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Tagblatt Online, 14. Mai 2009 01:04:48

Mit einer Vision ins Space Shuttle

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Die Kantischülerin Stefanie Lang (links) und ihre Physiklehrerin Barbara Burtscher werden die Weltkugel diesen Sommer zwar nicht aus dem All sehen, doch im Space Shuttle-Simulator in Huntsville, Alabama, werden sie eine sechsstündige Mission wirklichkeitsnah miterleben. (Bild: Bild: David Giger)

Manchmal geht für jemanden ein Traum in Erfüllung, der schon jahrelang von jemand anderem geträumt wird. Genau dies passierte Stefanie Lang. Sie kann bald zusammen mit ihrer Physiklehrerin deren Kindheitstraum verwirklichen.

Nur wer nach den Sternen greift, wird vielleicht einen zu fassen kriegen. Diese Erfahrung hat jüngst Stefanie lang aus Rapperswil machen dürfen. Doch dem nicht genug. Die Schülerin der Kanti Wattwil stellt mit ihrer Geschichte den sprichwörtlichen Griff nach den Sternen in ein neues Licht.

Rucksack fürs Weltall

Die 16jährige Kantischülerin hat vor einigen Tagen erfahren, dass sie die glückliche Gewinnerin eines Wettbewerbs des Staatssekretariats für Bildung und Forschung ist.

Beim Wettbewerb ging es darum, seine Vision für die Entwicklung der Raumfahrt in den nächsten 40 Jahren in einem Aufsatz wiederzugeben – und das alles in Englisch. «Obwohl ich wegen dem Klassenlager kaum Zeit hatte, habe ich mich im Internet und in Büchern über die Raumfahrt informiert und mir eine eigene Vorstellung von deren Zukunft gemacht», berichtet die stolze Siegerin.

Sie habe aber auch auf tatkräftige Unterstützung von Jürg Schweizer, den Mann ihrer Mutter, zählen dürfen, «vor allem beim Übersetzen ins Englische».

Der Aufwand hat sich auf alle Fälle gelohnt – ihr Gewinn hört sich geradezu unglaublich an: ein Astronautentraining bei der Nasa in Huntsville, Alabama. Am «U.S.

Space & Rocket Center» wird sie zwar keinen Ausflug ins All unternehmen, doch ein Space Shuttle wird sie betreten – für einen sechsstündigen Simulationsflug. Eine Woche lang wird Stefanie Lang das Handwerk lernen, das den Griff zu den Sternen nicht mehr ganz so illusorisch macht. Kein Wunder also, dass sie zurzeit ununterbrochen am Strahlen ist.

Von ihrem Glück hat Stefanie Lang in einer Deutschlektion erfahren. «Also, selbstverständlich während der Pause danach», korrigiert sie sich sofort, den Blick zu ihrer Physiklehrerin Barbara Burtscher gerichtet. Auf dem Display ihres Handys habe sie eine unbekannte Nummer gesehen. Und obwohl sie normalerweise in solchen Fällen nicht zurückrufe, habe sie es dennoch getan.

Die Nummer gehörte einer Mitarbeiterin des Staatssekretariats für Bildung und Forschung, die ihr die freudige Nachricht mitteilte. «Ich konnte es gar nicht glauben. Ich habe die Dame bestimmt 50 Mal gefragt, ob dies ihr Ernst sei», schildert Stefanie Lang ihre Reaktion auf die Gewinnverkündigung. Als sie dann realisiert habe, dass sie tatsächlich die Gewinnerin ist, habe sie sich einfach nur gefreut, «und die Dame am Telefon ebenfalls, weil ich mich so wahnsinnig freute».

