Bis zur allerletzten Schraube

DIETFURT. Die vierte Ausstellung der Kunsthallen Toggenburg, Arthur#4, naht. «Oil for Tractors» ist eine 24-Stunden-Aktion und findet am 12. September in der Dietfurter Rittberghalle statt.
10. September 2009, 07:55
Michael Hug

«Es wird einige Schrauben zu lösen geben», versprechen die vier Mitglieder der Wiler Künstlergruppe OHM41. Im Übrigen gibt man sich geheimnisvoll, obwohl das Objekte ihrer Begierde, ein himmelblauer, drei Tonnen schwerer Ford-Traktor, nicht zu übersehen ist. Thomas Freydl, Mitglied von OHM41: «Der Traktor ist Sinnbild für Macht. Macht wird von Diktatoren ausgeübt. Wir demontieren diese Macht, das heisst, wir zerlegen ihr Symbol.

» Jedes Einzelteil des Traktors versinnbildliche nicht mehr und nicht weniger den Obolus des Volkes an die Churfürsten. «Oli for Tractors» heisst die Aktion und ist Ritual des Hohns der Niedrigen gegen die Oberen.

Der Hohn der Niedrigen

«Sieben Diktatoren auf sieben Traktoren» – das war der Arbeitstitel und Wettbewerbsausschreibung der Kunsthallen Toggenburg anfangs dieses Jahres. «Wir hatten 19 Eingaben von Kunstschaffenden aus der ganzen Schweiz.

Gewonnen hat das Kunstnetzwerk Ohm41, weil es eine bestechende Idee hatte die zudem unserer Vorstellung am nächsten kam», erklärt Daniela Vetsch vom Verein Kunsthallen Toggenburg. Dass dabei viel Öl fliessen wird und korrodierte Kurbelwellen ausgebaut werden, sei im Sinne des Projekts. «Die Demontage wird innert 24 Stunden erfolgen», meint Vetsch. Eine klare, aber auch straffe Vorgabe, eine Anlehnung an die meist militärische Form der Diktatur.

Die Demontage der Macht

Der Ganterschwiler Thomas Freydl, der Wiler Markus Eugster und die Südthurgauer Andreas Schedler und Stefan Kreier sind die vier Kunstschaffenden – «Protuberatoren» genannt – die sich für 24 Stunden um den alten, ausgedienten und liebevoll aufgepäppelten Traktor kümmern werden. Der metaphorische Sturz der Diktaturen beziehungsweise die Demontage ihrer Macht wird am 12. September stattfinden.

Morgens um sechs Uhr wird die erste rostige Mutter auf den Boden der Rittberghalle fallen, der erste Tropfen Öl fliessen. Die Aktion dauert dann bis zum nächsten Morgen sechs Uhr und wird begleitet durch Sound-Interventionen, Manifeste, Sachvorträge und weiteren mehr oder weniger tiefgründigen Interventionen – wie man sie vom Kunstnetzwerk OHM41 kennt.

Öffentliche Performance

Die Performance ist öffentlich und gemäss Aussage der Organisation nicht nur für Frühaufsteher. Daniela Vetsch: «Der Akt der Zerlegung ist unwiderrufbar. Man sollte darum den Beginn nicht verpassen. Man kann selbstverständlich auch über die ganzen 24 Stunden der Aktion beiwohnen, das wäre echte Solidarität.» Für die Verpflegung von Künstlern und Zuschauenden sind die Organisatoren ebenfalls besorgt. Daniela Vetsch: «Wir werden ständig eine warme Suppe und kanisterweise Kaffee bereithalten.

» OK-Chefin Vetsch bemerkt noch: «Die Zerlegung dieses Mobilisationsgeräts in der Rittberghalle direkt an der geplanten Bütschwiler Umfahrung, birgt viel Brisanz zu Toggenburger Verkehrsdiskussionen.» Im Übrigen, so Vetsch, koste diese Abwrackaktion, nicht wie in Deutschland, den hiesigen Steuerzahler keinen Rappen.


Leserkommentare

Anzeige: