Tagblatt Online, 25. Januar 2010 01:02:35
Hochzeit von Ländler und Klassik
Die zwei Ländler-Koryphäen Carlo Brunner (rechts) und Philipp Mettler bewegten sich absolut sicher auf der Bühne zusammen mit dem Toggenburger Orchester. Die Leitung hatte Ernst Hüberli inne. (Bild: Bild: Renata Riehm)
ALT ST.JOHANN/BÜTSCHWIL. Das Toggenburger Orchester spielte unter dem Motto «Carlo Brunner und Philipp Mettler klassisch» mit den Spitzenklarinettisten ein klassisches Stück und eine ländlermusikalisch-klassische Uraufführung.
Renata Riehm
Die Überraschung war perfekt, das Publikum zeigte seine Begeisterung mit stehenden Ovationen, die Musiker strahlten: Ausgelöst hat dies die Uraufführung des neu arrangierten «Waldvogel-Schottisch» von Carlo Brunner. Das Publikum verlangte eine Wiederholung.
Das Konzert war ein Geschenk der neuen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Gemeindepräsident Rolf Züllig zog in seiner Begrüssung Parallelen zwischen dem Gelingen eines Orchesterkonzerts und dem Erfolg einer Gemeinde. Am Sonntag wurde das Konzert in der katholischen Kirche Bütschwil wiederholt.
Einsamer Dirigent am Pult
Dass es ein aussergewöhnliches Konzert werden würde, zeigte schon der Auftakt. «Maestro» Ernst Hüberli – üblicherweise der letzte im Konzertsaal – stand als erster auf der Bühne. Er machte den Auftakt zur «Ankunftssinfonie» des Wiener Komponisten Johannes Matthias Sperger.
Es sollte ein Gegenstück zu Joseph Haydns «Abschiedssinfonie» sein. Bei Haydn verlassen die Musiker einer nach dem andern die Bühne. Bei Sperger erscheinen sie einzeln. Den Auftakt machten zwei Geigerinnen, gefolgt von einer Bratsche, Cello, einzelnen Bläsern, den restlichen Streichern – bis schliesslich alle Musiker an ihrem Platz sassen.
Nach dem feinen, zweistimmigen Geigenauftakt wurde der Klang allmählich vielfältiger und immer voller bis zum Finale des ganzen Orchesters.
Hatte die «Ankunftssinfonie» leise begonnen und sich zum fulminanten Schluss gesteigert, bot die Ouvertüre der Oper «Lo sposo deluso» (Der getäuschte Bräutigam) von Wolfgang Amadeus Mozart einen Kontrapunkt.
Mit Paukenschlägen zog sie das Publikum in der voll besetzten katholischen Kirche in ihren Bann, um schliesslich in sanften Tönen auszuklingen.
Ländlermusikanten und Klassik
Dann betraten die Solisten, welche dem Konzert den Titel verliehen hatten unter grossem Applaus die Bühne. Carlo Brunner (Jahrgang 1955) und Philipp Mettler (1975) kennt in der Ländlermusikszene jedes Kind. Mit traumtänzerischer Leichtigkeit bewegen sie sich auf ihrem Instrument, der Klarinette, wenn sie Ländler spielen.
Auf dem Programm stand das «Konzert für zwei Klarinetten und Orchester» des Tschechen Franz Krommer (1759–1831). Das Orchester meisterte unter der temperamentvollen Leitung von Ernst Hüberli sowohl die Tempowechsel als auch die anhaltenden, teilweise fast meditativ anhaltenden Passagen gekonnt.
Der hoch konzentrierte Ausdruck in den Gesichtern verriet, dass Krommers Werk eine hohe Anforderung darstellte. Höchste Konzentration war auch Carlo Brunner anzusehen, während Philipp Mettler immer mal wieder mit spitzbübischem Grinsen eine gewisse jugendliche Unbeschwertheit durchblicken liess. Die hellen Klänge der Klarinetten füllten den Kirchenraum aufs Schönste und das Zusammenspiel zwischen Orchester und Solisten war von einer Harmonie geprägt, als stünden sie jede Woche gemeinsam auf der Bühne.
Orchester spielt Ländler
Ganz bescheiden war eine Überraschung angekündigt. Sie bestand in der Uraufführung des von Carlo Brunner im Alter von 17 Jahren komponierten «Waldvogel Schottisch». Der «Hauskomponist» des Toggenburger Orchesters, Hanspeter Kübler, hat das Stück neu arrangiert. Die Aufführung wurde zum Höhepunkt. Kübler ist mit dem Arrangement für zwei Sopransaxophone und Sinfonieorchester eine spritzige Symbiose von Ländler und Klassik gelungen. Die Spielfreude beim Orchester war sichtbar, bei Carlo Brunner und Philipp Mettler schien sie überbordend.
Mit stehenden Ovationen forderte das Publikum eine Wiederholung – und bekam sie auch. «Gelungen», «genial», «grossartig», waren Voten der Konzertbesucher beim Verlassen der Kirche. Oder wie der Vater von Carlo Brunner, der ebenfalls im Publikum gesessen hatte, zu seinem Sohn meinte: «Das war grossartig. Ich will in Bütschwil gleich nochmals dabei sein.»
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