Ein Kindheitstraum wird wahr

Auf die abenteuerliche Reise in die USA wird Stefanie Lang ihre Physiklehrerin Barbara Burtscher mitnehmen. Dies hat gleich mehrere Gründe. Einerseits machte Barbara Burtscher sie auf den Wettbewerb aufmerksam, und andererseits kennt sie deren Begeisterung fürs Weltall und die Raumfahrt. Wohl deshalb hat Stefanie Lang ihre Physiklehrerin bei der Verkündigung der frohen Botschaft auch ein bisschen auf die Folter spannen wollen: «Ich habe sie zuerst nur gefragt, ob sie denn die Sommerferien schon verplant und ob sie Lust auf eine Reise in die USA habe.» Barbara Burtscher schienen diese Fragen einer Schülerin ungewohnt, so dass sie sich keinen Reim daraus machen konnte. Als sie jedoch den Grund dafür erfuhr, habe bis hinter beide Ohren gestrahlt: «Ich machte Luftsprünge! Ich habe mich riesig gefreut, dass ich mitgehen darf.»

Nachdem sie ihre Luftsprünge alle wieder sicher gelandet hat, schmiss sie zu Ehren des freudigen Ereignisses eine spontane Party. Und wenn man weiss, dass Barbara Burtscher schon seit Kindesbeinen Astronautin werden will, kann man den «Freudentanz» noch besser verstehen. «Ich habe mich schon als kleines Mädchen für Technik und die Luftfahrt interessiert. Als ich den Lötkasten entdeckte, habe ich die Barbies links liegen gelassen», erzählt die Tochter eines Sprengfachmanns und Piloten. Und seither hat sie immer den Traum verfolgt, Astronautin zu werden und einmal selbst ins All zu fliegen: «Es wäre schon schön, einmal die Erde von oben zu sehen und Schwerelosigkeit zu erleben.»

Zwei richtige Medienprofis

Der Gewinn des Wettbewerbs hat selbstverständlich auch die Presse auf Stefanie Lang aufmerksam gemacht. «Viele sind jetzt ein bisschen neidisch und machen blöde Kommentare wegen den Medien», erklärt die Gewinnerin. Ihr mache der ganze Rummel zwar nichts aus, doch sei dies nie ihr Ziel gewesen. «Mir ging es beim Wettbewerb ums Mitmachen und ums Kennenlernen des interessanten Themas. Ich habe noch nie etwas gewonnen – und jetzt gleich etwas so Grosses», freut sich die Kantischülerin.

Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie weiss, wie mit der Presse umzugehen ist. Es scheint fast so, als hätten sich da zwei Medienprofis gefunden, denn auch Barbara Burtscher ist keine Unbekannte in diesen Gefilden. «Drei Jahre lang hat mich ein Filmteam verfolgt», erzählt die Kantilehrerin, die nebenbei noch renommierte Astrophysikerin ist. Was dabei herauskam, wird das Schweizer Fernsehen am 24. Mai in der Sendung Horizonte zeigen. Und dass Barbara Burtscher tatsächlich ein Medienprofi ist, erfährt man spätestens am Ende der Unterhaltung: «Ich wäre sehr froh, wenn man noch einen Hinweis auf den Schweizer Astronomietag in Zug vom 12. September in der Zeitung machen könnte.»

Zwei richtige Abenteurer

Diesen Sommer müssen sich wohl nicht nur die beiden auf etwas gefasst machen, sondern auch die Nasa. Die riesige Vorfreude der beiden wird bestimmt während des Trainings in ungezügelten Enthusiasmus umschlagen. Und bei der Natürlichkeit und Sympathie, welche beide ausstrahlen, kann es durchaus sein, dass sich die Nasa-Mitarbeiter zu was hinreissen lassen. Insbesondere für Barbara Burtscher könnte dies gefährlich werden, denn sie gibt sich bereits jetzt draufgängerisch: «Ich möchte in der Zentrifuge schon sechs G probieren. Auf jeden Fall werde ich alles mitmachen.»

Stefanie Lang ist da etwas zurückhaltender – wohl auch, weil sie gerne noch ihren 17. Geburtstag am 30. Juli und zweitletzten Tag des Trainings erleben will. Bei der Erwähnung des Geburtstags möchte Barbara Burtscher ihrer Schülerin sofort auch ein bisschen Trost spenden, «denn es ist schon schade, dass Du nicht mit Deinen Kollegen feiern kannst». Doch die Sorge ist völlig unbegründet, wie Stefanie Lang ihrer Physiklehrerin mit einem herzlichen Lachen zu verstehen gibt: «In dem Moment wird mir das bestimmt nichts ausmachen.»

David Giger





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