Nach dem Nein zum Erlebnishotel: Insbesondere die Gegner sind gefordert

KOMMENTAR ⋅ "Die Gemeindebehörden, die Parteien und die Bevölkerung – insbesondere die Gegner – sind nun gefordert, zusammen zu definieren, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickeln soll", schreibt Reporterin Sabine Schmid.
Aktualisiert: 
15.04.2018, 15:00
15. April 2018, 15:11
Die Investoren haben das Angebot auf den Tisch gelegt: Sieben Millionen Franken seitens der Gemeinde als Beteiligung an ein Erlebnishotel, das geschätzt jährlich bis zu 30000 Übernachtungsgäste ins Tal gebracht hätte. Verbunden damit waren Steuereinnahmen und Wertschöpfung in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Doch das Angebot wurde deutlich abgelehnt. Vielen Stimmbürgern waren die geforderten 7 Millionen Franken als Investitionsbeitrag der Gemeinde zu teuer. Diese Meinung gilt es zu akzeptieren und das Beste aus dem Nein zu machen.

Sabine Schmid, Reporterin Zoom

Sabine Schmid, Reporterin

Das dürfte nicht leicht sein. Wildhaus-Alt St. Johann ist eine eher strukturschwache Gemeinde. Finanziell steht sie auf gesunden Beinen und weist als eine der einzigen Gemeinden in der Region ein Pro-Kopf-Vermögen auf. Ein Teil dieses Eigenkapitals könnte die Gemeinde in die Entwicklung investieren. Dass diese im Bereich des Tourismus stattfinden müsste, liegt auf der Hand. Denn Wildhaus-Alt St. Johann ist das Kerngebiet des touristischen Angebots im Toggenburg. Für die Ansiedlung von Industrie stehen mehrere Vorzeichen falsch und bei der Landwirtschaft gibt es kaum Entwicklungspotenzial.

Ein Hotel mit Restaurant, Bowlingbahn und Erlebnisbad wäre eine gute Möglichkeit gewesen. Erstens hätte es neue Gäste in die Destination gezogen. Zweitens hätten auch die Einheimischen von den Angeboten profitieren können. Und drittens hätte es Arbeitsplätze für die Einheimischen geschaffen. Doch das Angebot war vielen Einheimischen zu teuer. Ein weiteres Projekt für ein neues Hotel ist nicht in Sicht und das heutige Nein wird von einem potenziellen Investor ziemlich genau analysiert werden. Für Investitionen im Bereich der Parahotellerie, die sich ebenfalls gut auf die Wertschöpfung in der Gemeinde niederschlägt, sind mit dem Zweitwohnungsgesetz alle Möglichkeiten verbaut. 

Bleiben Möglichkeiten im Angebotsbereich. Hier weist die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann schon viel auf, was die Gäste wünschen. Von Tennis über Biken bis zu Minigolf und Schwimmen sind nahe des Wanderparadieses viele Sportarten abgedeckt. Im Winter bieten sich nicht nur die Skipisten an, sondern auch das Curlingzentrum mit der Eisbahn oder neuerdings die Boulderbox. Alleine deshalb bleibt niemand über Nacht. Am Morgen auf die Piste und am Abend nach Hause ist dank der guten Verkehrserschliessung kein Problem. Gegessen wird auch  nicht zwingend in einem Restaurant, da stoppt der Tagesgast beim Tankstellenshop oder beim Fast-Food-Restaurant nahe der Autobahn. Damit wieder mehr Logiernächte generiert werden, braucht es andere, zeitgemässe, Angebote.

Die Gemeindebehörden, die Parteien und die Bevölkerung – insbesondere die Gegner – sind nun gefordert, zusammen zu definieren, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickeln soll. Dabei müssen sich aber alle bewusst sein, dass dies Zeit, und bestimmt auch Geld kosten wird. Denn wer ernten will, muss zuerst säen.

Lesen Sie unter diesem Link mehr über das Abstimmungsresultat.

Anzeige: