Wer wird die neue Idda?

VERFILMT ⋅ Die Heilige Idda von Toggenburg wird zum Filmstar: Der Verein Picturae movens und Regisseur Andreas Elsener wollen im Herbst einen Kurzfilm der Sage drehen.
19. Juni 2017, 15:05
Delia Hug

 Sie ist weit über die Grenzen des Toggenburgs bekannt, fast jedes Kind kennt ihre Geschichte, obwohl diese über 850 Jahre alt ist. Der Verein Picturae movens sucht noch eine passende Idda für den Film von rund 15 Minuten Spielzeit. Im Frühsommer 2018 soll dieser an diversen Kurzfilmfestivals und auf weiteren Plattformen gezeigt werden soll. Der mittelalterliche Verein aus Regensdorf will den Streifen mit originalgetreuen Kostümen und historisch korrekter Ausstattung möglichst realistisch und klischeefrei verfilmen.

Andreas Elsener, der 26-jährige Regisseur, schliesst diesen Sommer den Master in Archäologie ab. Vor kurzem hat er seinen Spielfilm «Durch die Nacht» veröffentlicht, der durch Crowdfunding finanziert wurde.

 

Unter tausenden Geschichten ausgewählt

Die Entscheidung für diese Saga sei Matthias Knuser, dem Vorsitzenden des Vereins, ziemlich leicht gefallen. «Idda bringt enorm viel Gefühl mit. Hass, Neid, Liebe und Wut werden in dieser Geschichte sehr gut verkörpert», erläutert Matthias Knuser, der als technischer Leiter die Dreharbeiten begleiten wird. Ferner spielen Figuren wie Kobolde und Wichtel keine Rolle, was die Umsetzung erheblich vereinfacht. Für den Architekten ist es zudem spannend zu sehen, wie ein Film mit geringen Mitteln trotzdem qualitativ hochstehend realisiert werden kann.


Idda soll «religionsneutral» verfilmt werden

War es nun ein Rabe oder doch eine Elster, die den Ring gestohlen hatte? Unzählige Versionen gibt es von dieser Sage, die Filmemacher halten sich an die Vorlage des Buchs Toggenburger Sagen» von Dino Larese, darin ist ein Rabe der Dieb. Jedoch sollen alltägliche Szenen detaillierter dargestellt werden, mit dem Ziel, den Zuschauern die Motive und Wertvorstellungen verständlicher zu machen. Beim finalen Drehbuch wird ein Erzähler durch die Geschichte führen. Bislang noch unklar ist die Sprache der Dialoge. Zur Auswahl stehen Mittelhochdeutsch, Hochdeutsch oder der Schweizer Dialekt. «Religionsneutral» soll der Film laut Crew sein. Nun wird Idda also nicht wie im Original von einem Engel gerettet, sondern nach Dino Larese auf «wundersame» Weise vom Gebüsch aufgefangen. Auch auf die Heiligsprechung wird im Anschluss verzichtet. Spezialeffekte werden nur beim Sturz von Idda aus dem Turmfenster und der Hinrichtung des Jägers eingesetzt.

Vier Wochen lang wird über Crowdfunding ein Kapital von 12000 Franken für das Projekt gesucht. Private Sponsoren können sich ebenfalls daran beteiligen. Der Verein Picturae movens», was übersetzt für «bewegte Bilder» steht, hat all seine Mitglieder, Freunde und Bekannte aus der Living-History-Szene mobilisiert, um möglichst alle Requisiten originalgetreu und preiswert einzubringen.

 

Hirsch, Rabe und Geld werden noch gesucht

Neben den Gewändern stehen bereits Pferde, Hunde und landwirtschaftliche Nutztiere zur Verfügung. Wer gerade einen zahmen Raben im Garten oder einen Hirsch im Wald stehen hat, der solle sich doch umgehend melden. Neben den vier Hauptdarstellern werden diese beiden Tiere nämlich noch dringend gesucht. Für die Figuren des Grafs, des Jägers, des Waidknechts und der Idda laufen die Bewerbungen bereits auf Hochtouren. «Ganz wichtig bei Idda ist eine warmherzige Ausstrahlung», verrät Matthias Knuser. Haarfarbe und Körperumfang seien für diese Rolle nicht entscheidend.

Ab August wird fast jedes Wochenende für Dreharbeiten genutzt. Bis Oktober wird die Iburg in Wattwil neues Zuhause von Idda sein. Weitere Drehorte könnten das Schloss Sargans oder das Küsnachter Tobel sein. Feststeht, dass die Drehorte alle in der Schweiz liegen werden. Bis zu 50 Leute werden an einem Drehtag am Set stehen. Für grosszügige Sponsoren gewährt die Mannschaft VIP-Besuche am Aufnahmeort.

Weitere Informationen zum Film und zum Crowdfunding: www.idda-derfilm.ch.

 

Wer war Idda?

Im Jahre 1244 geschieht ein grosses Unrecht auf der Toggenburg im Gebiet der heutigen Schweiz. Der Graf von Toggenburg verdächtigt seine Frau Idda, ihn mit einem Jäger betrogen zu haben, und lässt den Jäger zu Tode schleifen. Seine Frau stösst er, rasend vor Wut und Eifersucht, aus dem Turmfenster. Wieder bei Sinnen, erkennt der Graf sein Unrecht und bereut schon bald diese ruchlosen Taten zutiefst, kann sie aber nicht mehr ungeschehen machen. So lebt er fortan mit seiner Schuld ein freudloses Leben auf seiner Burg. Bis er eines Tages bei einer Hirschjagd eine unglaubliche Entdeckung macht. (pd)


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