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Tagblatt Online, 04. Dezember 2010 01:00:59

Toggenburger Rezepte gegen die Eurokrise

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Der Euro ist in Schieflage: Auch die Toggenburger Unternehmer spüren den schwachen Euro. (Bild: Bilder: key/hak)

TOGGENBURG. Der tiefe Eurokurs betrifft Toggenburger Exportfirmen in vielschichtiger Weise. Sie stellen sich mehrheitlich den erhöhten Anforderungen und optimieren weiter ihre Produktion.

Tanja Trauboth

Anfangs Jahr bekam man für einen Euro-Erlös aus dem Export bei einer Bank noch 1,50 Franken. Inzwischen sind es noch 1,31 Franken. Die Toggenburger Exporteure wechseln aber in der Regel nicht, sondern lassen die eingenommen Euros erst auf dem Eurokonto und bezahlen damit Material und Maschinen, die sie vor allem in Deutschland einkaufen. «Wir versuchen die Sache so zu glätten», erklärt Kurt Reichmuth, Leiter Administration bei der Blockfabrik.

Exporte und Importe

Die durch den starken Franken verbilligten Importe gleichen also die geringeren Einnahmen wegen des schwachen Euro aus. Diese Rechnung geht so lange auf, wie sich Exporte und Importe wertmässig im Gleichgewicht befinden. Auch die Lindner AG meldet eine ausgeglichene Bilanz. «Da sind wir noch gut dran», sagt Unternehmer Thomas Wildberger. Die Situation ändert sich, wenn eine Firma mehr in den Euroraum exportiert als importiert. Dann entstehen mindestens Buchverluste.

Der Gewinn beim Importgeschäft lässt sich allerdings nicht immer in vollem Umfang weitergeben. Schweizer Kunden verlangen Preisnachlässe: «Sie sehen, dass wenn sie dort etwas direkt einkaufen, es viel billiger ist», sagt Wildberger.

In Franken fakturieren

Betriebe, die einen Grossteil ihrer Produktion ins Ausland verkaufen und in Euro abrechnen, sind stärker betroffen von der Eurokrise. Allerdings stehen nicht auf allen Rechnungen aus dem Toggenburg Euro-Beträge.

Oerlikon und Kägi fakturieren überwiegend in Franken. Beide Firmen verkaufen viel nach Asien. Toggenburger Waffeln finden sogar Liebhaber im Mittleren Osten. Für die Preisverhandlungen mit den Kunden in Asien sind die Wechselkurse nur ein Faktor von vielen. «Wir sind immer die Teuersten und haben den Druck, dass wir billiger sein müssen.

Wir können nicht sagen, ob das jetzt auf die Währungskurse zurückzuführen ist», sagt Peter Anderegg, Werksleiter von Oerlikon Wattwil. Der Preis ist für die Kunden nicht das einzige Argument. «Wir machen es wett durch bessere Produkte und besseren Service», sagte Anderegg. Auch Oerlikon kauft mit den Euros, die sie einnehmen, Material ein. Ihr Hauptzulieferer ist in Deutschland. Kägi kauft mit den Euros Maschinen. «Die deutschen Keksmaschinen sind die besten», sagt CEO Beat Siegfried.

Zulieferer profitieren

Für die Morga sei der Währungskurs nur einer von vielen wirtschaftlichen Faktoren, sagt Reto Aerne, Leiter Export und Marketing. Überschwemmungen entlang der Donau hätten das Angebot an Bio-Lebensmittelrohstoffen knapp gehalten und stark verteuert. Der Export in den Euroraum sei für das Hochpreis-Segment Reform-Lebensmittel zudem schwierig geworden, weil die Kaufkraft in den von der Wirtschaftskrise gebeutelten Ländern drastisch gesunken sei.

Der französische Importeur der Morga-Produkte, der auch noch andere Marken führt, berichtete vom totalen Zusammenbruch des Marktes in Frankreich. «Da können Sie nicht hergehen und sagen: Wir Schweizer haben jetzt 15 Prozent Währungsverlust und schlagen 10 Prozent drauf.»

Den Betrieb optimieren

Wenn man mit Kurt Köppel, dem Betriebsleiter von der Schiess AG spricht, wird schon nach den ersten Sätzen deutlich, was hier geleistet wird.

Was sich bei einem normalen Betrieb wie eine langfristige Strategie des Wandels und der Innovation anhören würde, passiert bei Schiess in einem kürzeren Zeitraum. Wie seine Auftraggeber in der Fahrzeug- und Textilbranche unterliegt der Zulieferer stetigem Wandel. Bei jeder Ausschreibung müssen die Toggenburger neu kalkulieren, damit sie günstige und bessere Lösungen anbieten.

Hat die Konkurrenz die Nase vorne, fällt das Produkt heraus, auch wenn dies die Folge des ungünstigen Wechselkurses ist. «Dieser Prozess ist bei uns ziemlich schnell. Da bekommt man nichts geschenkt. Man muss sich anstrengen, um auf dem Markt präsent zu sein», erklärt Köppel, und ergänzt: «Wir machen nur anspruchsvolle Sachen, das Wilde und Verrückte.» Grundlage für den Erfolg sei, dass laufend investiert werde, in Sachanlagen und Maschinen, und vor allem in die Ausbildung der Mitarbeiter.

Viele haben eine höhere Fachausbildung. Wichtig sei es, gute Löhne zu zahlen, sagt Köppel. Zulieferer profitieren aber auch von der Abwertung des Euros. Ihre Abnehmer, Maschinen- und Fahrzeugbauer in Deutschland, verkaufen dank tiefem Euro mehr. So können die Toggenburger mehr liefern. Allerdings haben auch die deutschen Konkurrenten einen Vorteil. «Wir haben starke Konkurrenten in Deutschland», bestätigt Geschäftsleiter Ivo Högg von der Högg Produktionstechnik. Högg ist froh um das neue Gebäude. «Es hilft uns, unsere Produktion weiter zu optimieren.»





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