Harmonie von Wort und Gesang

ALT ST. JOHANN/GRABS ⋅ Eine Uraufführung, berührende Texte und der überzeugende Auftritt beider Kirchenchöre: Dies bot – kurz zusammengefasst – das Konzert zum Abschluss der Ausstellung «Anna und Dorothee», das in zwei Kirchen aufgeführt wurde.
14. November 2017, 07:29
Adi Lippuner

Einen Abend lang standen die Frauen des Reformators Ulrich Zwingli und des katholischen Nationalheiligen Niklaus von Flüe im Mittelpunkt. «Anna und Dorothee» war das Konzert gewidmet, welches zum Abschluss der Ausstellung in der Propstei aufgeführt wurde.

Am Samstagabend kamen die Besucher in der katholischen Kirche in diesen Genuss. Am späteren Sonntagnachmittag gastierten der evangelische Kirchenchor, unter Leitung von Doris Bühler Ammann, und der katholische Kirchenchor, geleitet von Werner Huser, in der evangelischen Kirche Grabs. Bereichert wurden beide Auftritte durch Lesungen von Klara Obermüller und Graziella Rossi.
 

Spürbare Freude beim Gesamtchor

Für Martin Schmidt, Präsident des evangelischen Kirchenrats des Kantons St. Gallen, «haben Frauen das Wort, und das ist typisch für die Reformation». Christoph Sigrist ist Pfarrer am Zürcher Grossmünster und ein Zwingli-Kenner. Er zeigte sich vom ökumenischen Auftritt der beiden Kirchenchöre berührt. Dass Peter Roth zudem den Psalm 139 vertonte und diesen als Höhepunkt zur Uraufführung bringe, sei eine zusätzliche Freude.

Zwei Kirchenchöre, verstärkt durch zwölf Solosängerinnen, und ein Ziel: die Lieder so zu singen, dass es allen Freude begleitet. Das Kyrie aus der St. Johanner Messe, «I luege ue i d’Berge», Psalm 121, das Sanctus und Agnus aus «Dona nobis Pacem», «En Gascht uf Erde», das Gloria aus der St. Johanner Messe, «Du Gott bisch Gross» – und zum krönenden Abschluss die Uraufführung des Psalms 139, vertont und dirigiert durch Peter Roth. Diese spürbare Freude am Gesang, an den Feinheiten des Komponisten und das Zusammenspiel von Chor und Solisten verschafften dem Publikum immer wieder «Hühnerhautgefühle».

Der Psalm 139, erstmals als Vertonung durch Peter Roth zu hören und geschrieben für Soloterzett und Chor, versetzte das musikgewohnte Publikum in Staunen. Da war zum einen das jubelnde Alleluja und zum anderen die gefühlvoll vertonten Worte. Immer wieder zu hören waren auch die Begriffe «Freunde» und «Dankbarkeit». Leitworte, die Komponist Peter Roth in seinem Leben gerne braucht. «Ich bin dankbar, dass ich die Gabe des Komponierens habe und damit dem Publikum Freude bereiten darf.»
 

Blick in die Seelen von Dorothee und Anna

Berührend waren auch die Texte von Klara Obermüller. Sie liess Dorothee sprechen und nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise – als Niklaus von Flüe mit sich rang, nächtelang vor dem kalten Lehmofen betete, auf dem nackten Stubenboden kniend, und sich letztendlich zur Trennung von seiner Familie entschloss. «Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir»: So lauten die Anfangsworte eines Gebets, das er immer wieder sprach.

Graziella Rossi las Texte von Christoph Sigrist und gab damit Einblick in das Gefühlsleben von Anna. Sie war fasziniert von Zwinglis Humor und Gesang und beeindruckt von seiner Haltung gegenüber dem Krieg. Und trotzdem musste sie ihn, als er entgegen ihrem Willen Richtung Albis zog, in einem Krieg verlieren.

Das Gesamtwerk von Worten und Gesang wurde vom Publikum mit grosser Begeisterung aufgenommen. Minutenlang anhaltender Applaus, Standing Ovation und im Anschluss ans Konzert Glückwünsche für Peter Roth, die Chormitglieder, die Dirigentin, den Dirigenten und die beiden Frauen, welche die Gefühle von Anna und Dorothee aufleben liessen: Das war die verdiente Anerkennung für ein unvergessliches Musikerlebnis.


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