Tagblatt Online, 04. Dezember 2010 01:00:59
«Exporte nach China haben geholfen»
Der CEO der Wattwiler Turbo-Separator und Arbeitgeberpräsident Ruedi Bannwart erklärt im Interview, wie der schwache Euro seine Exporte beeinflusst und wie er der Eurokrise trotzt.
Herr Bannwart, wie ist Ihre Firma Turbo-Separator vom tiefen Eurokurs betroffen?
Ruedi Bannwart: Wir haben im letzten Jahr mehr exportiert als importiert und werden deshalb Ende Jahr auf unserem Eurokonto noch Geld haben. Dieses wird weniger Wert sein, gemessen in Franken. Statt zwei Millionen sind dann leider 250 000 Franken weniger auf dem Konto.
Haben Sie auch Kunden, die dank tiefem Euro wettbewerbsfähiger geworden sind? Sie können vielleicht Anlagen, in denen Bauteile von Turbo-Separator stecken, besser verkaufen, etwa nach Asien.
Ruedi Bannwart: Ja. Wir haben deshalb einen grösseren Auftragseingang. Unsere Kunden sind aber nicht bereit mehr zu bezahlen. Sie können ihren Kunden nicht vermitteln, warum jetzt die ganze Maschine teurer werden muss, nur weil eine Schweizer Komponente mehr kostet wegen des starken Franken. Auch haben wir Konkurrenten in Deutschland, die nicht teurer verkaufen.
Zuerst war die Finanzkrise, dann die Wirtschaftskrise und jetzt die Eurokrise. Wie meistern Sie diese Krisen?
Ruedi Bannwart: Wir exportieren nicht nur in den Euroraum, sondern auch nach China. Das hat uns geholfen. In China war keine Krise und wir profitieren davon, dass die chinesische Regierung vermehrt Umweltschutzmassnahmen vorschreibt. Deshalb waren unsere Maschinen für die Reinigung und für die Wiederverwertung besonders gefragt. Dazu suchen wir aber auch immer Optimierungsmöglichkeiten bei der Produktion.
Ist der starke Franken ein «Fitnessprogramm», damit jetzt alle Kostenreserven ausgeschöpft und noch bessere Produkte entwickelt werden, um konkurrenzfähig zu bleiben?
Ruedi Bannwart: Ja. Der starke Franken soll uns dazu bewegen, dass wir uns weiterentwickeln. Früher wurden unsere Schweizer Produkte gekauft, weil wir die Einzigen waren. Dann haben aber andere angefangen das Gleiche zu machen und wir bekamen ausländische Konkurrenten. Heute kann man in der Schweiz nur auf Sonderwünsche hin produzieren.
Dies geht am besten zu Hause, in der Nähe und im eigenen Betrieb. Da kann man immer wieder die nötigen Anpassungen und Optimierungen machen. Die eigene Produktion bringt Verlässlichkeit. Aber eine Schweizer Firma muss ohnehin schon optimiert sein, damit sie überhaupt mithalten kann mit Ländern, in denen Löhne und auch andere Kosten tiefer sind.
Interview: Tanja Trauboth
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