Die Prinzessin im Tal der Könige

NESSLAU ⋅ Die Gemeinde ist nicht nur Wohnort von zwei (Schwinger-)Königen, sondern auch von einer Prinzessin – der Bierprinzessin Manuela Lusti.
12. Oktober 2017, 07:56
Christiana Sutter

Welches «Chrönli» ist schöner? Das der Bierprinzessin der Brauerei St. Johann oder das des St. Johanner Bieres? Die Antwort herauszufinden bedingt einen Besuch an der Bar der Brauerei. Denn dort trifft man die Bierprinzessin ab und zu «auf ein Bier» an. Genüsslich nimmt sie einen Schluck vom Summer Ale, und ihre Zunge schleckt den Schaum auf den Lippen weg. «Ich bin schon stolz, diese Krone tragen zu dürfen», sagt die 24-jährige Manue­la Lusti aus Ennetbühl. Und schon kommt ein Gast, der von der Bierprinzessin persönlich bedient werden möchte. Sie nimmt eines der schlanken Gläser, hält es schräg unter den Zapfhahn und lässt das flüssige Gold fein süferli ins Glas fliessen. Das «Chrönli» auf dem Bier ist ihr gelungen. Ihr glitzerndes «Chrönli» sitzt noch immer keck auf ihrem Kopf.
 

Die einzige Toggenburgerin hat sich durchgesetzt

Während zweier Jahre ist Manuela Lusti Botschafterin der Toggenburger Brauerei. In einem Online-Voting sammelten elf angemeldete junge Frauen aus der ganzen Ostschweiz Punkte für das Finale am 6. Mai. Aus diesem Voting qualifizierten sich acht Finalistinnen. Diese präsentierten sich in einem Dirndl den rund 130 Gästen. «Das war eine Bedingung», sagt Manuela Lusti. Die Gäste konnten zwei Stimmen für die Finalistinnen abgeben. Wobei sich die acht jungen Frauen zuerst einer Jury stellen mussten. In dieser Fragerunde beantworteten sie Fragen über Bier, die Brauerei und das Toggenburg. Ma­nuela Lusti war die einzige Toggenburgerin, die an dieser Wahl teilnahm. «Warum ich die einzige war, weiss ich nicht», sagt die gelernte Malerin und zuckt mit den Achseln. Auf den Tipp einer Kollegin, die in der Brauerei arbeitet, hat sie sich angemeldet. «Ich habe gerne Bier und bin aus dem Toggenburg. Also warum soll ich da nicht mitmachen?», hat sich Manuela Lusti gefragt. «Jetzt bin ich Bierprinzessin», sagt sie mit einem Strahlen im Gesicht. Es ist Aufgabe der Bierprinzessin, die Brauerei an Messen oder internen Anlässen zu vertreten. «Natürlich bin ich an einem Fassanstich dabei, das ist etwas Schönes.» Als Preis erhält die Bierprinzessin jeden Monat einen Harass Bier nach Wahl, und sie kann für ein Jahr einen BMW fahren.

In der Freizeit ist Manuela Lusti gerne in der Natur. Darum trifft man sie im Sommer auf Wanderungen und im Winter auf den Skipisten des Toggenburgs an. Ein weiteres Hobby ist das Jodeln und Singen. «Ich jodle mit meiner Mutter Rösli im Duett», sagt die Bierprinzessin. Letztes Jahr am Nordostschweizerischen Jodlerfest in Gossau haben sie sich mit einem «gut» für das Eidgenössische Jodlerfest in Brig qualifiziert. «Dort haben wir zusammen einen Naturjodel vorgetragen und ebenfalls ein ‹gut› bekommen.» Grosse Auftritte haben sie keine, «ab und zu intern oder an einem Familienfest». Ein weiteres Hobby von Manuela Lusti, ihren Eltern sowie den sechs Geschwistern ist die Alpwirtschaft Läubli oberhalb Ennetbühl.
 

Auch Frauen trinken heutzutage gerne mal ein Bier

Die Bierprinzessin mag Bier. «Am liebsten ein helles oder das saisonale Summer Ale, das ist frisch und fruchtig.» Gerne trinkt sie ein Bier zum Essen, «ab und zu zum Znacht». Auch daran, dass Frauen Bier trinken, findet sie nichts Verwerfliches. «Ich denke, das ist heutzutage nicht mehr so.» Gerne möchte die Bierprinzessin mehr über das Bierbrauen erfahren. Der Braumeister Max Lechner hat ihr versprochen, ihr einmal alles zu zeigen. Ein Bier werde aber nicht nach ihr benannt, sagt Manuela Lusti. «Das muss auch nicht sein.»

Auf die Frage hin, wann sie das erste Bier getrunken hat, wird sie etwas verlegen. «Vermutlich zu Hause nach dem Heuen.» Ans Oktoberfest nach München möchte die Bierprinzessin irgendwann einmal gehen, ob mit oder ohne «Toggenburger Bierprinzessin»-Schärpe, weiss sie noch nicht.


Leserkommentare

Anzeige: