Auf den Punkt bereit sein

Barbecue An diesem Wochenende nehmen sechs Toggenburger an den Barbecue-Weltmeisterschaften in Irland teil. Sie wollen in erster Linie Spass haben, aber auch die Jury mit ihren Grillkenntnissen überraschen.
12. Oktober 2017, 05:19
Sabine Schmid

Sechs Toggenburger – Hansruedi van Rijs, Jörg Bleiker, Rolf Hagen, Thomas Wildberger, Patrick Oberholzer und Peter Reich – reisen heute nach Irland. Sie bilden das Flamtastic Team Toggenburg und ihr Ziel ist Limerick. Dort finden am kommenden Wochenende die Barbecue-Weltmeisterschaften statt. Ihr Gepäck besteht aus weit mehr als den üblichen Dingen, die ein Reisender in den Koffer packt.

Mehrere Grills, ein Smoker, Schüsseln, Messer, jede Menge Gummihandschuhe – all das haben sie auf Paletten geladen. Die sind, zusammen mit dem Material der anderen Schweizer Barbecue-Teams, per Lastwagen nach Irland gefahren. Sogar einen Kühlschrank haben die Toggenburger mitgenommen. «Die Jury des Wettkampfs prüft immer wieder, wie hygienisch wir während des Grillierens arbeiten. Wenn wir unseren eigenen Kühlschrank haben und darum unsere Lebensmittel nicht in einem gemeinsamen lagern müssen, können wir die Temperatur und die Sauberkeit selber regeln», erklärt Hansruedi van Rijs. Auch die Gefahr, dass sich ein anderes Team an den Fleischstücken der Toggenburger vergreift, ist so klein.
 

Am Grill stehen bei Kälte und Nässe

Die Toggenburger haben bereits bei anderen Teilnahmen an Barbecue-Weltmeisterschaften Erfahrung gesammelt. Was sie am Wochenende in Irland schliesslich erwartet, wissen sie nicht. «Wir machen aus Spass mit», sind sich die sechs Teammitglieder einig. Sie teilen sich die Aufgaben auf, jedes ist für einen Teil des Wettbewerbs zuständig. Mangels Zeit war es nicht ­möglich, dass sie ein gemeinsames Training durchgeführt haben. Aber jeder hat für sich seinen Gang trainiert. Bei Rolf Hagen dauerte es beispielsweise 21 Stunden, bis das Brisket, also die Rinderbrust, die vorgegebene Kerntemperatur erreicht hat. Thomas Wildberger erzählt, dass er extra bei kühleren und feuchteren Temperaturen seinen Poulet-Gang trainiert habe. «Wir Schweizer sind Schönwetter-Grilleure. Aber die Temperatur und die Feuchtigkeit haben einen Einfluss auf die Dauer, bis das Fleisch gar ist.» Die Zeitspanne von zehn Minuten zu einem definierten Abgabetermin lässt nur wenig Spielraum.

Morgen Freitag werden sie den Warenkorb erhalten und dann geht’s ans Einfeuern. Am Samstag und am Sonntag gilt es dann ernst, dann müssen die einzelnen Gänge den Juroren vorgesetzt werden. Gerade weil mehrere Gänge während mehrerer Stunden auf dem Grill garen, bleibt dem Team Zeit, um andere Grilleure kennen zu lernen und auch mit ihnen zu fachsimpeln.
 

Konkurrenz von Caterern

Eine grosse Herausforderung für die Toggenburger Hobbygrilleure wird sein, mit den in einem Warenkorb enthaltenen Lebensmitteln den Geschmack der Jury zu treffen. Hier sehen sie einen leichten Nachteil gegenüber ihren Konkurrenten. Viele von denen seien Caterer, die wissen, was man rasch und einfach mit welchen Lebensmitteln auf dem Grill zubereiten könne. Dennoch haben die früheren Teilnahmen an Barbecue-Weltmeisterschaften gezeigt, dass auch diese nur mit Holz grillieren. «Wir haben vergangenes Jahr gemerkt, welcher Geschmack bei den Juroren gefragt ist, und konnten unser Fleisch in diese Richtung bringen», erzählt Thomas Wildberger. Damit hätten sie einige Plätze gutgemacht. «Uns ist es wichtig, dass wir mit dem, was wir auf Platz erhalten, reglementskonform und innerhalb der vorgegebenen Zeit eine Speise auf hohem Niveau abliefern», sagen sie.

Peterli gibt Abzug

Wer bei den Barbecue-Weltmeisterschaften in Limerick teilnehmen möchte, muss viele Vorgaben der Jury ­erfüllen. Die Teamgrösse darf sich zwischen zwei und zehn Mitgliedern bewegen. Die Teams starten in fünf Kategorien, sie müssen der Jury also fünf bestimmte auf dem Grill zubereitete Speisen vorsetzen. Die Abgabezeit für die normierten Teller ist festgelegt, es gibt eine Zeittoleranz von zehn Minuten. Die Schweinerippchen, die Rinderbrust und die Schweinsschulter werden auf einem Beet aus Salat oder Petersilie serviert. Zum Poulet und zum Fisch darf eine Beilage gemacht werden. Deren Zutaten finden die Teilnehmer in einem vorgegebenen Warenkorb. Zusätzliche Nahrungsmittel dürfen nicht eingesetzt werden. Die Barbecue-Teams müssen ihre zubereiteten Speisen in sechs gleichen Portionen abgeben und dürfen sie nicht kennzeichnen. Nach dem Grillieren dürfen weder Gewürze noch Kräuter verwendet werden. Ein Sträusschen Peterli zur Dekoration beispielsweise zieht gleich einen Punkteabzug nach sich.

Besonders ist auch, dass die Teamteilnehmer während des laufenden Wettbewerbs keine Bilder oder Posts auf die sozialen Medien stellen dürfen. (sas)


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