es lieber schon mit zwanzig bleiben.» So sei die Schauspielerei – ein karges Brot, aber auch ein Abenteuer, ein geistiges ebenso wie finanzielles: «Die Wahrscheinlichkeit, mit der Schauspielerei zum Multimillionär zu werden, liegt bei eins zu einer Million!»

Im Mekka der deutschen Sprachkunst

Bei Simon Keller habe er berechtigte Hoffnung, dass aus ihm mal ein ganz Grosser werde. Der junge Mann, der seit seiner Jugend weiss, wohin es ihn zieht und doch zuerst etwas «Rechtes» gelernt hat, nämlich Automatiker, habe grosse Ambitionen, professionelle und eigensinnige: «Am liebsten halt im Mekka der deutschen Sprachkunst, am Wiener Burgtheater.» Hartnäckig genug sei er, vielseitig talentiert ebenso als Schauspieler wie als Autor und er sei pragmatisch. Was gemäss Kugler eine ziemlich gute Mischung sei.

Eine Reihe von Eigenproduktionen

Simon Keller erhielt den Wanderpreis von Toggenburg Kultur als Anerkennung für seine bisherigen Leistungen in der lokalen Theaterszene. Erstmals auf einer grösseren Bühne spielte Keller beim Theaterverein Toggenburg. Bald darauf erhielt er ein Engagement beim Zürcher Bernhard-Theater, wo er im kommenden Herbst in der Erich-Vock-Produktion «Räuber Hotzenplotz» den Kasperli spielen wird. Eine ganze Reihe Eigenproduktionen hat Keller bereits auf die Bühnen der Region gebracht. Dies alles ohne eigentliche Ausbildung in diesem Metier. Den Makel will er ausmerzen: Seit einem halben Jahr besucht Simon Keller eine Schauspielschule. Den Preis, einen Wanderpreis, erhielt er aus den Händen des letztjährigen Trägers Philipp Kamm. Den Check über 5000 Franken kann der junge Theatermacher behalten. Der Wanderpreis werde im Übrigen, so Christian Spoerlé, Präsident von Kultur Toggenburg, weitere vier Jahre wandern. Dies sei beschlossen. Vielleicht erhält ihn nächstes Jahr wieder eine Frau.


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