So lernen Kinder Kultur kennen

VERMITTLUNG ⋅ Das «Gofechössi» ist in seine fünfte Saison gestartet. Präsident Stephan K. Haller aus Lichtensteig spricht im Interview über den Verein, der Kindern das Theaterspielen sowie Tanz und Musik näherbringt.
14. November 2017, 07:28
Anina Rütsche

Stephan K. Haller, warum braucht es das «Gofechössi»?

«Gofechössi», das sind Theatervorstellungen, Theater- und Tanzkurse, Konzerte und vieles mehr für Kinder und Jugendliche im Chössi-Theater in Lichtensteig. Pro Saison stehen zwölf bis fünfzehn öffentliche Veranstaltungen auf dem Programm – und noch viele Anlässe für Schulklassen dazu. Wir sind ein Verein, der sich dafür einsetzt, dass ein junges Publikum im Toggenburg regelmässig kulturelle Veranstaltungen mit Rahmenprogramm erleben kann. Dabei setzen wir auf eine grosse Vielfalt. Theatervorstellungen und Konzerte für Kinder gab es im «Chössi» schon früher. Als Verein und mit neuen Angeboten sind wir 2013 gestartet. Damals waren wir in der Region einzigartig, die Kulturvermittlung stand am Anfang. Nun haben auch andere Veranstalter im Kanton den Nachwuchs entdeckt und bieten Angebote dazu an. Das freut uns.

Der Name «Gofechössi» zeigt die Verbindung zum Chössi-Theater auf. Wie sieht diese aus?

Wir nutzen die hervorragenden Räume des «Chössi». Das Theater, das Restaurant, die Probebühne im Bahnhof und die Künstlerwohnung sind einzigartig in der Schweiz. Das «Gofechössi» ist ein eigenständiger Verein. Das Chössi-Theater hat uns das Mandat für alle Kinder- und Jugendveranstaltungen übertragen und wir arbeiten eng zusammen. Organisatorisch unterscheiden wir uns aber vom «Chössi». Beim «Gofechössi» werden den Verantwortlichen und den Theaterpädagogen bescheidene Löhne ausbezahlt. Für uns ist das «Gofechössi» mehr als ein Hobby, sondern ein Teil unseres Jobs, der uns sehr viel Freude bereitet. Der Verein «Chössi» setzt fast komplett auf Freiwilligenarbeit. Ganz ohne geht es bei uns aber auch nicht. Im Restaurant arbeiten zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer mit. Ich bin als Präsident für das Fundraising, das Marketing und viele organisatorische Dinge zuständig.

Worauf achten Sie, wenn Sie das Programm für das «Gofechössi» zusammenstellen?

Für das Programm ist Susanne Roth, die Vizepräsidentin, verantwortlich. Wir engagieren professionelle, nationale und internationale Ensembles und Solokünstler. In den allermeisten Fällen haben Susanne und ich deren Darbietung zuvor gesehen oder kennen die Künstler seit vielen Jahren und wissen um die Qualität der Arbeiten. Wenn eine Vorvisionierung nicht möglich ist, tauschen wir uns mit anderen Veranstaltern aus. Im Schnitt besuche ich pro Woche etwa eine Kulturveranstaltung für Kinder. Susanne Roth macht es ebenso.

Was muss ein Theater oder ein Konzert bieten, damit Sie es fürs «Gofechössi» auswählen?

Die Vorstellung muss uns berühren, fesseln, faszinieren oder packen. Es ist zudem wichtig, dass die Künstlerinnen und Künstler einen direkten Kontakt zum Publikum herstellen. Die Sprache soll authentisch und altersgerecht sein und zu den Figuren passen. Das Wichtigste: Theater oder Konzerte sollen dem Publikum Spass machen und Freude bereiten oder eigene Gedanken auslösen. Es soll bewegen.

Worauf ist bei Kulturveranstaltungen zu achten, die sich in erster Linie an Kinder richten?

Es gibt viele Dinge, die zu beachten sind. Erwachsene sind oft tolerant. Kinder sind direkt. Im Gegensatz zu Erwachsenen haben die Kleinen keine Hemmungen, nach dem Schlussapplaus auf die Bühne zu stürmen und zu sagen, was sie denken, positiv oder negativ. Das gefällt mir sehr. Ein schlechtes Programm kann zum Fiasko werden. Zum Glück ist uns das noch nie passiert!

