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Tagblatt Online, 03. Mai 2011 01:08:00

Striichmusig anders interpretiert

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Streicher und Jodler: Das Toggenburger Orchester, das Jodelchörli Bütschwil und die Gastmusiker überzeugten bei der Welturaufführung der Toggenburger Rhapsodie. (Bild: Bilder: Sabine Schmid)

WATTWIL. Am Sonntag luden das Toggenburger Orchester, bekannte Gastmusiker und das Jodelchörli Bütschwil zu einem Konzert in die Markthalle Wattwil. Das Publikum in der vollbesetzten Halle war begeistert von den klassisch-volkstümlichen Klängen. Besonders die Toggenburger Rhapsodie gefiel.

Sabine Schmid

Mit dem Projekt «Hornvieh» hat das Toggenburger Orchester unter der Leitung von Ernst Hüberli den Geschmack des Publikums getroffen. In Scharen strömten die Frauen und Männer – und auch viele Kinder – in die Markthalle, so dass in aller Eile noch zusätzliche Bänke aufgestellt werden mussten. Mit dem Konzert wollte das Toggenburger Orchester eine Synthese zwischen Klassik, Volksmusik und Toggenburger Volksbrauchtum schaffen. Dafür hat es mit Willi Valotti, Urs Grob und Matthias Kofmehl drei Musiker eingeladen, die das Spiel auf ihren Instrumenten virtuos beherrschen. Josef Rütsche, Präsident des Toggenburger Orchesters, hob heraus, dass das Konzert «Musik vom Tal fürs Tal» sei. Urs Grob spielte die Hackbrett-Parts in der Toggenburger Suite «Dsalp» von Peter Roth. Im Stück wechselten sich leichte, an Tänzli erinnernde Passagen und melancholische Teile – ähnlich einem Zäuerli – ab.

Charaktere der Viecher

Eine stimmige Verbindung zwischen Klassik und Volksmusik zeigten die Musiker bei der Suite «Hornvieh», die erstmals von einem Orchester gespielt wurde. Hans Jörg Sommer – der Komponist war am Konzert ebenso anwesend wie Hanspeter Kübler, der das Stück arrangiert hat – liess sich vom Leben auf der Alp inspirieren. Für jedes Vieh, von den Kälbern über den Ochsen und die Rinder bis zur Kuh und den Stier, schrieb er eine passende Passage. Auch der Hirte findet ganz zu Beginn des Stücks seinen Platz. Mathias Kofmehl hob mit dem Alphorn die Charaktere des «Hornviehs» hervor: verspielt die Kälber, ruhig die Rinder, leicht majestätisch die Kuh, bedrohend und schnaubend der Stier. Zusammen mit Willi Valotti am Akkordeon spielte das Toggenburger Orchester zwei Tänze des einheimischen Komponisten Walter Grob. Zum Schottisch «S Toggeburg ab» habe es keine Noten für das Orchester gegeben, erzählte Josef Rütsche. Hanspeter Kübler habe deshalb die Noten nach einer alten Aufnahme des Radio-Orchesters neu geschrieben.

Kühe am klassischen Konzert

Als Höhepunkt stand die Welturaufführung der Toggenburger Rhapsodie auf dem Programm, auch sie aus der Feder von Hanspeter Kübler. Der Untertitel «De Thur entlang» wurde durch projizierte Bilder unterstrichen. Der Komponist sei der Thur entlang gelaufen und habe die Stimmung erspürt, erklärte Josef Rütsche. Das 23minütige Werk, das mit einem akustischen Gewitter beginnt, birgt einige Überraschungen in sich. So flocht der Komponist Soli für das Hackbrett, das Akkordeon und für das Alphorn ein. Gut angekommen ist auch das eingearbeitete Jodellied «S Toggeburg isch mini Heimat», welches vom Jodelchörli Bütschwil gesungen wurde. Schliesslich gab es auch Schellen zu hören – drei Sennen liefen mit Schellenkühen durch die Markthalle.

Die Kühe hatten ihren Auftritt ebenfalls bei der Zugabe, die das Publikum mit einem grossen Applaus eingefordert hat. Ernst Hüberli studierte mit seinem Orchester und den Gastmusikern und -sängern den Toggenburger Kühreihen «Gang rüef de Bruune» ein. Diese Aufforderung wurde gehört, die «Bruune» marschierten nochmals durch die Markthalle.





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