Die Riesen sind eingezogen

Urs Plüss ist mit seinen fünf Camelot-Shire-Horses in Opfershofen angekommen. Ein sechstes Pferd importiert er schon bald direkt aus England. Dann kann er mit ihnen sechsspännige Bierwagen und Hochzeitskutschen ziehen.
06. März 2013, 01:35
DANIELA EBINGER

OPFERSHOFEN. Der Lastwagen steht auf dem Landwirtschaftsbetrieb an der Kreuzlingerstrasse 8 vor dem Stall. Darin befinden sich die fünf Camelot-Shire-Horses von Urs Plüss. Nur vereinzelt kann man von aussen ein Rumpeln wahrnehmen. Die Tiere warten geduldig, bis sie ihr neues Zuhause beziehen können. Urs Plüss trifft im Stall noch letzte Vorkehrungen. Ganz fertig ist er mit seiner Arbeit im neuen Heim noch nicht. Die Stalldecke sieht noch aus wie ein Skelett. Nur die Querbalken stehen. Doch die sechs Pferdeboxen sind eingestreut und bezugsbereit für die Riesen.

Auch sonst benötigt es bis zur Vollendung noch einiges. «Bis Stall und Haus ganz fertig umgebaut sind, brauche ich noch viele Jahre», sagt Urs Plüss. Die Zeit renne ihm aber nicht davon. Mit dem Umzug erfüllt er sich einen grossen Traum.

In Zürich wurde es ihm zu eng

Plüss transportierte seine fünf Shire-Horses von Dättikon nach Opfershofen. In Dättikon ist er mitten im Dorf auf dem grosselterlichen Hof aufgewachsen. Mit den fünf Riesen wurde es allerdings zu eng. Ein Sechsergespann war schon lange sein grösster Wunsch. In ein paar Wochen importiert er deshalb ein weiteres Pferd direkt aus England, den 15jährigen Wallach Horaze. Danach kann Plüss mit seinen sechs eigenen Riesen Fahrten mit den verschiedenen Kutschen anbieten.

Nicht nur Hochzeiten und Gesellschaften fährt er mit seinen Tieren. Als Privatunternehmer hält Plüss in der Schweiz mit seinen sechs Shire-Pferden eines der letzten Brauereifuhrwerke. Zum erstenmal fährt er mit seinem eigenen Sechsergespann am Umzug zum 30-Jahr-Jubiläum der diesjährigen Offa-Pferdemesse in St. Gallen. Im Zusammenhang mit der Frühlingsausstellung des Einkaufszentrums Amriville kutschiert Plüss mit einem Vierspänner bereits diesen Samstagnachmittag ab 14.30 Uhr Gratis-Rundfahrten. In Winterthur liefert er nach wie vor mit Bierwagen und Pferd für die Brauerei Haldengut die Bestellungen an Wirte aus. Nebst den verschiedenen Kutschenfahrten bietet er mit seinen Riesen auch geführte und begleitete Ausritte an. «Wir werden uns in der neuen Heimat schnell zurechtfinden», sagt der 38-Jährige. Er freut sich darauf, die Gegend zu erkunden.

Ruhiger Charakter

Urs Plüss öffnet die mechanische Lastwagenrampe. Gespannt guckt Charly, der quer zuvorderst im Lastwagen steht, in seine neue Umgebung. Keine Hektik – alles mit der Ruhe. Die Freude ist Urs Plüss ins Gesicht geschrieben. Der kräftige Mann strahlt wie ein kleiner Junge. «Wir sind da», sagt er zu seinen Tieren und öffnet die erste Schranke im Lastwagen. Hinter Charly lugen Jeronimo, Billy, Flair und Harry interessiert hervor. Charly schaut sich zuerst in der Gegend um und nimmt die Rampe ganz gemächlich. Plüss lässt dem Tier Zeit und hält es dabei nicht einmal am Halfter. Das Vertrauen scheint gross.

Das Pferd trottet seinem Herrchen hinterher. Über die provisorische Bretterrampe in den Stall hält Plüss Charly am Halfter fest und führt es in die erste Box. Ab hinein und alles genau begutachten. Kopf am Boden und schon beginnt Charly am Stroh zu knabbern. Mit einer Seelenruhe, ganz friedlich, als ob er hier nicht das erste Mal steht. «Shire sind von Natur aus sehr ruhige, charakterstarke Tiere mit einem berechenbaren Temperament», sagt Plüss.

Fellpflege über den Boxenrand

Auch die andern vier Pferde beziehen ihre Box und knabbern schon bald über den Boxenrand ihren Nachbarn an der Mähne. «Sie kommen mir in diesem Stall richtig klein vor», sagt Plüss, der sich so viel Platz für seine Schützlinge nicht gewohnt ist.


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