Tagblatt Online, 15. Februar 2012 08:50:00
Wertvolle Nischenprodukte
Die Landwirte besichtigten die Ölpressen, auf denen kaltgepresste Öle hergestellt werden. (Bild: bo.)
FLAWIL. Anlässlich ihrer Hauptversammlung im Bildungszentrum Mattenhof in Flawil besichtigte die Landwirtschaftliche Vereinigung Region Wil die Ölpressen der St. Gallischen Saatzuchtgenossenschaft.
BEA OESCH
Am Montag fand im Bildungszentrum Mattenhof in Flawil die Hauptversammlung der Landwirtschaftlichen Vereinigung Region Wil statt. Die rund 40 Anwesenden konnten sich von Christoph Gämperli von der St. Gallischen Saatzuchtgenossenschaft Flawil, der 72 Landwirte – oft ganze Familien – angeschlossen sind, über Saatzucht und Nischenprodukte informieren lassen. Gämperli erklärte die verschiedenen Schritte von der Evaluation neuer Nischen, Anbautests, Versuchen mit – für Ernte und Verarbeitung notwendigen – Maschinen bis hin zum verkaufsfähigen Produkt. «Ein besonders wertvolles Nischenprodukt in unserer Region ist kaltgepresstes Öl», fuhr er fort. Er stellte St. Galler Öle vor, zum Teil schon mehrfach ausgezeichnet, die degustiert werden konnten, wie Raps-, Sonnenblumen-, Mohn-, Traubenkern- und Walnussöl. Am gesündesten ist das etwas herb schmeckende Leinöl mit über 50 Prozent an Omega-3-Fettsäuren – ein halber Teelöffel davon deckt den Tagesbedarf.
Baumnüsse mit Schale pressen
Christoph Gämperli und Leo Brändle führten die Anwesenden in zwei Gruppen zu den Ölpressen mit einer Tagesleistung von je rund 60 Litern, wo kaltgepresstes Rapsöl entstand. Der krümelig-trockene Presskuchen ist ein sehr begehrtes hochwertiges Futtermittel. «Ende Februar können wir mit einer neuen Presse mit Lohnarbeit für Baumnüsse beginnen, die mit der Schale verarbeitet werden können», kündigte Gämperli an und stiess damit auf grosses Interesse bei den Landwirten. «Das wird die Herstellung des Walnussöls stark vereinfachen, denn bis anhin konnten nur die Kerne gepresst werden.» Schon bald soll es auch ein St. Galler Kürbiskernöl geben. Als weitere erfolgreiche Produkte der Saatzuchtgenossenschaft nannte Gämperli die ProSpecieRara-Kartoffelsorten «Blaue St. Galler», die heute auch in Form von Chips erhältlich ist, oder die bereits im 19. Jahrhundert in Graubünden kultivierte «Parli».
Positiver Jahresabschluss
An der anschliessenden Hauptversammlung nannte Präsident Martin Brunnschweiler das Jahr 2011 ein überdurchschnittliches Pflanzenbaujahr und erwähnte die überaus hohe Mostobsternte. Die Käsebranche sei wegen des Euro-Kurses enorm gefordert, und die Schweinepreise vermochten sich nicht nachhaltig zu erholen. Politisch werde es für die Landwirte zunehmend schwieriger. Martin Brunnschweiler äusserte sein Bedauern, dass der anwesende Lorenz Egli trotz vieler Stimmen den Sprung in den Nationalrat nicht geschafft habe, und bei den Kantonsratswahlen nicht mehr zur Wiederwahl antrete. «Mit dem Sitzgewinn des Präsidenten des St. Galler Bauernverbandes Markus Ritter im Nationalrat ist unser Kanton bäuerlich dennoch hervorragend vertreten», sagte er. Kassier Norbert Hungerbühler konnte die Jahresrechnung mit einem Gewinn von 516 Franken und einem Vermögen von 16 284 Franken abschliessen.
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