«Dann ist es zu spät»

ROMANSHORN ⋅ Rücknahme der provisorischen Verkehrsführung: Der Stadtrat bietet den Detaillisten im November ein klärendes Gespräch an. Das nützt ihnen im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft nichts.
13. Oktober 2017, 06:52
Tanja von Arx

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

«Stehen Veränderungen an, gibt es immer auch Reibungen.» Das ist die Ansicht von Vizestadtpräsident Urs Oberholzer betreffend die provisorische Verkehrsführung in der Romanshorner Innenstadt, genau genommen in Bezug auf die Bitte einer Gruppe von Detaillisten, diese rückgängig zu machen (siehe Kasten). «Man kann es nie allen recht machen.» An ihrer letzten Sitzung habe die Stadtverwaltung indes beschlossen, auf den 22. November eine Gesprächsrunde anzusetzen. Anwesend seien Stadtpräsident David H. Bon, er selbst und weitere Vertreter der Stadtverwaltung, sagt Oberholzer.

«Unsere Existenz ist ernsthaft gefährdet»

Lili Wohler, Inhaberin der Sichtbar und federführend unter den Bittstellern, sagt: «Dann ist es zu spät.» Die Hälfte des Geschäfts sei zu dem Zeitpunkt gelaufen. Es gehe um den Weihnachtsverkauf, der Voraussetzung sei für die Existenz der Läden und der in der Regel 50 Prozent des Jahresumsatzes ausmache. «Am Wochenende darauf findet bereits der Weihnachtsmarkt statt.» Wohler betont: «Es geht um eine sofortige Rückführung. Nachher kommt es nicht mehr drauf an.» Kunden zurückzugewinnen, die man wegen Umwegen oder fehlender Parkplätze verloren habe, brauche Zeit. Ganz abgesehen davon, dass man vermutlich nie mehr Gelegenheit dazu habe. Für einen Standort wie die Hafenstadt, der gewerblich unter Druck stehe wegen des nahen Auslands, des starken Frankens und der praktischen Einkaufszentren, sei das ausschlaggebend.

Parkplätze stehen aus, Strasse in falsche Richtung

Man wolle sich nicht gegen die Bemühungen des Stadtrats stellen, sagt Wohler. «Die Idee einer Aufwertung des Zentrums gefällt uns sehr gut.» Der Zeitpunkt sei jedoch falsch gewählt. Denn bis das Wohn- und Geschäftshaus auf dem Bodan-Areal mit einer Tiefgarage fertiggestellt sei, stünden Parkplätze aus. Und nach Auffassung der Detaillisten führt die neu ausgerichtete Einbahn auf der Alleestrasse in die falsche Richtung. «Kommt man von auswärts, so hat man nicht wie andernorts üblich direkten Zugang zur Ladenstrasse.» Zuletzt sei es eine Herzensangelegenheit. «Als Geschäftsinhaber ist es uns nicht egal, wie es der Stadt, den Kunden und dem Geschäft geht.» Man erwarte, dass man mit dem Anliegen ernst genommen werde. Wohler schliesst: «Es kann wohl kaum im Interesse der Stadt sein, eine Ladenstrasse ohne Läden zu haben.»

Laut Urs Oberholzer wird das Anliegen an der nächsten Stadtratssitzung thematisiert. Denn für eine mögliche Rückführung brauche es in jedem Fall einen stadträtlichen Beschluss. Die Sitzung fände im Zuge der Herbstferien allerdings erst am 24. Oktober statt.

Der Vizestadtpräsident weist darauf hin, dass es im Vorfeld der provisorischen Verkehrsführung Infoveranstaltungen gegeben habe, an denen man die Gewerbler ins Boot geholt habe. Ebenso an Workshops. «Der Wunsch, dass etwas gehen muss, besteht in Romanshorn seit längerem.» Die Schliessung kleiner Läden sei schon vor zehn Jahren ein Thema gewesen. Seiner Meinung nach solle dem erst angelaufenen Projekt eine Chance gegeben werden. Die Bevölkerung sei aufgefordert, aktiv mitzuhelfen, damit in Bälde ein belebter und anschaulicher Stadtkern entstehen könne.


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