Gegenläufige Entwicklungen

ENTSORGUNG ⋅ Die TMF Extraktionswerk AG in Bazenheid macht aus tierischen Nebenprodukten Fett und Mehl. 2016 war Tiermehl teils deutlich weniger gefragt als zuvor. Dafür erholten sich die Fettpreise.
20. April 2017, 00:00
Simon Dudle

Es sind beeindruckende Zahlen, welche das vor 50 Jahren gegründete Bazenheider Unternehmen für 2016 ausweist. Über 10000 Tierkörper mit einem Gesamtgewicht von mehr als 45000 Tonnen wurden vergangenes Jahr in fast der gesamten Deutschschweiz eingesammelt – und zwar bei Privatbetrieben wie Metzgereien und Schlachthöfen, bei regionalen Tierkörpersammelstellen sowie Grosstiere direkt bei Landwirtschaftsbetrieben. Daraus werden Tiermehl und Extraktionsfett gewonnen. Das Fett wird als hochwertiger Energieträger in Industriebetrieben und bei der Biodieselproduktion eingesetzt, während das Tiermehl als Brennstoff in Zementwerken verwendet wird. Vergangenes Jahr wurden über 5800 Tonnen Extraktionsfett und über 9600 Tonnen Tiermehl gewonnen.

Das Fett macht den Verlust mehr als nur wett

So weit, so gut. Dumm nur: Das Unternehmen musste 2016 erstmals seit mehreren Jahren wieder für die Entsorgung von Tiermehl bezahlen, nachdem damit zuvor während Jahren Erträge erwirtschaftet worden waren. «Die Differenz zum Vorjahr machte mehr als zehn Franken pro Tonne Rohware aus», berichten Verwaltungsratspräsident Philipp Stähelin und Geschäftsführer Harald Lüling. Genaue Zahlen werden auch auf Nach­frage nicht genannt. Dafür heisst es im Jahresbericht: «Im späten Winter war die Abnahmesituation bei den Zementwerken für einige Wochen so kritisch, dass die Tier­körperverwertungsanlagen im deutschsprachigen Raum ihr Tiermehl nicht mehr vollständig absetzen konnten.» Das hatte auch für die TMF Folgen. Da die Silos voll waren, musste das Mehl mit viel Aufwand in grosse Säcke gefüllt und so zwischengelagert werden. Auch wenn sich die Situation im Verlauf des Jahres entspannte: Für die Entsorgung der Endprodukte weist das Unternehmen für 2016 einen Betrag von mehr als 380000 Franken aus. Das sind über 300000 Franken mehr als noch 2015.

Dass trotzdem ein Gewinn von gut 430000 Franken resultierte – dieser ist nahezu gleich gross wie im Vorjahr –, hat auch mit einer gegenläufigen Entwicklung bei den Fettpreisen zu tun. Diese sind die wichtigere Einnahmequelle als das Mehl und haben sich von einer Baisse der vergangenen Jahre erholt. Das führte bei der TMF zu deutlich höheren Erlösen beim Verkauf von Tierfett und hatte zur Folge, dass für die Zulieferer der Tarif um einige Franken gesenkt werden konnte. In den ersten Monaten 2017 ist die Situation so, dass die TMF weiterhin für die Abnahme des Tiermehls bezahlen muss, allerdings weniger als noch im vergangenen Jahr. 2016 stand beim Bazenheider Unternehmen auch im Zeichen einer personellen Veränderung: Peter Hug wurde nach 34 Jahren im Betrieb pensioniert. 27 Jahre hatte er als Betriebsleiter gewirkt. Sein Nachfolger, Georg Pirker, ist seit Anfang 2016 für die TMF tätig.


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