FCSG-Sportchef Alain Sutter nach Heimspiel-Niederlage: "Die Leute geben uns eine Chance"

FC ST.GALLEN ⋅ Alain Sutter hat am Wochenende sein erstes Heimspiel als Sportchef miterlebt. Trotz der Niederlage gegen Zürich sagt der 50-Jährige: "Wir haben Qualität in der Mannschaft."
13. Februar 2018, 06:04
Interview: Ralf Streule

Interview: Ralf Streule

Alain Sutter, das erste Heimspiel für Sie als Sportchef des FC St. Gallen bedeutet gleichzeitig die erste Heimniederlage. Gibt es dennoch etwas Positives, das Sie vom Sonntagsspiel mitnehmen?

Sportlich gesehen sicher die erste Halbzeit, da gab es viele gute ­Ansätze. Der Start gefiel mir gut, und nach den Zürcher Chancen fing sich die Mannschaft schnell wieder, liess den Ball gut laufen und ging verdient in Führung. Das war alles in allem okay. Das zeigte: Wir haben Qualität in der Mannschaft.

In der zweiten Halbzeit war alles anders.

Die Zürcher standen höher, und man spürte: Unsere Mannschaft hatte plötzlich etwas zu verlieren. Wir standen weniger kompakt, liessen uns zurückdrängen, als Resultat davon gewannen wir kaum mehr zweite Bälle.

Die Anzeichen waren schon früh nach der Pause da, dass St. Gallen an Einfluss verliert. Trainer Giorgio Contini wartete aber bis zehn Minuten vor Schluss mit Auswechslungen. Ein Fehler?

Dass es unter den Zuschauern Diskussionen gibt, wenn in einem solchen Spiel erst in der 82. Minute ausgewechselt wird, ist logisch. Aber diese Fragen sind immer hypothetisch, im Nachhinein ist man immer schlauer. Wer sagt denn, dass die Mannschaft mit Auswechslungen besser ins Spiel gekommen wäre?

Hätten Sie früher gewechselt?

Diese Entscheidungen trifft der Trainer. Ich werde den Teufel tun, über solches zu reden. Ich habe eine andere Aufgabe und unterstütze den Trainer bei seiner Aufgabe.

Sie ahnen, worauf diese Frage zielte. Im Umfeld des Clubs sprechen viele von der Schwächung Continis innerhalb des Vereins seit dem Führungswechsel. Arbeiten Sie und Contini gut zusammen?

Die Zusammenarbeit ist tipptopp. Wir reden offen und direkt, haben einen guten Austausch, ich bringe Ideen, er bringt Ideen, wir ergänzen uns. Und von einer Schwächung ist nicht die Rede: Giorgio entscheidet, wer aufgestellt wird, er entscheidet das Spielsystem, er bestimmt die taktische Ausrichtung. Ich bin ihm als Sportchef zwar übergestellt, aber das ist der Normalfall in einem Fussballclub.

Contini hat Vertrauensleute verloren. Und er wurde nicht von der neuen Führung eingestellt.

Natürlich liegen die Gedankengänge der Beobachter nahe: «Alles ist im Umbruch. Auf vielen zentralen Positionen ist alles neu, nur beim Trainer nicht, also muss er der nächste sein.» Aber so denken wir nicht. Von wem er eingestellt wurde, ist irrelevant. Wir haben schon von Anfang an gesagt, dass wir alle beobachten wollen und dann schauen, ob sie reinpassen.

Contini passt also auch zum neuen FC St. Gallen?

Selbstverständlich.

Wie sieht die Kaderplanung aus? Rund 30 Spieler gehören zum Kader, was viel ist.

Wir haben erst zwei Ernstkämpfe gesehen, es geht für mich noch immer darum, mir ein Bild zu machen. Ich weiss, welchen Fussball ich langfristig sehen will und welche Spielertypen es dafür braucht. Natürlich ist das Kader zu gross, aber einige Verträge laufen aus, wir sind in einem normalen Prozess, das pendelt sich ein.

Es stehen neue Talente aus dem Nachwuchs auf der Kaderliste. Wird es bei Ihnen, der Sie ja auch für die sportlichen Belange des Nachwuchsprojekts FCO verantwortlich sind, bald so etwas wie eine Talentquote geben?

Es werden genau jene Jungen zum Team stossen, die auch wirklich Potenzial haben. Alles andere wäre naiv. In gewissen Jahren werden es drei sein, manchmal einer, manchmal keiner.

Sie wissen, welchen Fussball Sie sehen wollen. Welchen?

Einen leidenschaftlichen, wie wir es oft gesagt haben.

Damit auch die Zuschauer wieder kommen.

Ja, aber da muss ich schon sagen: Die Zuschauerzahl vom Sonntag war fantastisch. Über 13000, und das bei Schnee, Regen, Februar, Fasnacht. Es wäre die Chance gewesen, die Zuschauer mit einem Sieg noch enger zu binden. Aber man sieht: Die Leute geben uns eine Chance, das Potenzial ist da. Und wenn dann noch mehr Ruhe einkehrt im Verein und die Leute sehen, dass wir gut arbeiten, wir mutig spielen . . . dann kommt’s gut.


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