Puppenbühne statt Zirkuszelt

MARIONETTEN ⋅ Mit Puppen an langen Fäden, passenden Stimmen und der richtigen Musik überzeugt das Wildhauser Puppentheater die Erwachsenen. Gespielt wird «Katharina Knie» nach Carl Zuckmayer.
31. Dezember 2016, 09:20
Adi Lippuner

Adi Lippuner

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Das Format im Puppentheater weicht markant von den Dimensionen eines Zirkuszelts ab. Trotzdem wagten sich die Verantwortlichen für das Abend-Puppentheater mit Regisseur Stefan Litscher an der Spitze an das anspruchsvolle Stück «Katharina Knie», nach Carl Zuckmayer. Mit einem Zuschauerraum, der 42 Erwachsenen Platz bietet, einer Öffnung von gut zwei auf knapp einen Meter zur Bühne und Puppen, die an 180 Zentimeter lagen Fäden geführt werden, bietet das aktuelle Stück zahlreiche Herausforderungen.

An der Premiere vom Donnerstagabend durfte die Truppe mit Regisseur Stefan Litscher und den Spielerinnen Heidi Himmelberger, Barbara Rhyner, Alice Schwendener, Jeanette Wyss, Vreni Tobler und Irmgard Litscher vor «ausverkauftem Haus» viel Lob entgegennehmen. Was mit den 13 Puppen – einer Leihgabe der Gondiswiler Puppenbühne – gezeigt wurde, zeugt von hohem Können beim Spiel mit den Puppen.

Akrobatik und Seiltanz mit Marionetten

Nebst dem gekonnten Spiel, im Zirkus geht es auch um Akrobatik und Seiltanz, wurde die Auswahl der Stimmen mit grosser Sorgfalt getätigt. So hat Vater Karl Knie senior mit Walter Bauer einen Sprecher, der mit seiner deutschen Aussprache an das Südbadische des Originalstücks anknüpft. Sein Tochter, Katharina Knie, Sprecherin Anne Nolle, erhält eine äusserst gefühlvolle, zur Rolle passende Stimme. Das Gleiche gilt für die weiteren Rollen, wobei der Italienerbub Mario, gesprochen von Markus Grieshaber, immer wieder ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher zauberte. Seine «Hand­kusseli» geben dem in den Grundzügen ernsten Stück eine gewisse Leichtigkeit.

Kurz zum Inhalt: In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts geriet die Steiltänzergruppe Knie in eine existenzielle Krise. Weil sich Katharina Knie nach einem anderen Leben sehnte, liess sie Vater Knie während eines Gastspiels im Toggenburg als Lehrtochter zu einer Bauernfamilie wechseln. Doch Vater Knie wünschte sich nichts sehnlicher als die Rückkehr seiner Tochter, obwohl sich diese auf dem Hof der Familie Abderhalden äusserst gut eingelebt hatte.

Unerwartete Entscheidung von Katharina Knie

Was dann weiter geschieht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Nebst den federleicht anmutenden Auftritten der Artisten gibt es nachdenkliche, zu Herzen gehende Szenen, welche Katharina Knie eine unerwartete Entscheidung treffen lassen.

Carl Zuckmayer nannte sein Stück, welches er in die Jahre 1923/24 platzierte, «ein Seiltänzerstück». Uraufgeführt wurde das Volksstück in vier Akten am 21. Dezember 1928 im Berliner Lessingtheater. Zu sehen war «Katharina Knie» zudem letztes Jahr im Theater St. Gallen. Dort wurden die Schauspieler von professionellen Artisten unterstützt.


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