Wie hat sich das Angebot des «Gofechössi» seit Beginn im Jahr 2013 verändert?

Organisatorisch gab es kaum Veränderungen, denn unser Konzept ist von Anfang an aufgegangen. Wir setzen auf Kontinuität, nicht auf Veränderung. Was wechselt, sind die Darsteller und Genres. Diesbezüglich bauen wir auf die Vielfalt.

Was ist beim «Gofechössi» wichtiger: beim Theater zuschauen oder selbst Theater spielen?

Unser Angebot umfasst beides, und es lebt vom Wechsel zwischen Zuschauen und Mitspielen. Wir bieten beispielsweise die «Gofeschtond» an. Hier spielen die Kinder selber und bereiten sich so auf die anschliessende Vorstellung im Theater vor. Es geht darum, die Auftritte kindgerecht zu erklären und einzuordnen. Auch für Schulen bieten wir eine solche Kulturvermittlung an.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Schulen konkret aus?

Im Mittelpunkt steht unser Projekt «Theaterimpuls». Schulklassen werden eingeladen, selber Theater zu spielen. Wir stellen eine Theaterpädagogin zur Verfügung und geben so einen wertvollen Impuls. Von Januar bis April stehen unter der Woche die Schulaufführungen auf unserem Programm. Einzelne Klassen oder ganze Schulen können diese besuchen. Wir verweisen jeweils auf die Altersstufen, für die sich die Darbietung eignet – Kindergarten, Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe. Für alle ist etwas Spannendes dabei. Das «Gofechössi» bietet den Lehrpersonen übrigens Unterrichtsmaterialien zu den Schulaufführungen an.

Inwiefern unterscheiden sich die Angebote für die unterschiedlichen Altersstufen?

Ausschlaggebend sind der Inhalt des Stücks und die Komplexität des Themas. Jugendliche mögen rasantere und komplexe Darbietungen, während bei den Jüngsten die Geschichten altersgerecht, also einfacher, erzählt werden müssen.

Die laufende «Gofechössi»-Saison wartet, wie gewohnt, mit einem bunten Programm auf. Gestartet wurde im September, Saisonschluss ist kurz vor den Sommerferien. Was ist Ihr persönliches Highlight?

Ich freue mich auf alle Vorstellungen. Einen ersten Höhepunkt hatten wir mit dem Kiko 19, dem Kinderkonzert mit «den Schurken». Regelmässig proben bei uns Künstlerinnen und Künstler ihre neuen Programme und zeigen diese anschliessend auf der Bühne. Der bekannte Schauspieler Peter Rinderknecht erarbeitete in den vergangenen Wochen sein neues Stück «Der Spielverderber». Das ist ein Theaterstück über die Freude an der Macht und das Bezwingen der Ohnmacht. Ich freue mich darauf, das fertige Stück im Februar bei uns zu sehen und unserem Publikum zu präsentieren.

Vielfältige Veranstaltungen

Der Verein «Gofechössi» hat ein Mandat des Chössi-Theaters in Lichtensteig. Die Aufgabe besteht darin, kulturelle Veranstaltungen für Familien zu organisieren und zu begleiten. Hierfür können die Räume und die Infrastruktur des «Chössi» genutzt werden. Die Zielgruppe sind Kinder zwischen vier und zehn Jahren. Präsident des Vereins ist der Primarlehrer Stephan K. Haller aus Lichtensteig, Vizepräsidentin ist Susanne Roth aus Ebnat-Kappel, die als Theaterpädagogin tätig ist. Auf der Internetseite des «Gofechössi» heisst es: «Das Gofechössi zeigt Inszenierungen für die ganze Familie und vermittelt Kultur. Es führt Kinder und Jugendliche an Theater, Musik und Tanz heran.» Zudem bietet das «Gofechössi» Theater- und Tanztheaterkurse auch im Rahmen der Schule an. Zum Programm gehören auch Weiterbildungsangebote und Beratungen für Lehrpersonen. Zudem verhilft das «Gofechössi» Kulturschaffenden zu Probemöglichkeiten. (aru)
www.gofechoessi.ch


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