Es läuft für St.Gallen

VORTEIL ⋅ Die 29. Runde steht ganz im Zeichen der Ostschweizer. Dank ihres schmeichelhaften 2:1-Erfolgs bei den Grasshoppers und der Niederlage von Luzern bauen sie den Vorsprung auf den vierten Rang aus.
Aktualisiert: 
15.04.2018, 22:00
15. April 2018, 22:00
Patricia Loher
Ein Sieg. Drei Punkte. Es war für den FC St.Gallen am Samstag im Letzigrund das einzig Relevante. Lange hatten die Ostschweizer bei den kriselnden Grasshoppers nicht überzeugt und kaum einen Torschuss zu Stande gebracht. Doch dann reichte den Gästen ein zehnminütiger Steigerungslauf, um perfekt in die wegweisende Woche im Kampf um Rang drei zu starten. Vor dem Spiel am Mittwoch beim FC Zürich und der Heimpartie vom nächsten Samstag gegen Thun beträgt St.Gallens Vorsprung auf Luzern seit gestern fünf Punkte.
 
Sieben Runden vor dem Saisonende hat sich der Abstand der Ostschweizer auf Rang vier also vergrössert – auch dank ihrer Effizienz in Zürich. Fünf Protagonisten haben die Partie geprägt.
  • Nassim Ben Khalifa: Note 5. Der Stürmer war lange nicht gut im Spiel, ehe ihm in der Nachspielzeit abgeklärt das 2:1 gelingt.
  • Dejan Stojanovic: Note 5. Hält sein Team nach der Pause mit zwei guten Interventionen im Spiel. Verletzt sich in der 62. Minute.
  • Silvan Hefti: Note 4,5. Eine solide Leistung des 20-Jährigen. Offensiv setzt er aber, wie viele Kollegen, kaum Akzente.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)

Yrondu Musavu-King

Am Anfang der Wende in Zürich stand der Gabuner – obwohl vorerst wenig darauf hindeutete. Nach dem Penalty, den der 26-Jährige in der 74. Minute an Marko Basic verschuldet hatte, ging es mit St. Gallen aufwärts. Die Gäste erhöhten das Tempo. Zehn Minuten nach dem Rückstand machte Musavu-King seine unglückliche Intervention vergessen, indem er das 1:1 erzielte. Es war für den Afrikaner, der dem Serie-A-Club Udinese gehört und leihweise für die Ostschweizer spielt, das erste Tor in der Super League. «Der Gegentreffer», sagte Trainer Giorgio Contini, «war wie eine Erlösung. Wir hatten nichts mehr zu verlieren».
  • Vielleicht war das mit dem Penalty gar nicht so eine schlechte Sache: Harter Zweikampf zwischen Grasshopper Marko Basic und Penalty-Verursacher Yroundu Musavu-King. Erst der Penalty-Schock konnte die Espen aus dem Tiefschlaf wecken.
  • Sportchef Mathias Walther, der bis auf Weiteres für den entlassenen Murat Yakin an der Seitenlinie steht, erlebte einen nervenaufreibenden Super-League-Einstand. Er sah 75 gute Minuten seiner Mannschaft, die mit dem 1:0 belohnt wurden. Und dann hatte er sehr, sehr viel Pech.
  • Der Grasshopper Marko Basic gegen Runar Mar Sigurjonsson im Zweikampf.

Der FC St.Gallen war am Samstag bei GC zu Gast. Nach einem Penalty eine Viertelstunde vor Schluss ging GC 1:0 in Führung. Der Penalty-Verursacher Musavu-King konnte aber nur fünf Minuten später zum 1:1 ausgleichen, Ben Khalifa sorgte für den Schlussstand von 1:2. (Bilder: Freshfocus)

Toko

Der frühere Spieler der Grasshoppers war, nebst Verteidiger Alain Wiss, St.Gallens bester, weil aggressivster und zweikampfstärkster Mann. Es lag auch an ihm, dass die Ostschweizer nach dem Rückstand in der Lage waren, zu reagieren. Toko trieb die Teamkollegen an und krönte seine gute Leistung mit zwei Assists. Vor allem sein Pass auf Torschütze Nassim Ben Khalifa in der 93. Minute war eine Augenweide. Der Vertrag des Captains läuft im Sommer aus. Klar ist: Tokos Abgang wäre für die St.Galler ein herber Verlust.
 

Nassim Ben Khalifa

Lange schien es, als würde es zwischen dem FC St.Gallen und dem Romand nicht funken. In den ersten zwei Spielen nach der Winterpause gehörte Ben Khalifa nicht einmal mehr dem Aufgebot an. Nun aber ist seine Zwischenbilanz hervorragend: In den vergangenen sechs Partien hat der U17-Weltmeister von 2009 viermal getroffen. Das 2:1 in Zürich erzielte er erstaunlich abgeklärt. «Das war nicht unser bestes Spiel. Aber unsere Reaktion nach dem Rückstand war überragend», sagte er. Und: «Es ist auch ein Zeichen von Qualität, wenn man solche Partien gewinnt.»
 

Dejan Stojanovic

Der 24-jährige Vorarlberger intervenierte in der zweiten Halbzeit zweimal stark und hielt seine Mannschaft damit im Spiel. In der 55. Minute musste der Goalie aber Kopf und Kragen riskieren, um gegen den anstürmenden Jeffrén zu klären. Stojanovic verletzte sich dabei an der Rippe und musste durch Daniel Lopar ersetzt werden. Erste Abklärungen ergaben, dass St.Gallens Goalie mit einer Rippenprellung wohl glimpflich davongekommen ist. Die Blessur ist aber schmerzhaft. Noch ist offen, ob Stojanovic am nächsten Mittwoch beim FC Zürich wieder eingesetzt werden kann.
 

Mathias Walther

Seit Dienstag, seit der Entlassung von Murat Yakin, trägt der Sportchef die Verantwortung bei den Grasshoppers. Trotz eines Chancenplus nach der Pause unterlagen die Zürcher den Ostschweizern. Die Grasshoppers sind seit sechs Spielen ohne Sieg. Der Rekordmeister ist im Abstiegskampf.

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