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Tagblatt Online, 19. Mai 2011 01:08:00

Passion und Fachwissen weitergeben

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Faszination Oldtimer: Seit seiner Lehrzeit restauriert Patrick Bischoff alte Autos, wie diesen schwarzen Citroën aus den 1940er-Jahren. (Bild: Sabine Schmid)

Seit seiner Lehrzeit als Autolackierer restauriert und besitzt Patrick Bischoff Oldtimer. Das Wissen, solche alte Autos fachmännisch zu restaurieren, fehlt heute aber bei jungen Berufsleuten. Eine Interessengemeinschaft gibt Gegensteuer und lanciert eine neue Ausbildung.

Sabine Schmid

Wattwil. Einen alten VW-Käfer leistete sich Patrick Bischoff vor 25 Jahren während der Lehrzeit als Autolackierer. «Ich habe ihn sorgfältig restauriert und fahre noch heute damit herum», erzählt der Inhaber der Carrosserie Spritzwerk Koch in Wattwil. Er habe einfach Freude an alten Autos, versucht er seine Passion zu erklären.

Verschiedene Fähigkeiten

Die Restauration eines Oldtimers fordert von einem Carrosseriespengler einiges. So muss er sich mit den alten Techniken auskennen. Schäden im Lack – Kratzer oder matte Stellen – zu beseitigen, sind die Hauptarbeiten für einen Autolackierer. Das bedingt, dass er ein Fahrzeug in der Originalfarbe lackiert. Denn die Oldtimer-Fans wissen meistens, ob es dieses oder jenes Modell in der entsprechenden Farbe gegeben hat oder nicht. Oftmals weisen Carrosserien von Oldtimern Beulen oder Rost auf, die der Autospengler beseitigt. Hat sich der Rost zu tief in ein Teil gefressen, muss dieses ausgetauscht werden. Der Restaurator muss sich dann auf die Suche nach einem Ersatzteil machen. «Das Internet hat diese Suche massiv erleichtert», sagt Patrick Bischoff. Ist auf diesem Weg kein Ersatzteil beschaffbar, muss dieses durch den Carrosseriespengler selber angefertigt werden. Gewisse Automarken haben inzwischen erkannt, dass eine Nachfrage für Ersatzteile von gewissen Modellen besteht. Für die Kunden, die ihren Oldtimer bei ihm restaurieren lassen, erstellt Patrick Bischoff eine umfangreiche Dokumentation. «Sie können anhand von Fotos die einzelnen Arbeitsschritte nachvollziehen.» An die Motoren der alten Autos legt er nicht selbst Hand an, da vertraut er den Automobil-Fachmännern. «Diese bringen das nötige Wissen mit», erklärt er. Meistens arbeite er mit Fachleuten in der Region zusammen. Faszinierend an den Oldtimer sei, dass deren Motoren übersichtlicher seien als die heutigen Modelle. Zudem hätten die Mechaniker mehr Platz zum Arbeiten.

Reparieren statt ersetzen

Er selbst schätzt an alten Autos, dass deren Carrosserien weniger Kunststoffteile aufweisen. «Heute kommt es oftmals billiger, einen Kotflügel oder eine Stossstange auszutauschen statt zu reparieren», erklärt Patrick Bischoff. Daher werde in der Lehrzeit der Fokus auf andere Arbeiten gelegt. Wertvolles Wissen zum Restaurieren von Oldtimern gehe deshalb verloren. Dagegen wollen Fachpersonen wie Garagisten, Carrosseriespengler, Mechaniker und Polsterer entgegenwirken. Sie haben die Interessengemeinschaft Fahrzeugrestauratoren Schweiz gegründet. Patrick Bischoff sitzt als Vertreter des Schweizer Carrossierverbandes VSCI im Vorstand dieser IG. «Unser Ziel ist eine Weiterbildung als Fahrzeugrestaurator, die vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT anerkannt wird», sagt Patrick Bischoff. Wie diese genau aussehen wird, definieren die Vertreter der Berufsverbände derzeit. Ein erster Lehrgang soll im nächsten Jahr starten. Patrick Bischoff ist überzeugt, dass es genügend Fachpersonen gibt, die diese Weiterbildung absolvieren werden. In seinem Alltag stellt er aber fest, dass zahlreiche junge Berufsleute seines Fachs mehr für Autotuning übrig haben.

Oldtimer gehören dazu

Die Faszination an Veteranenfahrzeuge – egal ob Autos, Lastwagen, Motorräder oder Traktoren – ist trotzdem gross. Oldtimertreffen, wie es sie auch im Toggenburg gibt, ziehen viele Besucherinnen und Besucher an. Es gebe Oldtimer für jedes Budget, sagt Patrick Bischoff. Ein Cinquecento, eine Ente oder ein Käfer seien bald einmal erschwinglich, ein Ferrari, ein Mercedes oder ein Porsche würden mehr kosten. Er erlebt es aber immer wieder, dass Leute bereit sind, für ein schönes altes Auto tief ins Portemonnaie zu greifen. Gedanken um die Umwelt macht sich der Oldtimerbesitzer Patrick Bischoff trotz seines Hobbies. «Wer einen Oldtimer besitzt, fährt nur zu besonderen Gelegenheiten mit ihm aus», erklärt er. Eine Untersuchung aus Deutschland über die Einführung von Umweltzonen habe ergeben, dass es für die Luftqualität wenig bringe, alte Autos zu verbieten. «Am Gesamtanteil der Abgase machen sie nur wenig aus», sagt Patrick Bischoff. Sein Herz schlägt für alte Citroën. Es gebe kaum etwas Schöneres, als mit seiner Familie in einem Oldtimer einen Sonntagsausflug zu machen, schwärmt er. «Mit einem Oldtimer zu fahren, ist Fahrerlebnis pur, da spürt man noch die Strasse.»





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