Tagblatt Online, 04. Februar 2012 12:19:00
Im Stall Stiefel, im Club Stiefeli
ST.MARGARETHEN/ESCHLIKON. «Ich musste nicht zweimal überlegen, Bäuerin zu werden», sagt die 19jährige Simona Frei. Sie ist eine von drei Frauen unter 60 Schülern im Abschlussjahrgang der Landwirtausbildung auf dem Arenenberg.
MATHIAS FREI
«Über die Kühe bin ich reingerutscht», sagt die 19jährige Simona Frei, Tochter eines Transpörtlers, aufgewachsen in einer Blockwohnung. Ihr Nachbar in St. Margarethen war Milchbauer. Schon während der Primarschule war sie oft im Stall. Als Oberstüflerin half sie jeden Abend beim Melken.
Mittlerweile steht sie im dritten und letzten Jahr der Landwirtausbildung. Einen Tag in der Woche lernt sie am landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum auf dem Arenenberg. Ihr aktueller Lehrbetrieb steht in Eschlikon. «Ich hatte schon alles: von Poulets über Sauen bis Kirschen. Bei uns ist es eben Pflicht, jedes Lehrjahr in einem anderen Betrieb zu arbeiten.»
Den Jungs Grenzen aufzeigen
Die Bäckerlehre, in der sie geschnuppert hat, konnte die schöne Simona ebenso wenig überzeugen wie die Ausbildung zur Köchin. «Ich musste nicht zweimal überlegen, Bäuerin zu werden.» Eine von ganz wenigen. Auf dem Arenenberg ist sie eine von drei Frauen unter 60 Schülern im Abschlussjahrgang.
Ihren jungen Berufsschulkollegen müsse sie schon ab und zu Grenzen aufzeigen. «Auf dem Arenenberg habe ich mir eine dicke Haut zugelegt. Und bei den Lehrern hat man es als Frau auch nicht leichter als die Männer.» Es leuchte ein, dass sie keine 50 Kilogramm schweren Düngersäcke heben könne. Da muss sie sich dann zu helfen wissen. Lehrmeister oder Mit-Stift gehen ihr dann zur Hand.
Lange Fingernägel im LKW
«Bäuerin wird man nicht des Geldes wegen. Aber arbeitslose Bauern kenne ich auch keine. Weiterbildung ist ganz wichtig.» Täglich arbeitet Simona ihre zehn Stunden. Überstunden nimmt man hin. Nach Lehrabschluss will sie die landwirtschaftliche Handelsschule machen. Fernziel: Agro-Kauffrau. Den LKW-Führerschein nennt sie auch ihr eigen. «Wenn ich etwas im Kopf habe, zieh' ich es durch», sagt sie. Wenn die junge Landwirtin sagt, dass sie viel Wert lege auf ihr Äusseres, muss man das nicht glauben. Man sieht es. «Lange Fingernägel müssen sein. Und im Ausgang trage ich hochhackige Schuhe.» Vom Ausgang nach Hause gekommen und direkt in den Stall? «Ja, das gab es auch schon.» Simona schmunzelt.
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