Konzert ohne polierte Schuhe

22. Juli 2014, 02:36
BEATRICE BOLLHALDER

ALT ST. JOHANN. Wer ein Konzert besucht, erwartet wahrscheinlich Musikerinnen und Musiker in schönen Kleidern und polierten Schuhen. Dieser Vorstellung entsprachen die zwölf Kinder und die zwei Begleitpersonen, die am Samstagabend zum Abschluss ihres Sommercamps zu einem Konzert in die evangelische Kirche von Alt St. Johann geladen hatten, überhaupt nicht.

Das war aber den Besuchern spätestens dann egal, als die ersten Töne erklangen. Denn die Berliner Kinder und auch ihr Lehrer, Philip Douvier, haben ihre Instrumente im Griff und entlockten diesen wundervolle Töne. Auch die Auswahl der Stücke ist Philip Douvier sehr gut gelungen. Mit Werken von Telemann, Beethoven, Mozart und Vivaldi wurde viel Abwechslung geboten. Ausserdem entging dem aufmerksamen Konzertbesucher nicht, dass zwischen Musikern und Instrumenten eine sehr gute Harmonie herrschte. Die Kinder und Jugendlichen holten aus Geigen, Bratschen, Celli oder dem Kontrabass alles heraus. Den Kontrabass musste man übrigens nicht extra von Berlin anschleppen. In der Person des Wattwiler Geigenbauers Leonhard Pavoni hat Lagerleiter Philip Douvier jemanden gefunden, der ihm dieses grosse Instrument für die Dauer des Camps zur Verfügung stellt.

Die Kinder haben zuerst – oft begleitet von ihrem Dozenten – in Duetten, Trios oder Quartetten ihr Können unter Beweis gestellt. Gegen Ende des Konzertes kam dann aber auch noch das vollständige Kammerorchester zum Zug. Das Publikum war begeistert von den Leistungen der Kinder und Jugendlichen und forderte natürlich auch eine Zugabe. Diese gaben die Musikerinnen und Musiker natürlich gerne, bevor sie sich auf Schusters Rappen und ausgerüstet mit Taschenlampen wieder zu ihrem Lagerhaus Herrenwald auf der Alp Sellamatt aufmachten. Klar, dass dafür Wanderschuhe besser geeignet sind als polierte Schuhe. Und bei der Musik kommt es schliesslich auf den Klang und nicht auf das Äussere der Konzertanten an.


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