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Tagblatt Online, 27. März 2010 01:03:48

«Schwarze Schafe» sind das Problem

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Auch die Neckertaler Gemeindepräsidentin Vreni Wild half beim Aufschreiben der Anliegen und Argumente auf Stellwände. (Bild: Bild: Melanie Graf)

NECKER. Bauern und Hundehalter sind sich nicht immer einig. Die Landwirtschaftsgruppe Neckertal, sowie die Gemeinden Neckertal, Oberhelfenschwil und Hemberg luden am Mittwochabend zur Aussprache ins Oberstufenzentrum Necker ein.

Melanie Graf

Bauern ärgern sich über Hundekot in den Wiesen. Hundehalter ärgern sich über Bauern, die Zäune elektrisch laden, obwohl kein Vieh auf der Wiese weidet. Hundehalter, Spaziergänger und Jogger ärgern sich über bissige Hofhunde. Bauern ärgern sich über Hunde, die im Brunnen baden und ihrem Vieh nachrennen. Die Organisatoren des öffentlichen Informationsabends unter dem Motto «Bauern und Hundehalter – wir reden miteinander», brachten alle Parteien an einen Tisch.

Ihr Ziel war es, das gegenseitige Verständnis zwischen Hundehaltern, Landwirten und der restlichen Bevölkerung zu stärken. Der Anlass fand grossen Anklang, über 100 Bauern und Hundehalter fanden sich im Oberstufenzentrum ein.

Fehlbare Hundehalter

Die Organisatoren befürchteten einen emotionsgeladenen Abend und luden Mediator Fredy Zeier ein. Die Diskussionen blieben jedoch auf sachlicher Ebene. Bauern und Hundehalter legten ihre Sichtweisen und Anliegen dar.

Vertreter der Gemeinde Neckertal schrieben die Anregungen auf Stellwände. Die Bauern erklärten, dass ihre Zäune miteinander vernetzt seien und auch dann elektrisch geladen seien, wenn kein Vieh auf der Wiese weide. Hundehalter baten um Verständnis, dass ihr Hund auch mal von der Leine gelassen werden dürfe, und dass bei Durchfall des Hundes der Kot nicht ganz entfernt werden könne.

Bauern klärten auf, dass das Wasser, in denen Hunde gebadet hätten, für die Kühe unappetitlich sei. Hundehalter baten darum, Bauern mögen bei der Begegnung eines Hündelers nicht gleich laut werden. Man war sich einig, dass es zu wenige oder fehl plazierte Robi-Dogs gibt und stellte fest, dass sich die fehlbaren Hundehalter, die «schwarzen Schafe» unter den Hündelern gar nicht im Oberstufenzentrum zur Veranstaltung eingefunden hätten.

Zur Diskussion standen auch Hofhunde, die nachts ungehindert auf Bauers Wiese koten oder im Dorf herumstreunen und ihre Häufchen auf die Strasse setzen. Aus dem Publikum kam die Bemerkung, dass man selten einen Bauern mit Hundekotsäcklein sehe. Auch diese seien verpflichtet, den Hundekot zu entfernen.

Hundekot macht krank

Über allgemeine Rechte und Pflichten der Hundehalter, sowie über die Bedürfnisse des Hundes referierten Gabriela Calzavara,

amtliche Tierärztin beim Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz und Rechtsanwalt und Kynologe Daniel Jung. Sie referierten über das Muss der pflichtbewussten Erziehung der Hunde, sowie über die gesetzliche Pflicht jeden Halters, den Hundekot zu entfernen.

Über den gesundheitlichen Aspekt von liegen gelassenem Hundekot referierte Werner Scherrer, Tierarzt für Gross- und Kleintiere aus Bütschwil. «Hundekot macht krank», fasste der Tierarzt zusammen.

Er erläuterte zum einen das Hygiene-Problem, zum anderen, dass Hundekot ein Krankheitsrisiko sei und die Kuh krank mache und der Bauer dann für die Kuh einen schlechteren Schlachtpreis bekomme. Scherrer empfahl den Hundehaltern, ihre Tiere mindestens viermal im Jahr zu entwurmen. Dann klärte er den Mythos über das Verwerfen der Kühe wegen Hundekot auf.

Die Ursache des Verwerfens sei der Parasit Neospora Canium, sagte Scherrer und zeigte den Kreislauf auf: Hund frisst infiziertes Rindfleisch. Infizierter Hund kotet auf Wiese, Kuh frisst Gras. Kuh wird Träger. Parasit gelangt ins ungeborene Kalb. Kuh verwirft oder bringt Kalb zur Welt, das Kalb ist wiederum Träger und kann später selbst verwerfen oder ein infiziertes Kalb zur Welt bringen. Scherrers Fazit: «Auch Hofhunde können Träger sein. Sie sind sogar das grössere Risiko, weil sie leichteren Zugang zu Abortmaterial haben.»





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