Die Natur spielerisch erfahren

Hilf mir, es selbst zu tun – nach diesem Motto trifft sich die Eltern-Kind-Gruppe der Toggenburger Naturkinder in der freien Natur. Ziel ist es unter anderem, die sozialen Fähigkeiten der Kinder auf spielerische Art zu fördern.
04. September 2015, 02:40
URS M. HEMM

NECKERTAL. Seit rund einem Jahr bietet der Verein Toggenburger Naturkinder (Tonaki) eine Eltern-Kind-Gruppe an. Diese richtet sich an Kinder im Alter bis zu drei Jahren, aber auch an allenfalls ältere Geschwister bis zu fünf Jahren und ihre Begleitpersonen. «Im Idealfall sind die Begleitpersonen die Eltern oder zumindest ein Elternteil», sagt Corinne Schällebaum, Präsidentin des Vereins Tonaki und Gruppenleiterin. Es seien aber auch Grosseltern, Gottis, Göttis, Tanten oder Onkel willkommen.

Ganz im Sinne des Leitsatzes der Gruppe – Hilf mir, es selbst zu tun – soll der gemeinsame Morgen im Wald die Entwicklung des Kindes unterstützen und dessen Selbständigkeit fördern. Die Gruppe trifft sich alle vierzehn Tage, donnerstags, im Herrenwald in St. Peterzell.

Mit pädagogischem Konzept

An diesen Treffen stünden die Kinder klar im Mittelpunkt. «Aber auch die Begleitpersonen sollen die Möglichkeit erhalten, sich untereinander auszutauschen, allenfalls voneinander zu lernen und von den Erfahrungen der anderen zu profitieren», sagt Corinne Schällebaum. Dabei verfolgt sie mit ihrer Co-Leiterin Claudia Müller-Bollhalder ein klares pädagogisches Konzept. So ist ein solcher Morgen im Wald geprägt von drei Fixpunkten: Das sind jeweils das Singen eines Liedes zum Anfang, der gemeinsame Znüni und wiederum das Singen eines Liedes oder das gemeinsame Aufsagen eines Verses zum Abschluss des Treffens.

Treffpunkt für die Gruppe ist jeweils das Bänkli beim Vitaparcours im Herrenwald. «Nach dem Singen spazieren wir gemeinsam zu unserem Platz im Wald. Dieser kurze Fussmarsch bietet den Kindern und Begleitpersonen schon einmal die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen, wenn sich die Teilnehmer nicht schon von früheren Treffen kennen», erläutert Schällebaum.

Spezielles Material zum Spielen gibt es keines – die Kinder sollen sich mit den Materialien beschäftigen, die sie in der Natur finden – und natürlich sollen sie miteinander spielen. «Um ihnen aufzuzeigen, was es alles in der Natur gibt, bereiten wir auch Spiele oder Übungen vor», sagt Corinne Schällebaum. Danach beschäftigen sich die Kinder im Idealfall selbst und suchen sich eine Aktivität, die ihrem jeweiligen Entwicklungsstand und Interesse entspricht.

Dennoch hätten die Leiterinnen immer ein Programm zur Hand, um nötigenfalls Inputs zu geben. «Wenn es aber läuft, dann lassen wir es laufen und greifen nicht ein. Ein Ziel der Treffen ist ja, die Phantasie der Kinder anzuregen.»

Unterstützungsfonds geplant

Durch das gemeinsame Spielen könnten die Kinder erste Gruppenerfahrungen sammeln. Natürlich könne es dabei auch zu Konflikten kommen. «In solchen Fällen sollten aber auch die Eltern lernen, loszulassen und ihren Kindern zu vertrauen», sagt Corinne Schällebaum. Denn oft könnten die Kinder ihre Konflikte selbst lösen – wenn nicht, würden die Leiterinnen schlichtend eingreifen.

Der Verein Tonaki finanziert sich durch Mitgliederbeiträge, Spenden-, Gönner-, Sponsoren- und Projektbeiträge sowie durch Subventionen. «Obwohl wir versuchen, die Unkostenbeiträge für die Eltern so niedrig wie möglich zu halten, können sich teils Familien eine Teilnahme an unseren Angeboten nicht leisten, sagt Corinne Schällebaum. Darum ist jetzt die Einrichtung eines Fonds geplant, aus welchem solche Familien unterstützt werden können.


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