Wenn die Thur ruft, kommen die Wattwiler

BEIRAT ⋅ An der vierten Sitzung des Beirats zur Thursanierung orientierten Vertreter des Kantons über den aktuellen Stand des Hochwasserschutzprojekts. In der Diskussion wurde unter anderem Kritik am Landverbrauch laut.
18. November 2017, 05:19
Martin Knoepfel

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

Helfer schleppten Stapelstühle. Über 400 Personen kamen am Donnerstagabend zur vierten Sitzung des Beirats zur Thursanierung Wattwil in den Thurpark. Vertreter des Kantons präsentierten den aktuellen Stand des Projekts. Regierungsrat Marc Mächler plädierte für einen Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen. Man müsse die über 100 Jahre alten Verbauungen erneuern und die Thur habe eine zu kleine Abflusskapazität, sagte er. Retentionsbecken senkten den Hochwasserspiegel nur um 10 bis 30 Zentimeter, was zu wenig sei. Das Projekt werde mehr Natur und Naherholungsräume bringen, sagte der Regierungsrat.

Ueli Schälchli stellte das angepasste Projekt vor und warnte, dass sich die Abflussmenge wie 2006 in einem Tag verelffachen könne. Dabei sei das ein dreissigjähriges, kein hundertjähriges Hochwasser gewesen. Wenn man die Vorländer abtrage und steile Böschungen erstelle, sinke der Hochwasserspiegel um 60 Zentimeter. Für das Projekt werde man keine Häuser abbrechen. Wo der Platz knapp sei, werde man den Uferstreifen reduzieren und Lücken in der Allee zulassen, sagte Schälchli. Auch die Landschaftsarchitektin Rita Mettler erhielt viel Beifall. Sie erläuterte Varianten für die Gestaltung des Flussufers. Es solle ein wichtiges Erholungsgebiet werden, sagte sie. Zum Beispiel könne man bei der katholischen Kirche eine breite Treppe zum Fluss anlegen. Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner erinnerte daran, dass mehr Zugänge zur Thur eine Forderung der Workshops zur Zentrumsentwicklung wäre. Der Gemeinderat begleite das Projekt kritisch und wahre die Interessen der Bevölkerung, sagte der Gemeindepräsident. Die Wiederherstellung der Allee, nicht nur mit jungen Bäumen, werde angestrebt und sei nicht verhandelbar.

Abwasserleitungen müssen ersetzt werden

Ein Besucher fragte, was mit den Abwasserleitungen im Uferbord geschehe. Ein Vertreter des Kantons sagte, ohne konkret zu werden, dass die Leitungen ersetzt und die Kosten aufgeteilt werden müssten. Gunzenreiner beteuerte, dass man die Ausgaben der Gemeinde im Budget ausweisen werde, und, dass die Kanalisationsleitungen weder Steuerfuss- noch Abgaben-relevant seien. Kritisiert wurde, dass Wattwil an die Sanierung zahlen muss, obwohl die Thur ein kantonales Gewässer ist. In Zürich zahle in einem solche Fall der Kanton alles, hiess es. Das st. gallische Wasserbaugesetz sage, dass der Gemeindebeitrag einen Viertel betrage, antwortete Heinz Meier, Leiter Wasserbau im Amt für Wasser und Energie.

Viel Beifall erhielt ein Votant, der grosszügigere Aufwertungsmassnahmen forderte und den Verlust von Hecken, Anrissstellen und Alleebäumen beklagte. Ein Vertreter der Pro Natura sagte, dass das Projekt die rechtlichen Anforderungen nicht erfülle. Ein Votant kritisierte, dass viele Bäume gefällt werden müssen. Ein Anrainer forderte, der Kanton solle mit den Betroffenen Lösungen aushandeln, die für beide Seiten stimmten. Viel Beifall gab es für ein Votum gegen eine neue Durchgangsstrasse durchs Schomattenquartier und gegen eine neue Thurbrücke bei der Mündung des Schmidenbachs. Der Gemeindepräsident hatte beides zuvor als Option erwähnt.

www.thursanierung-wattwil.ch


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