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Tagblatt Online, 04. Februar 2012 11:43:00

Die Starken helfen den Schwachen

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Das wöchentliche Turnen verhilft den Menschen mit Behinderung zum Gemeinschaftserlebnis. (Bild: Hugo Berger)

AMRISWIL. Die Turnstunde ist für viele Behinderte des Vereins PluSport Amriswil der Höhepunkt der Woche. Nebst der Freude an Spiel und Bewegung schätzen sie die Geselligkeit. Nun bietet PluSport das Training in zwei Leistungsstärken an, um die individuellen Fähigkeiten zu berücksichtigen.

HUGO BERGER

Wer jeweils am Mittwochabend im Schulhaus Oberfeld von der Galerie in die Turnhalle hinunterschaut, sieht eine fröhliche Turnerschar, wie sie landauf landab zu sehen ist. Erst beim zweiten Blick ist zu erkennen, dass es sich bei den rund 30 Turnerinnen und Turner um Menschen mit Behinderung handelt. PluSport Amriswil bietet das Turnen seit über 40 Jahren an. Neuerdings trainieren die Teilnehmer in zwei verschiedenen Leistungsstärken.

Fordern und fördern

«Wir haben Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Behinderungen. Wenn alle in der gleichen Gruppe trainieren, besteht das Problem, dass einige unterfordert und andere überfordert werden», erläutert Leiter Daniel Hohl.

Daneben aber habe die Einheitsgruppe auch positive Aspekte, räumt Hohl ein: «Sie fördert die gegenseitige Hilfe: die Starken helfen den Schwachen.» Dem wird Rechnung getragen: Die Turnstunde beginnt mit dem gemeinsamen Einlaufen, und am Schluss treffen sich die beiden Gruppen und singen ein Lied.

Und was längst zur Tradition geworden ist: Nach dem Turnen sitzt man noch in einem Restaurant gemütlich zusammen. Drei Restaurants in Amriswil unterstützen die Behindertensportlerinnen und -sportler, indem sie ihnen Getränke und Speise zu ermässigten Preisen servieren.

Auf Sponsoren angewiesen

Nebst den Turnstunden nimmt die Sportgruppe auch an zahlreichen Sportanlässen teil, so etwa Ende März am Internationalen Volleyball-Turnier in Romanshorn und am kantonalen Spiel- und Sporttag Anfang Mai in Frauenfeld. «Wir haben das Glück, dass wir von vielen treuen Sponsoren unterstützt werden. Das alles wäre ohne sie gar nicht möglich», macht Daniel Hohl deutlich.

Dankbar sei man auch der Stadt Amriswil, welche die Turnhallen gratis zur Verfügung stelle. Zum PluSport zählt auch die Torballgruppe für Blinde und Sehbehinderte, die dienstags in der Turnhalle Nordstrasse trainiert. Zudem wird im Hallenbad der Bildungsstätte Sommeri freitags Schwimmen angeboten.

Oft die Bremse ziehen

Hohe Anforderungen werden an die Leiter der Turnstunden gestellt. Sie müssen über den Grad der Behinderung eines jeden Teilnehmers genau Bescheid wissen, um abschätzen zu können, was sie ihm oder ihr zumuten dürfen. «Viele behinderte Sportler sind sehr ehrgeizig und erkennen im Eifer oft ihre Grenzen nicht. Dies muss der Leiter wahrnehmen und seine Schützlinge bremsen», so die Erfahrung von Daniel Hohl.





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